Grevenbroich: Jäger warnen vor Gefahr aus dem Wald

Plakat-Aktion an Grevenbroicher Straßen : Jäger warnen vor Gefahr aus dem Wald

Waidmänner aus Grevenbroich haben an mehreren Straßen im Stadtgebiet großflächige Plakate postiert. Sie warnen damit vor einer tödlichen Gefahr, die jederzeit aus dem Wald kommen könnte.

Dutzende Tote, mehr als 3000 Verletzte und eine halbe Million Euro Sachschaden jährlich: Alle 2,5 Minuten kollidiert in Deutschland ein Reh, ein Wildschwein oder ein Hirsch mit einem Fahrzeug. Um Unfällen vorzubeugen, haben Jäger aus Grevenbroich jetzt Initiative ergriffen. Mit großflächigen Plakaten warnen sie Auto- und Motorradfahrer vor der gefährlichen Kollision mit heimischen Wildtieren.

Eines dieser Plakate hängt an der Gabionenwand vor dem Neurather Kraftwerk, direkt an der vielbefahrenen Landstraße 375. Aus gutem Grund: „Auf dieser Strecke wird oftmals schneller als die erlaubten 70 km/h gefahren“, sagt Dirk Decker, Leiter des Hegerings für Grevenbroich und Rommerskirchen. Ein Zusammenstoß mit einem Tier, das aus den angrenzenden Waldgebieten kommt, könnte böse ausgehen. „Bisher verlief das noch glimpflich“, sagt Revierpächter Thomas Gigowski. Zwar nicht für die beiden trächtigen Ricken und den Dachs, die seit Anfang April auf der L 375 ihr Leben verloren, wohl aber für die beteiligten Autofahrer. Sie blieben unverletzt, lediglich Blechschäden war zu beklagen.

Im Mai stecken Rehe ihre Revier ab, Ende Juli, Anfang August paaren sie sich. „In diesen Monaten sind die Tiere sehr aktiv, sie wechseln von einem Waldstück zum anderen – und damit müssen sie Straßen überqueren, die ihre Lebensräume zerschneiden“, berichtet Revierpächter Herbert Philipps. Anders als die schlauen Füchse, die vor dem Überqueren der Fahrbahn nach links und rechts schauen, brettern die scheuen Waldbewohner einfach drauf los. „Damit müssen Verkehrsteilnehmer zu jeder Tages- und Nachtzeit rechnen“, warnt Dirk Decker.

Der zunehmende Verkehr führe dazu, dass sich Wildtiere und Kraftfahrzeuge immer öfter auf der Straße begegnen. „Seit 1975 ist die Zahl der Wildunfälle in Deutschland um das Fünffache gestiegen“, weiß Decker. Alleine in Nordrhein-Westfalen kam es 2017/18 zu 32.530 Zusammenstößen mit Reh-, Dam-, Rot- und Schwarzwild. „Hier besteht Lebensgefahr“, sagt Thomas Gigowski. Denn kommt es zum Crash mit einem Wildtier, wirken starke Kräfte: Die Wucht, mit der etwa ein Wildschwein in die Frontpartie eines Autos einschlägt, entspricht dem Gewicht eines ausgewachsenen Nashorns: 3,5 Tonnen.

Mit ihren Plakaten weisen die Jäger nun auf diese Gefahren hin. An der Landstraße 375 leistete RWE unbürokratische Hilfe: Robert Edwin vom Kraftwerk Neurath genehmigte sozusagen von heute auf morgen das Aufhängen des Riesen-Posters. „Das war mir ein echtes Bedürfnis, auch weil das Thema ein Schwerpunkt unseres Betriebs ist“, sagt der Leiter der Abteilung für Querschnittsfunktionen. „Schließlich sind auch unsere Mitarbeiter während der Arbeitszeit immer wieder vom Wildwechsel betroffen.“ Im Vorjahr sei es zu einem Unfall gekommen, der aber zum Glück gut ausging – für den Fahrer.

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