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Grevenbroich: Grevenbroich ist meine Heimat

Grevenbroich : Grevenbroich ist meine Heimat

Auf dem blauen NGZ-Sofa redet Kurt Bodewig (57), früherer Bundesverkehrsminister, mit Redaktionsleiter Ludger Baten über sein Verhältnis zu Grevenbroich, Erfolge und die Kanzlerkandidaten-Frage.

Herr Bodewig, würden Sie Grevenbroich als Heimatstadt bezeichnen?

Kurt Bodewig Ja. Ich lebe zwar jetzt in Hamburg, der Heimatstadt meiner Frau, aber Grevenbroich ist und bleibt meine Heimatstadt. Meine Kindheit habe ich in Neurath erlebt, da sind wir als Kinder früher durch die Büsche gezogen, haben in Wasserbecken von RWE gebadet und auf der Hauptstraße Fußball gespielt. Das war eine Zeit mit ungeheuer viel Freiraum.

Sie waren SPD-Kreischef und Bezirksvorsitzender. Sie haben aber nie im Kreistag oder Stadtrat gesessen. Kommunalpolitik war so nicht ihr Ding?

Bodewig Ich war Sachkundiger Bürger in Grevenbroich. Aber ich durfte sehr schnell spannende berufliche Tätigkeiten ausüben, die aber nicht mit kommunalpolitischem Engagement verbunden waren. Wenn man eine Aufgabe macht, soll man sie auch ganz machen.

1998 bekamen Sie dann die Chance, in den Bundestag einzuziehen.

Bodewig Ich wohnte damals in Düsseldorf, arbeitete als Abteilungsleiter beim Gewerkschaftsbund und war mir anfangs nicht ganz sicher, ob ich in die Politik gehen sollte. Aber wir hatten hier tolle Wahlkämpfe gemacht — da sagte ich "Ja".

2002 holten Sie den Wahlkreis gegen den heutigen CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe. Ihr größer politischer Erfolg?

Bodewig Regional ja.

Blicken wir auf ihre Zeit als Bundesverkehrsminister. Mit ihrem Namen werden zwei große Themen verbunden. Das eine: die Öffnung des Schienennetzes auch für private Anbieter.

Bodewig Da gab es große Kontroversen. Ich bin der Meinung, dass Wettbewerb gut ist — auch für die Bahn. Ohne Konkurrenz muss sich ein Riesenunternehmen nicht bewegen. Wenn ich Mitbewerber etwa bei einer Regionalbahnstrecke habe, sieht das anders aus.

Das zweite Thema: die Lkw-Maut. Wie bewerten Sie die heute?

Bodewig Sie ist ein Erfolgsmodell mit 4,8 Millionen Euro Einnahmen. Das Hauptproblem bei der Einführung war, dass da zwei Weltkonzerne nach dem Prinzip eines DDR-Fünfjahresplans gearbeitet haben. Was sich Daimler und Telekom an Weltmarktchancen vergeben haben, ist unglaublich.

Kommt nun auch die Pkw-Maut?

Bodewig Ich kenne Frau Merkel: Vor der Bundestagswahl wird es da keine Entscheidung geben.

Kommen wir zum Rhein-Kreis: Die B59n ist fertig, freut Sie das?

Bodewig Ja. Wir haben in meiner Zeit als Minister die B 59 hingekriegt, die B 477 auf den Weg gebracht und neue Fahrradwege geschaffen. Das ist ein gutes Ergebnis.

Der heutige Verkehrsminister überlegt, ob neue Städtekennzeichen eingeführt werden sollen. Sind Sie für GV?

Bodewig Ich habe einen alten Kadett lange behalten, weil er ein GV-Schild hatte. Ich hörte, dass die Rommerskirchener jetzt "ROM" wünschen. Da wir die B 59n gebaut haben, können wir jetzt sagen: Alle Wege führen nach Rom.

Ihre Einschätzung eines erfahrenen Politikers zur Bundestagswahl 2013. Welche Chancen hat Ihre Partei?

Bodewig Ich denke, dass Schwarz-Gelb nicht weiter funktioniert, dass Rot-Grün kommen wird. Aber noch ist das Rennen offen.

Wer tritt als Kanzler-Kandidat an?

Bodewig Die SPD hat gleich drei personelle Angebote: Peer Steinbrück, Frank-Walter Steinmeier und Sigmar Gabriel. Das kann nicht jede Partei sagen. Ich finde eine Mitgliederbefragung zur Kandidatenfrage nicht schlecht — bei der die Personalfrage auch mit Sachthemen verknüpft wird.

Carsten Sommerfeld fasste das Gespräch zusammen.

(NGZ/rl)