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Grevenbroich in der Corona-Krise: Klimmzüge für den Erhalt der Firma.

Grevenbroicher Unternehmen in der Corona-Krise : Klimmzüge für den Erhalt der Firma

Besetzte Hotlines, widersprüchliche Informationen, lange Formulare: Anfangs kämpfte Yücel Uzar mit zahlreichen Problem, um sein Fitnessstudio durch die Corona-Krise zu bringen. Nun helfen Kurzarbeit und Existenzsicherung.

Am Schlimmsten ist die Ungewissheit, sagt Unternehmer Yücel Uzar (49). Dort, wo normalerweise Menschen aus Grevenbroich etwas für ihre Gesundheit tun, steht derzeit alles still. Die Türen sind verschlossen, die Lautsprecher verstummt, das Licht ist aus. Seit dem 17. März hat das Fitnessstudio uniquesport an der Bergheimer Straße zwangsweise geschlossen – so wie viele Unternehmen. Schuld ist das Coronavirus. Nun kämpft Yücel Uzar um das Überleben seiner Firma mit 20 festangestellten Mitarbeitern und Aushilfen und der ebenso vielen Freelancern, freien Trainern. Kurzarbeitergeld, Existenzhilfe, Zahlungen an Lieferanten und Dienstleister – Uzar musste und muss eine Menge regeln, um bestehen zu können.

Yücel Uzar betreibt in Grevenbroich das Fitnessstudio uniquesport. Dort ist Zwangspause – seit knapp drei Wochen. Foto: Uniquesport, Uzar

Mehreren tausend Mitgliedern hat Uzar gleich am Anfang der Zwangsschließung geschrieben. Die Fitness-Studio-Beiträge für April werde er nicht abbuchen. Aus Loyalität, Respekt und Rücksicht. Denn wer einen Vertrag mit dem Fitnessstudio besitzt, hat derzeit gar keine Chance, den Trainingsplan umzusetzen. Dafür gab es in den sozialen Medien viel Lob.

Bei einer Mitarbeiterversammlung mit den Festangestellten habe er am 17. März gesagt, dass der angefangene Monat voll bezahlt werde. Manche Angestellten nahmen spontan Urlaub – ihr Beitrag zum Erhalt der Arbeitsplätze.

Mit dem Thema „Kurzarbeit“ habe er sich noch nie in seinen drei Jahrzehnten in der Fitnessbranche beschäftigen müssen. Er kannte das Wort – aber wie und wo Kurzarbeit beantragt werden muss – das wusste er nicht. „Am Anfang hatte ich eine Telefonnummer der Arbeitsagentur in Mönchengladbach. Doch ging niemand ran“, erzählt er. Im Internet fand er kaum brauchbare Informationen. Und egal, welche Telefon-Hotline Uzar wählte – ob Industrie-. und Handelskammer, LVR, Ministerien – „überall war besetzt“.

Erst in der vergangenen Woche ging es in puncto Kurzarbeit voran. „Ein Mitarbeiter der Arbeitsagentur hat mich sogar zurückrufen“, sagt Uzar. Nun habe er der Arbeitsverwaltung Kurzarbeit bis zum Jahresende angezeigt. „Das hat der Berater angeregt.“ Kurzarbeit anzuzeigen heißt nicht automatisch, dass man die Gelder – 60 bis 67 Prozent des Bruttolohns eines sozialversicherungspflichtigen Mitarbeiters – in Anspruch nimmt. „Das macht man dann Monat für Monat – anhand von fiktiven Stundenlisten.“ Formulare und Bestimmungen seien nicht immer einfach, aber letztlich doch zu verstehen, sagt Uzar. Die freien Fitnesstrainerinnen und –trainer sind Soloselbstständige – sie müssen selbst dafür sorgen, ohne Honorareinnahmen über die Runden zu kommen. Der Punkt Kurzarbeit und Angestellte – erledigt. Doch das war nur ein Punkt auf der Liste.

„Zahlreiche Kosten laufen einfach weiter“, sagt der Studio-Betreiber. Miete, Strom, Wasser, Telefon, Studiengebühren für die fünf studierenden Azubis. Auch in Sachen „Liquidität“ herrschte zunächst große Unsicherheit mit widersprüchlichen Informationen im Netz. Zunächst schien es so, als seien Überbrückungskredite für die Unternehmen das einzige Angebot des Staates. „Diese sollten jedoch zu sehr hohen Zinsen vergeben werden.“

Mittlerweile gibt es die Soforthilfe für Unternehmen und Selbstständige. Das ging sehr zügig, berichtet Uzar. Am Freitag, 30. März, wurde vom NRW-Wirtschaftsministerium ein dreiseitiges Online-Formular freigeschaltet. Anfangs waren die Server überlastet; man musste warten. Doch schließlich waren alle Angaben eingetragen. Nach vier Tagen seien ihm 25.000 Euro für April, Mai und Juni zugesagt worden. Am Freitag, 3. April - eine Woche nach Antragstellung – war das Geld überwiesen. „Für eine Einzelperson ist das viel Geld – tatsächlich deckt die Summe – verteilt auf drei Monate - nicht einmal die Hälfte der laufenden Kosten, sagt der Unternehmen. Er hat deshalb mit vielen Vertragspartnern gesprochen. Manche reduzierten Vorauszahlungen, andere stundeten Gebühren. „Alle waren hilfsbereit – auch wenn sie dadurch selbst weniger Einnahmen haben.“

Bleibt zum Schluss – die Ungewissheit. Wie lange dauert die Zwangspause? Yücel Uzar sieht sich in einer Reihe mit zahlreichen anderen Fitnessstudios, deren Inhaber erklärt haben, dass sie zur Not zwei, drei Monate lang ohne Einnahmen auskommen. „Danach müsste ich einen Kredit aufnehmen“, sagt Uzar. Kein schöner Gedanke.

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