1. NRW
  2. Städte
  3. Grevenbroich

Grevenbroich: Grevenbroich hortet Kunst im Wert von einer halben Million

Grevenbroich : Grevenbroich hortet Kunst im Wert von einer halben Million

Vor Jahren wurde in Grevenbroich noch viel Geld für Kunstwerke ausgegeben. Alleine die 69 Bilder und Skulpturen, die in öffentlichen Gebäuden hängen oder stehen, haben einen Buchwert von fast einer halben Million Euro.

Ein Holzschnitt von Otto Pankok für 25 000 Euro, eine Stahlplastik von Anatol für 30.000 Euro, eine Bronzestatue von Hannelore Köhler für 50.000 Euro. Was sich liest wie ein Auszug aus dem Katalog einer Kunst-Verkaufsausstellung sind Werte, die in städtischen Gebäuden hängen, stehen oder liegen. Unter dem Strich haben die 69 Bilder, Skulpturen und Objekte, die im Eigentum der Stadt sind, einen Buchwert von 482.000 Euro. Ihr Marktwert dürfte allerdings deutlich höher liegen.

"Kämpfende Hähne" - ein Holzschnitt des berühmten Otto Pankok. Foto: Berns, Lothar (lber)

Die UWG hat die Verwaltung in dieser Woche aufgefordert, sämtliche Kunstwerke aufzulisten, die sich in ihrem Besitz befinden, und deren Standort zu benennen. Die Befürchtung von Fraktionschef Carl Windler: "Beim Verkauf einer städtischen Immobilie könnte ein Kunstwerk unbeabsichtigt veräußert oder zerstört werden.

Deshalb wollen wir einen Überblick." Den gibt es bereits: 2011 hat die Stadt ihre "Indoor-Kunstwerke" erfasst, um sie dem Eigenkapital im Neuen Kommunalen Finanzmanagement zuzurechnen. "Diese Liste ist vollständig", erklärt Kulturdezernent Michael Heesch.

Die "Frau" - eine Bronzestatue aus der Werkstatt von Hannelore Köhler. Foto: Berns, Lothar (lber)

Heute nahezu unvorstellbar: Die Stadt hat vor einigen Jahrzehnten noch fleißig Geld für Kunst ausgegeben. Mal wurde eine Bronzeplastik (40.000 Euro) aus der St. Petersburger Werkstatt von Grigori Yastrebenetskiy gekauft, mal eine Skulptur (30.000 Euro) des Düsseldorfer Bildhauers Volker Gerlach. An der Wand eines Büros im Rathaus hängen sogar zwei wertvolle Drucke, die der große Marc Chagall eigenhändig signierte - beide haben zusammen einen Buchwert von 40.000 Euro. Und eine Goethe-Büste, die in einem städtischen Gebäude steht, wird auf 35.000 Euro geschätzt.

"Einige Exponate stammen aus unserer alten Artothek", berichtet Michael Heesch. In den 80er und 90er Jahren konnten sich die Grevenbroicher bei der Stadt noch Kunst ausleihen, um sie für einige Wochen in ihren Wohnzimmern auszustellen. Als das Interesse abflaute, wurde die Artothek aufgelöst, die Bilder zum Verkauf angeboten. "Doch nicht alle fanden einen Abnehmer", sagt Heesch. Die übrig gebliebenen Kunstwerke wurden auf das Rathaus oder andere städtische Gebäude verteilt.

Das eine oder andere Bild könnte auch zugunsten des maroden Haushalts verkauft werden, meint jetzt UWG-Mann Windler. "Dafür müsste aber erst der tatsächliche Wert der einzelnen Objekte ermittelt werden - ohne dass damit Ausgaben verbunden sind", schlägt er vor. Michael Heesch glaubt aber kaum, dass sich dieser Wunsch realisieren lassen wird: "Nur Experten können die Exponate seriös bewerten - und das wird richtig Geld kosten."

Die Kunst-Liste will der Kulturdezernent bei der nächsten Gelegenheit an die UWG weiterleiten. Aber nicht in der gewünschten Form. "Die Standorte der einzelnen Kunstwerke werden auf keinen Fall genannt", betont Michael Heesch mit Nachdruck. Seine Befürchtung: Gelange sie in falsche Hände, wäre die Liste so etwas wie ein Navigationsgerät für Kunstdiebe.

Weitaus höher als 482.000 Euro dürfte der Wert der vielen Kunstwerte liegen, die im öffentlichen Raum stehen, etwa in Parks und Grünanlagen. Eine Gesamtsumme konnte Rathaussprecher Andreas Sterken jedoch nicht nennen. Nur zwei Beispiele: Die im Volksmund "Dicke Emma" genannte "Frau mit Tasche" in der Fußgängerzone und der den Hut ziehende "Nachbar" am Bahnhof haben einen jeweiligen Versicherungswert von 30 000 Euro.

(NGZ)