Grevenbroich: Holz-Kunstwerke von Matthias Hintz schlagen aus

Holz-Kunstwerke in Grevenbroich : Aus den „Pappelmännern“ sprießt zartes Grün

Aus den „Pappelmännern“ des Hülchrather Künstlers Matthias Hintz sprießt auf einmal zartes Grün. Offenbar haben die im Frühjahr im Stadtwald geschlagenen und mit der Kettensäge bearbeiteten Holzstämme Wurzeln gebildet.

Die von Matthias Hintz geschaffenen Pappelmänner bekommen „Nachwuchs“. Aus den grob behauenen Stämmen, die im Frühjahr an der Erft aufgestellt wurden, sprießt auf einmal zartes Grün. Das wundert den in Hülchrath lebenden und arbeitenden Künstler. „Damit hätte ich nicht gerechnet“, sagt Hintz. Er will das Treiben der Triebe in den nächsten Wochen beobachten, damit es nicht zum „Wildwuchs“ kommt.

Die „Pappelmänner“ sind so etwas wie eine Institution in Grevenbroich. In ihrem Ursprung gehen sie auf die Landesgartenschau 1995 zurück. Matthias Hintz ordnete die kahlköpfigen Baumstamm-Männer seinerzeit so an, als ob sie kolonnenweise aus dem Stadtwald in die Erft waten würden, um in Cottbus – damals Stadt der Bundesgartenschau – wieder aus der Spree aufzutauchen. „Mehr als 300 ,Pappelmänner‘ wurden für diese Kunst-Aktion hergestellt“, erinnert sich Kulturamtsleiter Stefan Pelzer-Florack.

Bereits nach sechs Jahren waren die Holzstelen verrottet, sowohl im Rheinland als auch in der Lausitz. „Das war gewollt“, sagt Hintz. „Sie sollen nichts Dauerhaftes sein, sondern das Wachsen und Vergehen der Natur symbolisieren.“ Um an die Aktion zu erinnern, wurde später an der Mäanderinsel eine kleine Gruppe „Pappelmänner“ neu aufgestellt, die aber nach und nach dem Vandalismus zum Opfer fielen. Seit diesem Frühjahr stehen zehn frische Stelen auf der Stadtparkinsel, in Sichtweite der Villa Erckens.

Im Februar errichtete Matthias Hintz aus Hülchrath zehn neue, bis zu vier Meter hohe Holz-Stelen an der Erft. Archivfoto: Salz. Foto: Georg Salzburg(salz)

„Das ist ein sehr guter Standort“, sagt Stefan Pelzer-Florack. „Zum Glück haben die Kunstwerke dort noch keinen Schaden genommen.“ Dass die von Künstlerhand und Kettensäge bearbeiteten Stämme nun ausschlagen, sei eine „faszinierende Sache“, meint der Kulturamtsleiter. „Offenbar ist die Pappel ein widerstandsfähiger Baum.“

Warum nun zarte Triebe auf vermeintlich totem Holz zu sehen sind, erklärt Dieter Volkwein so: „Wahrscheinlich haben die Stämme Wurzeln gebildet – begünstigt durch das Wasser der in unmittelbarer Nähe fließenden Erft“, sagt der Garten- und Landschaftsbauer aus Neurath. Dass sich die Ableger aus der Restfeuchte des Pappelholzes gebildet haben, glaubt er nicht. „Da würde sich höchstens mal ein Pinnecken bilden – aber nicht in diesem Maße.“

Sollten die neu gebildeten Äste noch mehr ausschlagen, müsse mit der Zeit mal über einen Schnitt nachgedacht werden, meint Matthias Hintz. Ob mit oder ohne Triebe: Im nächsten Jahr, wenn die Landesgartenschau ihr Silberjubiläum feiert, sollen die etwa vier Meter hohen „Pappelmänner“ mit einem Erklär-Schild versehen werden, das in aller Kürze über ihren Sinn und Zweck informieren wird. „Dieses Schild werden wir – erstmals bei einem Kunstwerk in Grevenbroich – mit einem QR-Code versehen“, berichtet Stefan Pelzer-Florack. Über den Scan mit der Smartphone-Kamera gelangen Interessierte dann an weitergehende Informationen rund um die archaischen Holzmänner.

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