Grevenbroich: Hinter den Kulissen der Villa Erckens gibt es Austellungsschätze zu entdecken.

Museum: Blick hinter die Kulissen des Museums

Die meisten Stücke im Museums-Fundus sind für die Geschichte der Stadt und der Region von Bedeutung.

Von Christian Kandzorra.

Grevenbroich An den Türen, auf denen fettgedruckt „Kein Zutritt“ steht, endet die Museumswelt für die meisten Besucher der Villa Erckens: Leider. Denn dahinter lagern wertvolle Schätze, wobei „wertvoll“ relativ ist.

Schaut aus wie eine historische Uhr, ist aber eine alte Stechuhr zur Zeiterfassung. Foto: Andreas Woitschützke

„Die meisten Stücke in unserem Fundus sind für die Geschichte der Stadt und der Region von Bedeutung. Einen in dem Sinne wertvollen, echten ,Van Gogh’ haben wir in Grevenbroich nicht“, merkt Thomas Wolff an. Jedoch haben viele Stücke Seltenheitswert wie ein riesiges Bagger-Modell der ehemaligen Grevenbroicher Firma „Buckau-Wolf“, eine Schenkung, die in einem der Kellerräume schlummert – verpackt in zwei großen Holzkisten. „Der Bagger ist voll funktionstüchtig und kann sogar fahren“, erzählt Wolff. „Wir planen, das Modell demnächst in unsere Dauerausstellung mit einzubeziehen.“ In den Regalsystemen im 2011 neu abgedichteten Museumskeller lagern auch deutlich kleinere Dinge: historische Brettspiele etwa, Bilder und Dokumente, verpackt in säurefreien Archiv-Kartons, damit sie keinen Schaden nehmen. Überhaupt hat der Schutz der Ausstellungsstücke für das Museumsteam einen hohen Stellenwert. „Entscheidend sind stabile klimatische Bedingungen“, sagt Thomas Wolff. Die Ausstellungsstücke sollten konstant bei einer Temperatur zwischen 18 und 20 Grad gelagert werden. „Wichtig ist auch, dass die Luftfeuchtigkeit zwischen 50 und 55 Prozent beträgt“, ergänzt Norbert Schmitz. Er ist unter anderem für den Aufbau der Ausstellungen in der Villa Erckens zuständig und stellt dabei regelmäßig sein handwerkliches Geschick unter Beweis.

Fingerspitzengefühl ist vor allem gefragt, wenn es um empfindliche Stücke geht – so wie zuletzt bei der Präsentation original alter Zuckerwürfel mit Aufdruck, Teil einer Ausstellung über Grevenbroicher Cafés. Ein anderes Beispiel: Die Ausstellung eines großen Buches der Unternehmerdynastie Langen aus dem Jahre 1901, das derzeit als Original in der Uhlhorn-Wechselausstellung zu sehen ist. „Das ist für die Grevenbroicher Geschichte besonders wertvoll“, erzählt Wolff. Es handele sich um ein Geschenk, das die Belegschaft dem Direktor der Maschinenfabrik „Langen und Hundhausen“, Carl-Jakob Langen, zu seinem Ehrentitel „Kommerzienrat“ machte. „Das Besondere ist, das im Buch alle Mitarbeiter unterschrieben haben“, erzählt Wolff.

Das Buch ist eine Leihgabe der Enkelin des Beschenkten. Die Seiten sind aus geschöpftem Papier. Norbert Schmitz: „Ist die Luftfeuchtigkeit zu hoch, besteht gerade bei Papier die Gefahr, dass es schimmelt. Bei zu trockener Luft trocknet es aus und wird brüchig.“ Das Museumsteam nutzt deshalb spezielle Messgeräte und Lufttrockner sowie entsprechende „Befeuchter“, die stets für ein ideales Klima sorgen sollen. Wichtig ist auch der Schutz vor hoher Lichteinstrahlung, weshalb bei vielen Ausstellungen Fenster abgedunkelt werden. Zum Teil ist das Kulturteam der Stadt verpflichtet, im Sinne der Leihgeber klare Vorgaben in Bezug auf die Lagerung bestimmter Stücke einzuhalten.

Mehrmals im Jahr wechseln die Ausstellungen in der Villa Erckens. Immer wieder erfindet das Museumsteam neue Konzepte. „Jede Ausstellung ist ein eigenes Projekt, bei dem wir auch Neues ausprobieren“, sagt Wolff. Bewährt habe sich in den vergangenen Jahren etwa der Einsatz spezieller Wandfolien, auf denen Informationen für Besucher aufgeführt sind. „Erklär-Texte zu Ausstellungsstücken werden von uns in einem Schneide-Plotter gefertigt, die Buchstaben dann mit Hilfe einer Transferfolie auf die Wände geklebt“, erläutert Museumsleiter Wolff das Prinzip, durch das Wandbeschriftungen ohne ständiges Überstreichen der Wände möglich sind.

Vorbereitungen wie diese spielen sich fast immer im Hintergrund ab – beteiligt ist auch die Grafikern Maren Sturm, die Poster und andere Materialien für das Museum gestaltet. In Teilen stellt das Museumsteam auch Repliken selbst her, insbesondere solche von Landkarten und historischen Fotos, die Besucher oftmals deutlich vergrößert im Museum bestaunen können. „Neue Ausstellungen sind für uns Routine und Herausforderungen zugleich. Wir möchten Besuchern immer wieder etwas Neues bieten“, betont Wolff auch mit Blick auf Multimedia-Angebote im Museum. Häufig ist er viele Wochen mit den Vorbereitungen einzelner Ausstellungen beschäftigt. In ihm und auch in seinem Kollegen Norbert Schmitz wecken die Endspurte vor den Ausstellungen oft auch den „Perfektionisten“ – an den Details feilen sie bis ins letzte Detail. „Da wird es abends auch schon mal was später“, sagt Schmitz und schmunzelt.