Grevenbroich: Hotel "Zur Traube" ist jetzt ein Denkmal

Historisches Hotel geschichtlich bedeutend für Grevenbroich: Die „Traube“ ist jetzt ein Denkmal

Der Landschaftsverband hat das historische Hotel und spätere Sterne-Restaurant unter Schutz gestellt. Es wird künftig Firmensitz des Personaldienstleisters „Ismatec“ sein. Für den neuen Besitzer ist der Denkmalschutz kein Problem.

Am 11. September werden sie ein letztes Mal in der Küche des Hotels „Zur Traube“ agieren: Dieter und Elvira Kaufmann wollen zum Abschluss einer 56-jährigen Ära noch einmal geladene Gäste mit ausgewählten Spezialitäten verwöhnen. Das letzte Dinner ist gleichzeitig Auftakt für ein neues Kapitel des historischen Hauses: Das Personaldienstleistungsunternehmen „Ismatec“ hat bekanntlich die Immobilie erworben und verlegt seine Hauptverwaltung an die Bahnstraße 47. Dort wird Firmenchef Yakup Yamac künftig die Geschäfte aus einem Denkmal heraus leiten.

Denn der Landschaftsverband Rheinland (LVR) hat das 1893 im Stil der Neorenaissance errichtete Pracht-Haus soeben unter Schutz gestellt. Und das aus mehreren Gründen, wie Nadja Fröhlich von der LVR-Abteilung „Inventarisation“ in ihrer Expertise darlegt. Demnach ist die „Traube“ nicht nur ein charakteristisches Zeugnis für die Architektur der Gründerzeit, sondern auch bedeutend für die Ortsgeschichte. Denn bis in die Nachkriegszeit hinein habe das Hotel „eine zentrale Rolle innerhalb des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens“ in der Stadt gespielt. Erinnerungen an Tanzveranstaltungen, Konzerte und Theateraufführungen seien „bis heute im Bewusstsein der Bevölkerung verankert“.

Schon um die Jahrhundertwende wurde mit dem Pracht-Hotel auf einer Grevenbroich-Postkarte geworben. Foto: Sammlung Larisch

Und auch die Zeit, als die „Traube“ ein Sterne-Restaurant und damit zum Hotspot der internationalen Gourmetszene wurde, sei von ortsgeschichtlicher Bedeutung. Denn „über die zahlreichen internationalen Preise und Anerkennungen wurde das Hotel und hierüber auch Grevenbroich weltberühmt“, schreibt die Expertin. Und nicht zuletzt sei die „Traube“ ein zeitgeschichtliches Zeugnis, das die Anfänge und Entwicklung der deutschen Gourmet-Küche und Spitzengastronomie dokumentiere.

Dieter Lorenz Kaufmann in der Küche des historischen Hotels „Zur Traube“. Foto: Reuter, Michael (mreu)

Nicht nur die historische Fassade muss nach dem Urteil des Landschaftsverbandes erhalten bleiben, sondern auch Teile der Innenausstattung. Explizit aufgeführt werden eine historische Holztreppe mit kunstvoll geschnitzten Pfosten und Steingutfliesen mit Blumenmuster (sogenannte Mettlacher Platten) – beides seien Zeugnisse der handwerklichen Fähigkeiten im ausgehenden 19. Jahrhundert.

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Die Unterschutzstellung der „Traube“ wurde von der Stadtverwaltung betrieben – „weil das Hotel eines der letzten gut erhaltenen Gründerzeit-Gebäude im innerstädtischen Bereich ist“, argumentiert Rathaussprecher Stephan Renner. „Diese prägende Wirkung sollte es unbedingt behalten.“ Für Yakup Yamac ist der Denkmalschutz seiner Immobilie kein Problem: Große Umbauten plane er ohnehin nicht, schon recht keinen Eingriff in die historische Fassade.

Den Grundstein für die „Traube“ ließ Gustav Lersch im Jahr 1893 legen. Der Grevenbroicher besaß ein Hotel an der Breite Straße, dass er 1894 an Friedrich Hömberg veräußerte, der es zu einem Kaufhaus um- und ausbaute. Lersch versprach sich vom Standort an der Bahnstraße bessere Expansionsmöglichkeiten.

1927 übernahm Friedrich Kellner die Leitung des Hauses, die bereits sechs Jahre später an Paul Dichgans, ein Gastwirt aus Wuppertal, überging. Während des Zweiten Weltkriegs wurde der 800 Quadratmeter große Festsaal der „Traube“ zerstört. 1946 war es das einzige Hotel in Grevenbroich, in dem Reisende übernachten konnten.

1962 erwarb der gebürtige Grevenbroicher Dieter L. Kaufmann mit seiner Frau Elvira das Hotel. Beide wandelten das alteingesessene Haus über die Jahre zu einem weltbekannten Sterne-Restaurant um.

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