Grevenbroich: Fußgängerzone wird zur Trödel-Meile

Sechster City-Trödelmarkt in Grevenbroich : Fußgängerzone wird zur Trödel-Meile

Auch die sechste Auflage des City-Trödelmarktes lockte wieder viele Second-Hand-Fans in die Innenstadt. An insgesamt 90 Ständen wurde am Sonntag alles angeboten, was Dachboden und Keller zu bieten hatten.

Einmal im Jahr wird die Fußgängerzone zur Meile für Schnäppchenjäger. Bereits am frühen Morgen, wenn die ausschließlich privaten Händler – in diesem Jahr rund 90 aus Grevenbroich und Umgebung – ihre Stände aufbauen, kommen die ersten kaufwilligen Kunden, um sich die schönsten Schätzchen zu reservieren. „Und alle sind auch später wiedergekommen, um ihre Einkäufe abzuholen“, lobt Ulrike Engels, die gemeinsam mit ihrem Mann gut vier Meter Stand aufgebaut hat. Dort boten sie allerlei an, was zu Hause keinen Platz mehr hat: ausgelesene Bücher, Kämme, ausrangierte Kleidung, alte Schallplatten und Deko-Gegenstände.

Und wer genau hinsah, konnte sogat zwei ausgemachte Schätze entdecken: „Wir haben einen ganz alten Reitsattel von meiner Schwiegermutter dabei und ein Buch mit dem Titel ,Der Sinn der Ehe‘, das wir besitzen, seit Horst Lichter die Oldiethek aufgelöst hat. Es ist sogar von Markus Lanz signiert“, erzählt die Rommerskirchenerin. Vor zwei Jahren hat das Ehepaar schon einmal ihre Besitztümer an den Mann gebracht. „Es sammelt sich ja immer so viel an, man wundert sich immer“, sagt sie und lacht. „Ich hoffe, wir müssen nicht so viel wieder mit nach Hause nehmen.“

An anderen Ständen lockten ebenfalls allerlei Raritäten, alte Stücke und jüngere Schätze das Publikum, das sich genug Zeit nahm, alles genau zu begutachten und eine Kaufentscheidung zu treffen. Zwischen abgeliebten Stofftieren, alten Schuhen, Porzellan, das ausgetauscht wurde, Lampen, „Stehrümchen“ und kleinen Elektro-Geräten fand sich auch so manches lang ersehnte Stück: „Ich habe hier endlich den Teller gefunden, den ich schon so lange suche“, sagte Anita Behrens, die mit ihrer Familie das schöne Wetter für den Trödelmarkt-Bummel nutzte. „Das Service habe ich von meiner Tante geerbt und immer dem zerstörten Teller nachgetrauert. Jetzt ist es wieder komplett.“

Inmitten des Gewühls hatte ein Experte seinen Beratungstisch aufgebaut: Boris Schnitzler ist in der Schlossstadt kein Unbekannter, viele waren bereits in seinem Geschäft an der Bahnstraße, um etwas zu kaufen oder zu verkaufen. Zwei Stunden lang stand er den Besuchern Rede und Antwort, bewertete etwa zwei alte silberne Schüsselchen, eine rote Vase oder Briefmarken. „Das Angebot wird sehr gut angenommen, aber Briefmarken sind ein schwieriges Geschäft geworden. Die wenigen Sammler, die es noch gibt, suchen die Creme de la creme – und wenn sie abgestempelt sind, sind sie ohnehin nicht interessant.“ Eine Besucherin mit alten Puppen konnte er an einen Kollegen vermitteln. „Ich bin seit zehn Jahren im Trödelgeschäft. Einiges habe ich schon aus dem Bauch heraus gekauft, das meiste recherchiere ich aber genau, da sich die Preise täglich ändern können“, sagte Schnitzler.

An diesem Tag hat er an den 90 Ständen nichts gefunden, das er in seinem Geschäft verkaufen will. „Aber das war auch nicht der Grund für mich, hier zu sein. Ich möchte den Leuten dabei helfen, ihre Schätze zu einem angemessenen Preis zu verkaufen. Und dafür benötigen sie eine Bewertung.“