1. NRW
  2. Städte
  3. Grevenbroich

Grevenbroich: Grevenbroich feiert 60 Jahre VHS

Grevenbroich : Grevenbroich feiert 60 Jahre VHS

Jährlich 600 Veranstaltungen mit 9000 Unterrichtsstunden und eine Spitzenposition im Bundesvergleich: Das Team der Volkshochschule (VHS) Grevenbroich leistet hervorragende Arbeit. Das 60-jährige Bestehen wird groß gefeiert.

Der Titel klingt ganz schön happig. Doch bei "Tugenden und Laster in moralpsychologischer Deutung" handelt es sich keineswegs um ein thematisches Proseminar im Psychologie-Studium, sondern um einen historischen Beleg: Solche Kurse gehörten 1953 zu den ersten Angeboten der Volkshochschule (VHS) Grevenbroich, und sie trafen damals auf rege Nachfrage.

Sechs Jahrzehnte später ist dies längst in den Geschichtsbüchern verblasst. Der Blick auf die Anfänge zeigt jedoch klar und deutlich, wie sehr sich die VHS und ihr Angebot im Lauf der Jahre verändert haben. "Bildung für alle" lautet das Credo der Grevenbroicher Einrichtung, die ihr 60-jähriges Bestehen am Sonntag, 7. Juli, 11 bis 16 Uhr, mit einem großen Fest auf der Stadtparkinsel feiert.

VHS-Direktor Rainer Hoffmann schmunzelt kurz mit Blick auf die "Tugenden und Laster in moralpsychologischer Deutung". "Das war eben damals die Zeit", sagt er dann. Hoffmann weiß, dass kaum etwas so viel über den Wandel des Zeitgeistes und die damit verbundenen Veränderungen im VHS-Angebot verrät wie ein Blick in die alten Programme. Aus Maschinenschreiben wurden Computerkurse, reine Sprachkurse wurden um Integrationsangebote für Migranten erweitert, was in den 80ern Aerobic war, ist Zumba-Kursen gewichen.

Heute werden in der Grevenbroicher VHS von 200 Dozenten jährlich rund 600 Veranstaltungen mit 9000 Unterrichtsstunden durchgeführt. Ein Mammutprogramm mit ständig wechselnden Angeboten, das trotz allen Wandels nach wie vor in der Tradition des bei der Gründung unter Otto Broens vorherrschenden Selbstverständnisses als "Volksbildungswerk für die breite Masse" steht.

Ein Meilenstein in der Geschichte der VHS Grevenbroich ist das Jahr 1974. "Damals wurde aus der bis dato freiwilligen Leistung eine Pflichtaufgabe in NRW", sagt Hoffmann. Festgehalten wurde dies im Weiterbildungsgesetz, das der Landtag damals verabschiedete. Gesetzlich geregelt sind die zu unterrichtenden Aufgabenbereiche. Dazu zählen die allgemeine, politische, berufliche und kulturelle Weiterbildung, die Schulabschlüsse sowie Eltern- und Familienbildung einschließt.

Dabei hat das Team um Rainer Hoffmann, seine Stellvertreterin Monika Born-Möbius, Claudia Bodewig (Planung und Beratung) und Birgit Füsser (Anmeldung) bundesweiten Vorbildcharakter: 2011 wurde die Einrichtung, die ihr Büro im Waagehaus hat, in einem großangelegten kommunalen Vergleich zur "sparsamsten Volkshochschule" Deutschlands gekürt. Für die Spitzenposition gibt es mehrere Gründe: eine schlanke Personalstruktur, die enge Kooperation mit der Jugendkunstschule (Juks) im Bildungszentrum an der Bergheimer Straße sowie Synergien mit benachbarten Volkshochschulen.

(NGZ/rl)