Grevenbroich: Gandalf - die Transformer-Eule

Vogel im Schneckenhaus in Grevenbroich: Klein-Gandalf, die Transformer-Eule

In den Volieren des Umweltzentrums Schneckenhaus in Grevenbroich hält die Falknerin Tanja Brandt einen ganz besonderen Vogel: Gandalf. Die Weißgesichtseule aus Afrika ist eine Verwandlungskünstlerin, die unterschiedliche Gestalten annimmt.

Transformers. Kinogänger kennen die. Das sind diese haushohen außerirdischen Roboter, die sich vorzugsweise in amerikanische Muscle-Cars verwandeln, um unauffällig zu bleiben. Ein toller Trick - den übrigens nicht nur die Blechbüchsen aus dem Kintopp beherrschen.

Gandalf im Eiskalter-Killer-Look: Droht Gefahr, streckt sich der Vogel und wird zwei Köpfer größer. Foto: Tanja Brandt

Gandalf aus den Volieren des Schneckenhauses kann das ähnlich. Der nur 203 Gramm leichte Vogel nimmt ruckzuck die unterschiedlichsten Formen an, um mögliche Feinde zu beeindrucken oder sie in die Flucht zu schlagen. Und dann ist er kaum noch wiederzuerkennen. Gandalf ist - ganz offiziell - ein Transformer.

Gandalf mag keine Mäuse

Vor genau drei Jahren, im April 2015, schlüpfte die Weißgesichtseule aus dem Ei. Seitdem ist sie der beste Freund der Falknerin und Buchautorin Tanja Brandt. Die beiden sind nahezu unzertrennlich. Und die 49-Jährige kennt längst alle Macken ihres gefiederten Freundes. "Wenn er mich morgens mit ,Grrr-Grrr'-Lauten begrüßt, weiß ich, dass er schlecht drauf ist - und da lasse ich ihn am besten den ganzen Tag in Ruhe", schildert Brandt. Selbst Mäuse - sonst ein gern genommener Leckerbissen - nimmt der Vogel dann nicht an. "Da ist er eigen."

Ansonsten ist Gandalf ein genügsames und vor allem zahmes Tier, das kaum etwas erschrecken kann. "Er würde sogar neben einer Blaskapelle einschlafen", berichtet Tanja Brandt. Und hin und wieder begleitet das ursprünglich aus Afrika stammende Tier die Falknerin auch zu Restaurant-Besuchen. Erst kürzlich hat der zutrauliche Gandalf im Gustorfer Eiscafé für Aufsehen gesorgt, als er am Nachbartisch eine Waffel erblickte und sie ein paar Flügelschläge später kurzerhand stibitzte. "Angst muss man vor ihm aber nicht haben, der ist ganz harmlos", sagt die Falknerin.

Bei Gefahr ändert Gandalf seine Gestalt

Obwohl: Es gibt Situationen, da tut Gandalf so, als wäre mit ihm nicht gut Kirschen essen. Bei Gefahr plustert sich die Eule innerhalb von Sekunden mächtig auf, um größer zu wirken - sie nimmt eine völlig andere Gestalt an und sieht dann aus wie eine Vogel-Version des blutdurstigen Grafen Dracula. "Gandalf signalisiert damit: ,Komm' mir ja nicht näher, ich mach' dich fertig'", schildert die Falknerin.

Ganz anders reagiert das Tier in Situationen, die es nicht einschätzen kann. So wie neulich, als Gandalf dem ersten Hahn seines Lebens begegnete. "Dann wird er nahezu zwei Köpfe größer", sagt Tanja Brandt. Der Vogel streckt sich, legt das Gefieder eng an den Körper, der sonst rundliche Kopf wird dann schmal und lang, die Augen werden zu engen Schlitzen zusammengezogen - Gandalf macht dann auf eiskalten Killer. "In diesem Fall nenne ich ihn dann immer Ekel-Eule", berichtet die Falknerin und lacht.

Diese verblüffenden Verwandlungskünste haben den Tieren auch den Namen Transformer-Eulen eingebracht. Wer sich das einmal in bewegten Bildern anschauen möchte: Tanja Brandt hat einige Videoclips auf "Youtube" hochgeladen (Stichworte in der Suchfunktion: Gandalf, Tanja Brandt).

Auch wenn Gandalf sozusagen zur Familie gehört und den Winter über im Haus verbringt - er ist für die Falknerin aber weder Hund- noch Katze-Ersatz. "Er wird wie ein Greifvogel behandelt - und kommt jetzt wieder in seine Voliere, auch wenn ihm das nicht schmecken wird", sagt Brandt, die sechs Eulen und einen Wüstenbussard ihr Eigen nennt. Die Fotografin hat bereits mehrere Tierbücher herausgegeben - darunter der Titel "Wo die Liebe hinfliegt", das Buch schildert die Freundschaft zwischen einem Schäferhund und einem Steinkauz. Aber das ist eine andere Geschichte.

(NGZ)