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Grevenbroich: Grabmale Geuer feiert 140-jähriges BEstehen

Unternehmen in Grevenbroich : Familienbetrieb feiert 140-jähriges Bestehen

Deutschlandweit eines der ältesten Unternehmen, verzichtet Grabmale Geuer auf eine große Feier, sondern unterstützt die Existenzhilfe.

Firmengründer Michael Geuer war so etwas wie das schwarze Schaf der Familie. Er wollte partout nicht, den väterlichen Winzer-Betrieb übernehmen. Anstelle dessen absolvierte er eine Steinmetzlehre und gründete 1879 die Firma Michael Geuer, Grabmale und Naturstein. Der erste Werkplatz der Firma befand sich im Bereich der heutigen „Alten Bergheimerstraße“, Hausnummer 5. Jetzt feiert die alteingesessene Grevenbroicher Firma auf den Monat genau ihr 140-jähriges Bestehen. Dass sie im Firmenwappen noch immer eine Traube zeigt, geht auf Firmengründer Michael I. zurück. „Der Tradition verpflichtet, heißen wir alle Michael“, erklärt der heutige Chef – nach familieninterner Zählung „Michael V“. „Für mich gab es niemals einen Plan B“, alternativlos sei sein kreativer Werdegang nach dem Abitur zum Steinmetz und Steinbildhauermeister gewesen. „Schon als Kind war ich hier, bin mit dem Metier groß geworden.“ Seit 2005 leitet er zusammen mit Ehefrau Silke die Firma. 2018 erhielt er seinen Meisterbrief in Silber. Natürlich hat sich in den vergangenen 140 Jahren viel getan: Vom ursprünglichen Werkplatz im Bereich der heutigen „Alten Bergheimerstraße“, mehrfach von der sonst so ruhig dahin dümpelnden Erft überflutet, ist der Betrieb längst an die Lindenstraße gezogen. Auch das Portfolio wurde erweitert, waren es einstmals hauptsächlich Grabmale, werden aus Materialien wie Quellstein, Bronze und Silber längst auch Skulpturen für den Garten gefertigt. „Abstraktes in Stelenform machen wir ebenso wie Vogeltränken“, berichtet Silke Geuer. Nicht „nur auf Tod und Trauer beschränkt“ ist das Familienunternehmen. „Natürlich wird oft geweint. Aber ebenso oft herzlich gelacht.“ Denn da die Geuerschen Grabwerke „individuell sind und die Persönlichkeit“ des Toten widerspigeln, werden im Vorfeld eben „oft Anekdoten erzählt“.

Gravierender Wandel ist der gesellschaftliche Umgang mit demT abu-Thema „Tod“. Als „lästiges Übel“ wird es „an den Rand geschoben“, wie Michael Geuer feststellt. „Und die Anzahl anonymer Beisetzungen steigt“, auch macht sich der demografische Wandel in Sachen Familienverbund abnehmend bemerkbar. „Makaber ist zuweilen die Einstellung zu Preis und Qualität von Grabmalen,“ sagt Geuer.

Grund zum Feiern hat der Familienbetrieb. „Wir sind gut für die Zukunft aufgestellt.“ Anstelle Party zu machen, denken die ehrenamtlich engagierten Geuers an andere. „Wir wollen die Existenzhilfe unterstützen“, seit zwei Jahren sind sie mit dessen Geschäftsführer Wolfgang Norf befreundet. Auf dem Sommerfest im vergangenen Jahr machten sich die Geuers ein „eigenes Bild von der Einrichtung, den Kunden und Ausrichtern“.

„Wir sind auf Spenden angewiesen“, sagt Wolfgang Norf. Etwa 350 Erwachsene plus 150 Kinder stehen pro Ausgabetag an. Um für die Ausgabetage Lebensmittel einsammeln zu können, fahren die Helfer in fünf Transportern umher. „Die kommen nun alle in die Jahre“, tut kostspielige Wartung Not. „Wir sind dankbar für jeden Unterstützer.“