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Grevenbroich: Grefi-Kino öffnet nach Renovierung wieder

Grevenbroicher Kino renoviert : Grefi-Sessel für den Film-Spaß zu Hause

Trotz Corona-Krise: Das Grevenbroicher Kino investiert in seine Ausstattung: Neue Sessel, neue Teppiche, neue Beleuchtung – und vieles muss jetzt raus. Film-Fans können sich daher demnächst ihren Lieblings-Klappsessel im großen Saal von Kino 1 abschrauben.

Die Sessel im großen Saal des Grefi-Kinos sind in die Jahre gekommen. Zwar sind die Schaumstoffpolster noch bequem, doch die tiefblauen Bezüge haben unter den ungezählten Film-Fans gelitten, sie sind an einigen Stellen abgewetzt. „Damit wird es Zeit für eine Neuausstattung“, sagt Geschäftsführer und Betreiber Jochen Kuhnert. Die 270 Stühle im Kino 1 müssen demnächst raus – und dabei können Cineasten aus Grevenbroich fleißig helfen. Vorausgesetzt, sie haben einen Akku-Schrauber und einen Ratschenkasten zur Hand.

„Wer möchte, kann sich seinen Lieblingssessel abschrauben und kostenlos mit nach Hause nehmen“, sagt Kuhnert, der für diese Aktion bereits einen festen Termin ins Auge gefasst hat: Dienstag, 16. Juni, von 14 bis 19 Uhr. Frühzeitiges Erscheinen ist ratsam, da die Stühle erfahrungsgemäß schnell weg sind. „In unserem Wuppertaler Kino waren die Säle innerhalb von drei Stunden leer geräumt“, sagt Kuhnert. Während des großen Schraubens werden zwei Mitarbeiter darauf achten, dass niemand in die Hygiene-Falle tritt.

Wie alle anderen Lichtspielhäuser machte auch das Grevenbroicher Kino am 16. März dicht. Jochen Kuhnert muss das Grefi seitdem ohne Einnahmen über Wasser halten – und investiert dennoch einen sechsstelligen Betrag in sein Haus. Zwangsläufig, wie der Geschäftsführer meint, denn: „Wir haben uns bereits im vergangenen Jahr für eine Renovierung entschieden, die Ware wurde im Frühjahr bestellt – und dann kam Corona.“ Einen Rückzieher wollte Jochen Kuhnert jedoch nicht machen, er entschied sich dazu, das Ding durchzuziehen. „Dafür haben wir KFW-Hilfen in Anspruch genommen“, sagt er.

Der große Kinosaal wird komplett auf den Kopf gestellt. Sind die Stühle ausgeräumt, wird der Teppich im 80er-Jahre-Raubtierlook herausgerissen und durch einen neuen ersetzt. Dann geht’s an den Einbau der anthrazitfarbenen Sessel, die in zweifacher Ausführung geordert wurden. In den hinteren Rängen werden die Besucher künftig die gewohnt gut gepolsterten Sitze vorfinden, ganz vorne werden sogenannte Rocking Chairs platziert. „Das sind Stühle mit einer nach hinten klappbaren Rückenlehne“, erklärt Kuhnert. Die sollen den Aufenthalt in der Rasiersitz-Region angenehmer gestalten. Und noch eines wird sich ändern: Die langen Ablagereihen vor den Sesseln werden verschwinden, zugunsten von Tischen, die zwischen jedem zweiten Sitz eingebaut werden.

Auch die Beleuchtung in den Kinosälen wird erneuert. Foto: Wiljo Piel

Parallel zu diesen Arbeiten werden in zwei weiteren von insgesamt fünf Kinosälen die Sitze und Rückenlehnen mit neuen Polsterungen versehen. „Das werden 270 weitere Stühle sein, die wir auf einen neuen Stand bringen“, sagt Grefi-Chef Kuhnert. Und auch die Beleuchtung in den Sälen wird modernisiert und mit LED-Technik ausgestattet.

Weil das alles dauert, wird das Kino erst am 2. Juli wieder an den Start gehen können. „Voraussichtlich zunächst mit vier Sälen“, sagt Jochen Kuhnert. „Wahrscheinlich werden wir es nicht schaffen, bis dahin mit Kino 1 fertig zu sein.“ Ob der Neustart gleich mit einem Blockbuster erfolgen wird, glaubt der Betreiber nicht: Denn die Auswahl der Verleiher ist zurzeit eher dürftig.

Der letzte große Film, der die Fans ins Grefi lockte, war „Parasite“, der wegen seiner Oscar-Prämierung auf großen Zuspruch traf. Jetzt liegt die Hoffnung der Betreiber auf „Tenet“, ein Action-Thriller von Christopher Nolan, der am 16. Juli an den Start gehen soll „Der Trailer ist vielversprechend – und noch hat die Warner den Termin nicht verschoben“, meint Jochen Kuhnert. Sollte es bei Mitte Juli bleiben, könnte damit auch ein Zeichen an andere Verleiher gegeben werden: „Nämlich dieses: Kino geht wieder richtig los.“

Das große Geschäft kann vorerst aber in den Lichtspielhäusern nicht gemacht werden. Zurzeit gilt: Nur 20 Prozent der Saalkapazitäten dürfen genutzt werden. „Für die Verleiher ist es natürlich schwierig, unter diesen Voraussetzungen eine kaufmännische Entscheidung für Filme zu treffen, die in ihrer Produktion mehr als 100 Millionen Euro gekostet haben“, sagt Jochen Kuhnert. „Aus diesem Grund sind ja auch viele Blockbuster von diesem aufs nächste Jahr verschoben worden.“

Der Geschäftsführer hofft nun auf ein einvernehmliches Miteinander zwischen Betreibern und Verleihern. Denn letzteren nutze es gar nichts, wenn Kinos als Folge der Corona-Pandemie in die Insolvenz gehen müssen. „Wir sitzen alle in einem Boot“, sagt Kuhnert.

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