Grevenbroich: "For the sake of the Song" erzählt Geschichten vom Niederrhein

Neue Band in der Grevenbroicher Szene : Musik-Geschichte(n) vom Niederrhein

Willie Goergens und Stefan Wehlings sind musikalische Urgesteine. Die beiden Songwriter haben selbst verfasste Texte aus 40 Jahren hervorgekramt und neu arrangiert – unter dem Titel „Lower Rhine Area Storytelling in Major and Minor“.

Willie Goergens (56) und Stefan Wehlings (51) haben in ihren langen Musikerleben schon in vielen Bands gespielt – und manche sind zur lokalen Legende geworden. Wie die „Erftrabauken“, die in den 80er Jahren wegen ihrer Live-Auftritte gleichermaßen geliebt wie gefürchtet waren. So mancher Song ist damals geschrieben worden, der – mal gespielt, mal unveröffentlicht – irgendwann in den Schubladen der beiden Gitarristen landete. „Schade drum“, haben sich Wehlings und Goergens gesagt. Sie haben die alten Texte wieder aus der Versenkung geholt und sie in den Mittelpunkt eines neuen Band-Projekts gestellt.

Das heißt passenderweise „For the sake of the Song“ (Um des Liedes willen) und hat bei seiner Premiere im Café Kultus – dort führt Stefan Wehlings die Regie – die Grevenbroicher Szene entzückt. „Fünfzig Leute waren da, nicht schlecht für den Anfang“, sagt Willie Goergens. Ihre Musikrichtung heißt „Lower Rhine Area Storytelling in Major and Minor“ – und auch das passt: Goergens und Wehlings erzählen (zum Teil selbst erlebte) Geschichten vom Niederrhein und bringen sie in Dur und Moll auf die Bühne.

„In den alten Sachen zu kramen, das war wie eine Zeitreise“, berichtet Willie Goergens. „Da kam so manche Erinnerung wieder hoch.“ So wie die an ein bewegendes Gespräch, das er einst auf einem Feld mit einem 73 Jahre alten Landwirt führte, der Hof und Scholle wegen des Braunkohlentagebaus verlassen musste – dabei zog ein eisiger Wind aus Richtung Grube. Goergens machte daraus das Lied „Where the cold wind blows“, das an Aktualität nichts verloren hat und daher natürlich zum Repertoire des neuen Band-Projekts gehört. „Wir erzählen aber nur, die Bewertung überlassen wir anderen“, sagt Goergens. Wenn keine Texte vorhanden waren, holten die beiden Musiker alte Kassetten von ihren Live-Auftritten hervor. Und auch das sorgte für jede Menge Bilder im Kopf – und so manches Kopfschütteln. „Wenn ich an die ,Erftrabauken’ zurückdenke – mein lieber Mann“, sagt Willie Goergens lächelnd. Die Band hatte damals mehr als 600 Fans, gleichwohl aber auch genau so viele Gegner, die es sich nicht nehmen ließen, zu Live-Auftritten mit „Aufhören!“-Plakaten zu erscheinen. „Das war teilweise so heftig, dass der damalige Kulturamtsleiter aus Sicherheitsgründen den Stecker gezogen hat“, erzählt Goergens. Und als die Stadt den lokalen Bands die Proberäume strich, studierten die „Erftrabauken ihre Songs kurzerhand mitten auf dem Marktplatz ein. Die „Revolution“ hatte Erfolg: Bald darauf gab es wieder städtische Proberäume.

Songs aus wilden und gemäßigteren Zeiten sind es, die Stefan Wehlings und Willie Goergens mit Akustik-Gitarre, Banjo oder Lap-Steel neu arrangiert auf die Bühne bringen – und sich dabei im Terrain von Americana und Neo-Folk und der Tradition der Songwriter der 60er und 70er Jahren bewegen. „Eine Mischung aus Tristesse und Karnevalssitzung“, beschreibt Goergens das Repertoire, bei dem sich die Musiker allerdings mächtig zügeln mussten – „sonst wäre es ein mörderisch langes Programm geworden“.

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