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Grevenbroich: Grevenbroich in alten Filmen

Grevenbroich : Grevenbroich in alten Filmen

Amerikanische Soldaten in Neuenhausen, die Feuerwehr bei Abbrucharbeiten oder Männer beim Bau der Christuskirche. Eine neue DVD zeigt die Grevenbroicher Stadtgeschichte aus der Perspektive von Schmalfilmern.

Kaum zu glauben: Als 1967 der alte Kirchturm an der Erft abgerissen wurde, verzichtete die Stadt auf ein Abbruchunternehmen. Das übernahm die Feuerwehr. Chef Willi "Böff" Esser stieg höchstpersönlich auf die Leiter, um in schwindelerregender Höhe die Steine abzuklopfen. Sicherheitsausrüstung? Fehlanzeige!

Diese nahezu abenteuerliche Szene ist eine Sequenz aus der DVD "Grevenbroich in alten Filmen", die ab morgen erhältlich ist. Sie bietet drei Stunden bislang zum Teil unveröffentlichtes Material, das aus privaten Beständen stammt. "Wir haben die Grevenbroicher vor einigen Monaten aufgerufen, uns alte Filme zur Verfügung zu stellen", erklärt Stadtarchivar Wolfgang Brandt (61). Von der Resonanz war er überrascht: "Da sind locker 30 Stunden Filmmaterial zusammengekommen." Peter Schmidt (57) vom Unternehmen "PS Media" hat die Filme gesichtet, die wichtigsten Szenen herausgeschnitten und sie auf einer DVD zusammengefügt.

Die wohl geschichtsträchtigsten Sequenzen stammen allerdings nicht aus Grevenbroich, sondern aus Washington. "Aus dem Nationalarchiv der Vereinigten Staaten haben wir Filmausschnitte bekommen, die den Einmarsch der Amerikaner 1945 in Neuenhausen zeigen. Es sind Frauen in einem Fenster zu sehen, die mit der weißen Fahne schwenken", erklärt Schmidt. Ein weiterer Schauplatz ist das Erftwerk: Dort werden Zwangsarbeiter von den GIs aus einem Bunker befreit. "Für das Stadtarchiv sind diese Ausschnitte natürlich besonders wertvoll", sagt Wolfgang Brandt.

Eine weitere Rarität stammt aus dem Privatarchiv von Peter Pick: Die Aufnahmen von 1958 zeigen hart arbeitende Männer beim Bau der evangelischen Christuskirche und vermitteln einen Eindruck von der Grundsteinlegung. Auch Prominenz ist auf der DVD zu sehen: Willy Brandt beim Wahlkampf auf der Rathaustreppe oder die Grevenbroicher Kanuten Otto Schumacher, Willi Baues und Reinhold Kauder, die 1972 bei den Olympischen Spielen auf dem Augsburger Eiskanal die Silbermedaille holten.

Neben dem bereits bekannten Stadt-Film, den der Neusser Albert Kreuels in den 60er Jahren produzierte, gibt es einen weiteren Streifen über die Schlossstadt: Er wurde von Elmar Andrée, dem ehemaligen Filmvorführer des legendären Corso-Kinos, produziert und — recht amüsant — vertont.

"Ich glaube, dass wir hier eine wirklich interessante DVD anbieten, die in Grevenbroich sicherlich ihr Publikum finden wird", meint Wolfgang Brandt. Der Aufruf, der Stadt, ihr alte Filme zur Verfügung zu stellen, gilt übrigens auch weiterhin. "Ich bin davon überzeugt, dass es noch mehr Material gibt, das für eine Veröffentlichung geeignet ist", betont der Archivar. Sollte das der Fall sein, könnte es schon bald einen zweiten Teil geben.

(NGZ)