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Grevenbroich: "Jahrhundert-Bauwerk" Elsbachtunnel feiert Jubiläum

Unterführung in Grevenbroich : 25 Jahre freie Fahrt dank Elsbachtunnel

1994 wurde die Unterführung eröffnet – die berüchtigten „Glück-auf-Schranken“ auf der Rheydter Straße gehörten damit der Vergangenheit an. Beinahe wäre das Tunnel-Projekt der Deutschen Einheit zum Opfer gefallen.

Der Bahnübergang an der Rheydter Straße war alles andere als ein Vergnügen. Die rot-weißen Barrieren wurden im Volksmund „Glück-auf-Schranken“ genannt – weil man verdammt viel Glück haben musste, um sie mal offen zu erleben. Meistens staute sich dort der Verkehr, Wartezeiten von zehn Minuten und länger waren keine Seltenheit. Ältere Grevenbroicher werden sich noch lebhaft an diese Zeit erinnern.

„Acht Stunden am Tag waren die Schranken geschlossen – und das auf der einzigen Ortsdurchfahrt“, berichtet Werner Hoffmann (69), der von 1991 bis 2015 Technischer Beigeordneter der Stadt war. „Ein unzumutbarer Zustand für eine aufstrebende Kommune.“ Gut 50 Jahre ärgerten sich die Schlossstädter über die Schranken – bis endlich die Planungen für das sogenannte EBÜ beginnen konnten, das Eisenbahn-Überführungs-Bauwerk, das heute Elsbachtunnel heißt.

„Die Landesgartenschau machte es möglich, dass wir solche Projekte in Angriff nehmen konnten“, erinnert sich Hoffmann. Im Vorfeld des Großereignisses, das am 8. April 1995 begann, gewährten Bund und Land namhafte Zuschüsse – vor allem für Verbesserungen der Infrastruktur. Ende der 1980er Jahre hatten die Grevenbroicher den schienengleichen Bahnübergang an der Lindenstraße beseitigt, 1993 folgte die Unterführung auf der Schanze – und ein Jahr später sollte der Elsbachtunnel eröffnet werden. „Er war nicht ganz unumstritten“, sagt Werner Hoffmann: „Es gab auch Bürger, die sich dagegen wandten und eine möglichst autofreie Innenstadt wollten.“ Ein entsprechender Protest lag dem Petitionsausschuss des Bundes vor.

1992 hatte die Deutsche Bahn bereits mit den ersten Arbeiten für das EBÜ begonnen – alles schien nach Plan zu verlaufen. Doch dann kam die Deutsche Einheit dazwischen. „Der Anruf erreichte mich während einer Fachausschuss-Sitzung im Roten Saal des Alten Schlosses“, berichtet Hoffmann. Am anderen Ende der Leitung: Bürgermeister Hans Gottfried Bernrath, der auch Bundestagsabgeordneter war. Er hatte aus erster Hand erfahren, dass die Fördermittel für das 24-Millionen-Mark-Projekt in Grevenbroich gestrichen werden sollten.

„Das Geld sollte in den Osten gehen, um dort ,blühende Landschaften’ zu errichten – für uns wäre das eine Katastrophe gewesen“, schildert der ehemalige Wahlbeamte. „Die Entscheidung sollte schon am nächsten Tag fallen.“ Da war Eile geboten: Werner Hoffmann und der damalige Planungsamts-Chef Willi Horn verließen sofort die Sitzung, schlossen sich im Büro ein und trugen sämtliche Argumente für den Elsbachtunnel zusammen, die zur frühen Morgenstunde in die Bundeshauptstadt gefaxt wurden.

„Wir haben uns die Nacht um die Ohren geschlagen – letztlich mit Erfolg. Denn die Entscheider konnten davon überzeugt werden, wie wichtig dieses Projekt für Grevenbroich ist. Wir hatten gewonnen.“ Die Arbeiten wurden fortgesetzt, so dass die 700 Meter lange Unterführung am 30. September 1994 noch rechtzeitig vor der Landesgartenschau eröffnet werden konnte. Pünktlich um 17 Uhr setzte sich ein Autocorso in Bewegung, danach herrschte „in Grevenbroich allzeit freie Fahrt“, wie es der damalige Staatssekretär Joachim Westermann vom Landesministerium für Stadtentwicklung und Verkehr ausdrückte. Kurz darauf, Mitte Oktober, starteten die Arbeiten für die Fußgänger- und Radfahrerunterführung.

In 25 Jahren ist der Elsbachtunnel eine Selbstverständlichkeit für die Grevenbroicher geworden. Die „Glück-auf-Schranken“ sind heute kaum noch vorstellbar. „Für unsere Stadt war das ein kleines Jahrhundert-Bauwerk“, sagt Werner Hoffmann. „Und der Elsbachtunnel ist ein Beleg dafür, dass selbst große Dinge geschafft werden können, wenn eine Stadt aktiv ist.“

Hier geht es zur Bilderstrecke: Der Elsbachtunnel in Grevenbroich feiert Jubiläum