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Grevenbroich: Gesundheit - mehr als nur ein Wunsch

Spiritueller Zwischenruf aus dem Kloster Langwaden : Gesundheit – mehr als nur ein Wunsch

Während hier Corona-Schutzmittel abgelehnt werden, warten arme Länder vergeblich darauf. Das sei beschämend, meint Prior Bruno aus dem Kloster Langwaden.

Fast 40 Millionen Euro hat die katholische Aktion Dreikönigssingen im vergangenen Jahr eingebracht, obwohl die Sternsinger coronabedingt ausgebremst worden waren. Sie konnten nicht singend von Haus zu Haus ziehen. Sie mussten still die Segenssprüche zum neuen Jahr vor die Türen legen. In diesem Jahr waren die Kinder wieder vielerorts unterwegs. Sie kamen auch zu uns vor das Kloster. Tapfer sangen sie in der Kälte ihre Lieder mit Maske. Dann fuhren sie eine lange Stange mit Spendendose aus, um für die kranken und notleidenden Kinder in Afrika zu sammeln.

 Pater Bruno Robeck ist Prior der Zisterzienser aus Langwaden.
Pater Bruno Robeck ist Prior der Zisterzienser aus Langwaden. Foto: Melanie Zanin

Das diesjährige Motto des Dreikönigssingens hat mich besonders angesprochen. Es begleitet mich jetzt noch, nachdem sich die Sternsinger wieder in Schulkinder zurückverwandelt haben. Das Motto stellt die Gesundheit in den Mittelpunkt – jedoch nicht auf die Art und Weise, wie wir sie in unseren Breiten üblicherweise verstehen. Bis vor Corona wünschte man jedem, der auch nur einmal kurz nieste: „Gesundheit!“. Ein nettes Zeichen des Wohlwollens und eine Höflichkeitsfloskel, bei der man nicht an eine schwere Erkrankung dachte. Seit dem weltweiten Ausbruch von Covid-19 ist immer wieder der Wunsch zu hören: „Bleiben Sie gesund!“ Dieser Wunsch klingt ernsthaft und besorgt. Eswirkt in dieser Befehlsform aber auch etwas hilflos, denn Gesundheit kann man ebenso wenig befehlen wie Liebe, Frieden oder Freude. Gleichzeitig steckt jedoch ein positiver Kern in diesem „Bleiben Sie gesund!“. Es setzt den gesunden Zustand voraus, den es zu bewahren und zu erhalten gilt.

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Der Schatz der Gesundheit ist da. Er muss „nur“ noch geschützt werden. Ganz anders klingt das Motto des Dreikönigssingens: „Gesund werden – gesund bleiben.“ Bei aller Sorge um die Erhaltung der eigenen Gesundheit dürfen wir die vielen Menschen nicht vergessen, die erst einmal gesund werden wollen. Viele Menschen auf der Welt sind krank, weil es ihnen an einfachsten Mitteln zur Abwehr von Krankheiten fehlt. Das war auch schon vor Covid-19 so. Immer trifft es die Schwächsten und Ärmsten, vor allem die Kinder besonders hart. Neben akuter Nothilfe durch Ernährungsprogramme und medizinische Behandlung ist Bildung wichtig, damit schon die Kinder lernen, wie sie gesund werden und bleiben können, und damit sie erkennen, dass auch sie ein Recht auf Gesundheitsfürsorge haben. Die hier entstehende Dynamik unterstützten die Sternsinger mit ihrer Sammelaktion.

Und was können wir machen – außer spenden? Mit Blick auf unsere Gesellschaft empfinde ich Dankbarkeit und eine gewisse Beschämung. Ich bin dankbar, weil wir viel tun können, um gesund zu bleiben. Ich empfinde aber auch eine gewisse Beschämung, wenn ich sehe, wie diese Schutzmittel abgelehnt werden, während viele arme Länder vergeblich darauf warten. „Gesundheit!“ ist mehr als ein schöner Wunsch. Sie ist die berechtigte Sehnsucht eines jeden Menschen. In diesem Jahr stellt sich sehr deutlich die Frage: Was tue ich, damit dieser Wunsch für möglichst viele Wirklichkeit wird und damit sich diese Sehnsucht für alle Menschen erfüllt?

Prior Bruno Robeck, OCist