Grevenbroich: Frist für Fördergelder drängt

Wann startet der zweite Bauabschnitt in Grevenbroich? : Frist für Fördergelder bei Bahnstraßen-Umbau drängt

Die ISEK-Lenkungsgruppe tagt hinter verschlossenen Türen zum umstrittenen zweiten Bauabschnitt. Grüne kritisieren das Vorgehen der Stadt: „Aus Fehlern nichts gelernt.“

Weil sie von vielen Bürgern heftig kritisiert wurde, hatte der Stadtrat die Planung zunächst einmal gestoppt. Doch wie geht es mit dem ursprünglich für April terminierten Umbau der Bahnstraße in der Grevenbroicher Mitte weiter? Mit dieser Frage beschäftigte sich jetzt die politisch besetzte ISEK-Lenkungsgruppe – allerdings hinter verschlossenen Türen. Obwohl es sie interessieren dürfte: Die Öffentlichkeit war nicht zugelassen.

Auch nach der Sitzung hüllt sich das Rathaus in Schweigen. Details aus der Sitzung will Sprecherin Claudia Leppert nicht preisgeben. Nach Informationen unserer Redaktion wird das Zeitlimit allmählich eng. Über Änderungen in der Planung muss der Stadtrat spätestens in seiner Juli-Sitzung entscheiden, damit noch in diesem Jahr mit dem Straßenumbau zwischen dem Ostwall und der Platz der deutschen Einheit begonnen werden kann. Auf 2020 können die Fördergelder nicht verschoben werden, sie müssen 2019 „verbaut“ werden.

Wie es heißt, haben sich Vertreter der Verwaltung und des Planungsbüros MWM gegen die vorgeschlagene Änderung der geplanten Einbahnstraßenregelung ausgesprochen. Ein „Drehen“ in entgegengesetzte Richtung (vom Denkmal stadteinwärts) sei zwar machbar, würde aber letztlich für einen schlechteren Verkehrsfluss sorgen. Zudem müsse eine zusätzliche Abbiegespur an der Einmündung zum Ostwall gebaut werden. Auch von einem separaten Radweg sei abgeraten worden. Er habe Auswirkungen auf die Fahrbahnbreite und passe nicht mit dem Konzept einer gemeinsamen Nutzung des Straßenraums zusammen. Wie im ersten Abschnitt sollen sich Auto- und Radfahrer eine relativ schmale Fahrbahn teilen. Höchstgeschwindigkeit hier wie dort: 20 km/h.

Ohne Probleme könne aber auf die geplanten Doppelparkplätze, die sogenannten „Blockparker“, verzichtet werden. Alternativen wie Parkbuchten – zum Beispiel in Schräganordnung – würden die Fördermittel nicht gefährden. Auch eine Verbreiterung der Fahrbahn zwischen der Graf-Kessel-Straße und dem Ostwall im bereits fertiggestellten Abschnitt ist nach Informationen unserer Redaktion möglich. Wie berichtet, hatte die CDU eine nachträgliche Verbreiterung der Straße von fünf auf rund sechs Meter angeregt. Auch dort sollen die bei vielen unbeliebten Doppelparkplätze in insgesamt sechs Stellflächen längs der Straße umgewandelt werden.

Ob es vor der Ratsentscheidung zu einer weiteren Bürgerinformation kommen wird, ist noch unklar. Beobachter der ISEK-Lenkungsgruppe schildern übereinstimmend, dass die Stadtverwaltung auf einen solchen Termin aus Zeitgründen eher verzichten wolle. Schließlich dränge die Fördergelder-Frist: Nach der Ratsentscheidung im Juli müssten die Arbeiten in den Sommerferien europaweit ausgeschrieben werden – „wenn wir dann Anfang November mit dem Bau starten können, wäre das schon recht sportlich“, meinte ein Politiker, der nicht genannt werden will. Wie es heißt, bestehen die Fraktionen aber auf eine Beteiligung der Grevenbroicher.

A propos: Harsche Kritik am Vorgehen der Stadt übten die Grünen nach der Sitzung. „Ich finde es unmöglich, dass die ISEK-Lenkungsgruppe nicht öffentlich tagt. Es gibt dafür keinen Grund, an dem Projekt besteht ein öffentliches Interesse“, sagte Ratsherr Dieter Dorok. Zudem sei es wichtig, „dass für das umstrittene Vorhaben zusammen mit den Bürgern eine Lösung erarbeitet wird. Die Anwohner müssen schließlich mit dem Ergebnis leben“. Doroks Fazit: „Die Stadt hat aus ihren bisherigen Fehlern leider nichts gelernt.“

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