Grevenbroich: Gedenktag erinnert an Opfer des Holocaust

Grevenbroicher gegen das Vergessen : Gedenktag erinnert an die Opfer des Holocaust

Für Sonntag sind ein Erinnerungskonzert und ein Gedenkmarsch vom Synagogenplatz zum jüdischen Friedhof geplant. Schüler beteiligen sich.

Am Sonntag vor 74 Jahren haben Soldaten der Roten Armee das Konzentrationslager Auschwitz befreit. In dem von deutschen Nationalsozialisten betriebenen Lagerkomplex in Polen sind zwischen 1,1 und 1,5 Millionen Menschen systematisch ermordet worden. Etwa 90 Prozent dieser Opfer waren Juden.

Der Name „Auschwitz“ ist heute ein Symbol für den Holocaust. „Der Holocaust hat sich aber nicht nur irgendwo im Osten abgespielt“, sagt der Grevenbroicher Ulrich Herlitz. „Es gab Opfer auch aus Grevenbroich, aus Gustorf-Gindorf, Frimmersdorf, Neurath, Wevelinghoven, Hülchrath, Kapellen und Hemmerden – mehr als 200.“ Es sind keine anonymen Opfer. Ulrich Herlitz gibt ihnen seit vielen Jahren ein Gesicht, in dem er das Judentum in der Schlossstadt erforscht und Gedenktage mit organisiert. Zum Jahrestag der Befreiung Auschwitz’ hat er wieder einen Gedenktag mit initiiert: Am Sonntag soll es gleich mehrere Programmpunkte geben, an denen sich Bürger beteiligen können.

Ulrich Herlitz ist es wichtig, dass auch über die Gedenkveranstaltungen in den einzelnen Stadtteilen hinaus eine zentrale, quasi gebündelte Veranstaltung geboten wird, bei der der mehr als 200 Holocaust-Opfer aus dem gesamten Stadtgebiet gedacht wird. Für Sonntag, 17 Uhr, ist ein Gedenkmarsch zum jüdischen Friedhof geplant. „Treffpunkt ist am Synagogenplatz in der Innenstadt“, sagt Herlitz, der von einem „leisen Marsch“ spricht, der auch an einigen im nahen Umfeld verlegten Stolpersteinen vorbeiführen soll. Gegen 17.15 Uhr wollen Schüler der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule und der Diedrich-Uhlhorn-Realschule Namen der Holocaust-Opfer aus Grevenbroich verlesen. „Beide Schulen sind in die Vorbereitungen involviert“, berichtet der Grevenbroicher in Bezug auf den jetzt anstehenden Gedenktag. Seit einigen Jahren beschäftigen sich Schüler der Gesamtschule etwa in der Projektgruppe „KKG – gegen das Vergessen“. So sollen diesmal auf dem jüdischen Friedhof Gedenksteine niedergelegt werden, auf denen die Namen ermordeter Juden stehen. Auf dem Friedhof wollen zwei Chöre musizieren.

Musikalisch startet der Gedenktag am 27. Januar bereits vor 17 Uhr im Museum Villa Erckens, wo ab 15 Uhr der Cellist Klaus-Dieter Brandt ein Erinnerungskonzert spielt. Eintrittskarten gibt es zu je zwölf Euro. Vor dem Konzert können Besucher die Ausstellung „Nacht des Terrors“ besuchen, die noch bis zum 6. Februar zu sehen ist und sich mit dem Judenpogrom vom 9. November 1938 beschäftigt.

Auf eine besondere Aktion macht Ulrich Herlitz aufmerksam: Unter dem Hashtag „#WeRemember“ setzen weltweit viele Millionen Menschen ein Zeichen gegen das Vergessen, in dem sie sich selbst beispielsweise mit einem Schild mit eben diesem Hashtag fotografieren und das Bild in sozialen Netzwerken wie Facebook teilen. Initiator ist der „World Jewish Congress“. Grevenbroicher können Postings etwa auf den Seiten „Gegen.Das.Vergessen“ und „Judentum.Grevenbroich“ veröffentlichen.

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