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Grevenbroich: Grevenbroich – "Hauptstadt" des Apfels

Grevenbroich : Grevenbroich – "Hauptstadt" des Apfels

Heute ist der "Tag des deutschen Apfels", und für den spielt Grevenbroich eine Rolle: Denn mehrere Sorten wurden in der Stadt gezüchtet. Umweltschützer bemühen sich, alte Arten zu erhalten. Auch ein "Apfelweg" ist geplant.

Wenn es nach Rolf Behrens, Sprecher des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Grevenbroich, geht, sollte der Stadtslogan statt "Bundeshauptstadt der Energie" eher "Bundeshauptstadt des Apfels" heißen. "Wir haben schließlich in Grevenbroich mehrere bedeutende Apfelzüchter wie Diedrich Uhlhorn junior gehabt", erklärt der 54-Jährige. Anlässlich des heutigen "Tags des deutschen Apfels" geht die NGZ auf Spurensuche in der "Apfel-Hauptstadt".

Apfelweg Der BUND plant etwas Neues. "Wir haben Gespräche mit der Museumsleitung geführt und wollen einen ,Apfelweg' von der Villa Erckens zur Apfelwiese im ehemaligen Gartenschaugelände anlegen — mit Informationstafeln und einem Flyer", sagt Behrens "Viele Menschen kennen heute nur noch die wenigen Sorten, die sie im Supermarkt finden, nicht aber die alten Arten. Und in vielen Gärten stehen heute keine Apfelbäume mehr, weil es an Platz mangelt." Der BUND hat sich den Erhalt alter Sorten auf die Fahnen geschrieben.

Apfelzüchter Was haben die "Zuccalmaglio-Renette" und der "Freiherr von Berlepsch" gemeinsam? "Es sind alte, lagerfähige Apfelsorten mit fruchtigem Geschmack, die im 19. Jahrhundert von Diedrich Uhlhorn in Grevenbroich gezüchtet wurden", erklärt Behrens. Uhlhorns Schwiegervater Vinzenz von Zuccalmaglio hat sich ebenfalls um das Obst verdient gemacht. "Er hat immer wieder Eingaben an die Bezirksregierung gemacht, um den Apfel und die Obstbaumkultur zu fördern", erzählt Thomas Wolff vom städtischen Fachbereich Kultur. Neben Uhlhorn züchteten laut Behrens auch andere Grevenbroicher neue Sorten: "Vikar Schumacher etwa und Pfarrer Conrad Henzen, der eine Plantage mit mehr als 1000 Apfel- und Birnensorten angelegt hatte."

Museum der niederrheinischen Seele Klar, dass der Apfel auch heute seine Bedeutung in der Schlossstadt hat. Im Museum ist im Raum "Kostproben" eine Zuccalmaglio-Renette zu sehen — sowie eine Leckerei, die bei vielen Grevenbroichern nicht auf der Kaffeetafel fehlen darf: "Riemchentaat". Nur schade, dass das Kuchenstück in der Villa Erckens nicht mit Äpfeln, sondern — der Haltbarkeit wegen — aus Kunststoffen gemacht wurde. Jeden Herbst können Grevenbroicher beim Apfeltag im Museum alte Sorten kennenlernen und mit den Hobby-Pomologen Wolfgang Riewe und Thomas Kraus fachsimpeln.

Apfelwiese Zur Landesgartenschau entstanden, hegen und pflegen Rolf Behrens und andere vom BUND die Apfelwiese mit rund 100 Obstbäumen. "Darunter sind auch alte, seltene Arten. Schade ist, dass immer wieder Bäume von Vandalen beschädigt werden." Der BUND erntet die Früchte. Bürger dürfen sich ebenfalls bedienen, "aber bitte die Bäume in Ruhe lassen".

Apfelsafttag Im Herbst lädt der BUND wieder zum Safttag am Museum. Dort können Gartenbesitzer ihr Obst zu leckerem Flüssigem pressen lassen, Kinder dürfen mithelfen.

(NGZ/ac)