Grevenbroich: Keine Lebensgefahr nach Messerattacke an Stadtparkinsel

Prozess um Tat an Grevenbroicher Stadtparkinsel : Messerattacke war nicht akut lebensgefährlich

Fünfter Verhandlungstag vor dem Landgericht Mönchengladbach. Sachverständiger und Rechtsmediziner wurden gehört. Für den angeklagten Grevenbroicher gab es dabei gute und schlechte Nachrichten.

Der Prozess um die Messerattacke an der Stadtparkinsel nähert sich dem Ende. Zum Abschluss der Beweisaufnahme ging es um die Verletzungen des Opfers und die Psyche des mutmaßlichen Täters.

„Beim Angeklagten ist eine gewisse Lebensuntüchtigkeit festzustellen“, sagte der psychatrische Gutachter. Er zeichnete das Bild einer gescheiterten Persönlichkeit. Der 29-jährige Grevenbroicher habe weder in der Schule noch im Beruf wirklich Fuß fassen können. Mit 19 Jahren saß er bereits in Haft. „Er ist überempfindlich, unnachgiebig und misstrauisch gegenüber anderen“, sagte der Gutachter. Besonders unter Alkohol- und Drogeneinfluss mischten sich bei ihm Frustration und Wut. Wie am Tatabend, als er auf einen 24-jährigen Freund einstach. Im Blut des Angeklagten fanden sich danach 1,1 Promille Alkohol, der Cannabis-Wirkstoff THC und Amphetamine. „Die Substanzen wirkten enthemmend“, sagte der Sachverständige. Dass sei zugunsten des Angeklagten zu berücksichtigen. Allerdings habe bei ihm kein Rauschzustand vorgelegen. „Er konnte situationsbedingt reagieren“, sagte er. Der Sachverständige empfahl den „cannabis-süchtigen“ Angeklagten in einer geschlossenen Einrichtung unterzubringen. Eineinhalb Jahre Therapie halte er für angebracht.

Ein Rechtsmediziner analysierte die Verletzungen des Opfers. „Es bestand niemals eine akute Lebensgefahr. Sein Zustand war immer stabil“, sagte er. Die Lunge sei nicht direkt betroffen, das Blut noch ausreichend mit Sauerstoff gesättigt gewesen.

Auch die behandelnde Ärztin bestätigte einen weitgehend problemlosen Heilungsverlauf. Es habe ein Pneumothorax vorgelegen, Luft sei in einem Spaltraum in der Brusthöhle gelangt. Die Akutversorgung habe ein Assistenzarzt übernommen, sie habe in einer Operation keine weiteren schweren Verletzungen feststellen können. Allerdings seien die Stichverletzungen relativ tief gewesen. Dass der Angeklagte das Opfer im Kampfgeschehen aus Versehen getroffen habe, sei daher unwahrscheinlich.

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Der Verhandlungstag endete somit für den Angeklagten mit einer guten und einer schlechten Nachricht. Eine Verurteilung wegen versuchten Totschlags wurde ebenso unwahrscheinlicher wie eine Einschätzung seines Handels als Notwehr. Mit einem Urteil wird am 14. Juni gerechnet.