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Grevenbroich: Feuerwehr meldet Rekord-Einsatzjahr

Helfer wurden noch mehr alarmiert als 2019 : Feuerwehr Grevenbroich meldet Rekord-Einsatzjahr

Die Grevenbroicher Helfer wurden in den vergangenen Monaten insgesamt 1054 Mal alarmiert. Löschen mussten die Einsatzkräfte jedoch in den wenigsten Fällen. Sie waren vor allem bei technischen Hilfeleistungen gefragt.

Kurz vor Jahresschluss hat die Feuerwehr die 1000-Einsatz-Marke geknackt. Seit Anfang Januar wurden die Helfer exakt 1054 Mal alarmiert. „Damit ist ein neuer Höchststand erreicht worden“, bilanziert Feuerwehr-Chef Udo Lennartz. Unmittelbar vor den Weihnachtsfeiertagen konnte der im vergangenen Jahr erreichte Spitzenwert von 1041 Einsätzen noch einmal übertroffen werden.

Ein Trend, der sich auch in den vergangenen zwölf Monaten fortsetzte: Obwohl sie ihrem Namen nach vor allem Brände bekämpft, wird die Feuerwehr immer mehr zu technischen Hilfeleistungen gerufen. „In diesem Bereich sind wir primär gefordert“, berichtet Lennartz. Nicht weniger als 808 Mal rückten die Grevenbroicher Retter aus, um Menschen in Notlagen zu helfen – sei es nach Unfällen, bei Hochwasser oder Stürmen. Um adäquat auf diese Entwicklung reagieren zu können, wurde die Ausrüstung entsprechend erweitert: Leistungsfähige Pumpen für den großflächigen Einsatz wurden ebenso angeschafft wie starke Motorkettensägen.

Zum Vergleich: Nur 246 Mal eilten die Feuerwehrleute in diesem Jahr quer durch das Stadtgebiet, um Brände zu bekämpfen. 30 Mal weniger als 2019. Mit 80 Fällen waren Wohnungsbrände die häufigste Ursache für einen Alarm. 96 Mal rückten die Einsatzkräfte vergeblich aus, weil Brandmeldeanlagen fehlerhaft ausgelöst hatten.

 Auch bei einem schweren Unfall, der sich am 28. Juni in Kapellen ereignete, war die Wehr im Einsatz.
Auch bei einem schweren Unfall, der sich am 28. Juni in Kapellen ereignete, war die Wehr im Einsatz. Foto: Feuerwehr Grevenbroich

Besonders heftig wirkte sich der Orkan „Sabine“ aus, der am 10. Februar mit Geschwindigkeiten von bis zum 100 km/h durch die Stadt fegte. „25 Einsätze fielen innerhalb kürzester Zeit an. 140 Kräfte aus allen Einheiten waren die gesamte Nacht unterwegs“, schildert Feuerwehr-Sprecher Sebastian Draxl. Fälle wie diese sind längst keine Seltenheit mehr: Alleine in diesem Jahr rückte die Feuerwehr zu 305 Sturm- und Wassereinsätzen aus. Etwa im August, als heftige Gewitter mit Orkanböen und Starkregen an zwei Tagen zahlreiche Keller und Straßen überschwemmten. Besonders die Südstadt wurde stark getroffen.

„Unter dem Strich haben wir ein sehr einsatzreiches Jahr hinter uns“, sagt Udo Lennartz, der dabei auch an Tage denkt, an denen plötzlich alles auf einmal auf die Helfer zukam. Etwa an den 16. Juni, als vier Menschen und ein Hund aus einem Sportplatzgebäude gerettet werden mussten, nachdem es ein Gasleck an einer Heizanlage gegeben hatte. Zeit zum Durchatmen gab es kaum: Denn nicht lange danach wurde die Feuerwehr zu einem Unfall nach Gustorf alarmiert, um einen Autofahrer aus seinem Fahrzeug-Wrack zu befreien. Nicht anders am 28. Juni, an dem zeitweise alle Einheiten der Feuerwehr im Einsatz waren – wegen eines schweren Verkehrsunfalls auf der Kreisstraße 10, ausströmendes Gas in Kapellen und zwei Brandmeldeanlagen, die Alarm schlugen. Eine davon in einem Seniorenheim.

 Den wohl kuriosesten Einsatz gab es am 14. Juli: Abgestandenes Bier tropfte  aus einem Anhänger.
Den wohl kuriosesten Einsatz gab es am 14. Juli: Abgestandenes Bier tropfte  aus einem Anhänger. Foto: Dieter Staniek

Den wohl kuriosesten Einsatz gab es am 14. Juni im Industriegebiet Ost. Passanten hatten die Feuerwehr verständigt, nachdem eine gelblich-braune, übel riechende Flüssigkeit aus einem Lkw tropfte. Die Helfer rückten daraufhin in Chemikalienschutzanzügen an – um festzustellen, dass das geheimnisvolle Nass nichts anders als abgestandenes Bier war.

Zu den spektakulärsten Einsätzen gehörte im November ein schwerer Unfall auf der Autobahn 46, der viele Verletzte forderte. „16 Menschen wurden vom Rettungsdienst behandelt“, erinnert Sebastian Draxel. Großen Sachschaden verursachte ein Feuer, das am Abend des 18. September während der Fahrt in einem Werkstatt-Lkw eines Motocross-Teams ausgebrochen war. Sechs Weltmeisterschafts-Maschinen fielen den Flammen zum Opfer.

Die Corona-Pandemie beeinträchtigte zum Teil die Arbeit der Feuerwehr. Etliche Übungsstunden der ehrenamtlichen Einheiten mussten ausfallen, Lehrgänge abgesagt werden. Einige Fortbildungen fanden per Online-Schulung statt. Im kommenden Jahr wollen die Florianer dies ausbauen.