Grevenbroich: Gerti Schmitz - mit "kölschem Hätz" in Ostfriesland

Ehemalige Hülchratherin zog es in den Norden : „Kölsches Hätz“ in Ostfriesland

Gerti Schmitz aus Hülchrath betreibt im hohen Norden eine Karnevals-Agentur.

Die Kölner Stadtfahne hat sie in ihrem Garten gehisst, dort weht sie einsam im Nordwind. Zehn Minuten vom Seehafen entfernt, hat Gerti Schmitz ihr Zuhause gefunden. In Leer hält die ehemalige Hülchratherin mit „kölschem Hätz un Jeföhl“ das rheinische Karnevalsbrauchtum hoch – und sie geht sogar noch einen Schritt weiter. In Ostfriesland betreibt sie erfolgreich ihre Karnevalsagentur namens „Schmitz Hela & Alaaf“.

Gerti Schmitz aus Hülchrath zeigt den Ostfriesen, wie im Rheinland Karneval gefeiert wird. Foto: Privat

Vor einigen Jahren hat sie ihrem mittelalterlichen Heimatstädtchen den Rücken gekehrt. Nach einer Station in Krefeld ist Gerti Schmitz nun in Niedersachsen gelandet, im südlichen Ostfriesland. „Damit ist mein Traum in Erfüllung gegangen“, sagt die 68-Jährige. Denn schon im Kindesalter verbrachte sie ihre Ferien im Norden und schwärmt seitdem für die Küste. „Mehr als 20 Jahre bin ich nachts wach geworden, weil ich Seewasser gerochen habe – also musste ich da irgendwann mal hin, am besten für immer“, sagt Schmitz.

In der 34.500-Einwohner-Stadt Leer, an Ems und Leda gelegen, hat die ehemalige Hülchratherin vor vier Jahren eine Doppelhaushälfte erworben, in der sie sich pudelwohl fühlt. „Der Wind treibt mir hier den Dünensand bis vor die Türe – ich genieße das“, sagt Gerti Schmitz. Norderney und Langeoog sind nicht weit entfernt, auch Aurich und Bad Zwischenahn liegen in erreichbarer Nähe. „Eine herrliche Gegend, die ich gerne erkunde“, schwärmt die Wahl-Ostfriesin. Nur wenn NRW Ferien hat, bleibt sie lieber zu Hause. „Dann ist es zu voll.“

Im Garten hat Gerti Schmitz die Kölner Stadtfahne gehisst. Foto: Privat

In den 80er Jahren hat Gerti Schmitz in Hülchrath rheinische Abende veranstaltet und etliche Promis engagiert. Renate Fuchs alias „Die Callas von Niehl“ zum Beispiel. Oder Marie-Luise Nikuta. Und vor allem das Colonia-Duett, das seinerzeit stark gefragt war. „Das Zelt hat gebebt“, erinnert sich Gerti Schmitz. „Und es hat riesig Spaß gemacht, mit den Künstlern zusammenzuarbeiten.“ Aufbauend auf diesen Erfahrungen, hat sich die ehemalige Hülchratherin vor einigen Jahren dazu entschlossen, ihre eigene Agentur zu gründen. Seitdem vermittelt sie rheinische Künstler für Veranstaltungen aller Art. „Ich arbeite mit Gruppen wie den Räubern, den 3 Colonias oder den Karobuben zusammen“, schildert Schmitz. Die vermittelt sie nicht nur im Rheinland, sondern auch rund um ihre neue Heimat. „Ja, auch hier gibt es Karnevalsgesellschaften – und die wissen zu feiern.“

Gerade wegen ihrer rheinischen Frohnatur ist Gerti Schmitz in Leer längst keine Unbekannte mehr. Sitzt sie im Bus, wird sie von Fahrgästen gerne mal mit einem freundlichen „Alaaf“ begrüßt – worauf die Wahl-Norddeutsche üblicherweise mit einem „D’r Prinz kütt“ antwortet. „Das sind wirklich nette Leute hier“, sagt die 68-Jährige. Und schon jetzt freut sie sich auf einen Besuch der drei „Ostfriesen auf der Bank“, die in den nächsten Tagen mal auf einen Kaffee bei ihr vorbeischauen wollen. Das Männer-Trio sorgt derzeit mit einer Sketch-Reihe auf Youtube für Furore. „Da freue ich mich schon drauf“, sagt Schmitz.

Kontakte in die Heimat hat sie noch reichlich. Die beiden Söhne leben nach wie vor in Grevenbroich. Und schon jetzt blickt Gerti Schmitz gespannt auf die nächste Karnevalssession. Denn am Aschermittwoch werde ich Geburtstag haben – „und eine Woche lang hineinfeiern“.

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