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Grevenbroich: "Eulenflügel" für neue Windräder

Neuer Windpark an der Autobahn 44n : „Eulenflügel“ für neue Windräder

Die Rotoren des Windparks entlang der Autobahn 44 werden mit ungewöhnlichen Rotorblättern ausgestattet. Die 20 Tonnen schweren Teile sind mit Hilfe der Natur entstanden.

Nicht alltägliche Rotorblätter werden zurzeit an den neuen Riesen-Windrädern entlang der Tagebau-Autobahn A 44n montiert. Die Hinterkanten der „Propeller“ sind verzahnt. Es sieht aus, als hätten sie Haifischzähne. Tatsächlich geht diese Technik auf ein Vorbild aus der Natur zurück. Es waren allerdings nicht die Haie, die Pate standen.

 Die Rotorblätter werden mit Spezialkrans in die Höhe gehoben.
Die Rotorblätter werden mit Spezialkrans in die Höhe gehoben. Foto: Peter Zenker

Vielmehr waren es die Eulen, die bekanntlich lautlos auf Beutefang gehen. Dass bei ihrer nächtlichen Jagd kein Ton zu hören ist, liegt an der besonderen Beschaffenheit der Schwingen, die von Technikern auf die Windräder übertragen wurde. Wie bei den Eulenflügeln gestalteten sie an den Enden der Rotorblätter eine kammartige Struktur. Sie erzeugt feine Luftwirbel an der Stelle, an der die schnellere Ober- auf die langsamere Unterströmung des Rotorblatts trifft. Der Effekt: Der Lärm eines Windrades soll um bis zu drei Dezibel gesenkt werden.

Jedes Rotorblatt wiegt 20 Tonnen, jedes einzelne muss mit Hilfe eines Spezialkrans vorsichtig in eines der drei „Nasenlöcher“ der insgesamt sechs Windrad-Naben gehievt werden. 164 Meter über dem Boden werden sie von Monteuren per Druckschrauber befestigt, für jedes Blatt sind 106 Sechskantmuttern vom Format M36 erforderlich.

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„Die Bauarbeiten am Windpark entlang der A 44n kommen in diesen fast windstillen Tagen ordentlich voran“, sagt RWE-Sprecher Guido Steffen. Viel Zeit verlangt vor allem der Auf- und Abbau der diversen Kräne, die wechselnd an den sechs Baustellen im Einsatz ist. Der größte von ihnen erfordert 40 Lkw-Fahrten, wenn er in Einzelteilen woandershin transportiert wird – und seien es nur wenige hundert Meter.

„Wir haben hier natürlich einen Standort gewählt, wo wir viel Wind haben. Aber bei der Montage können wir keinen Wind gebrauchen“, weist Bauleiter Johannes Schares auf die Paradoxie seiner Arbeit hin. „Die Rotorblattmontage ist die windempfindlichste Montage, die wir hier vornehmen müssen.“ Deshalb geht es auch nur langsam voran.

Seit knapp einem Jahr baut RWE beiderseits der Autobahn am neuen Windpark. Jede der sechs Anlagen ist 238 Meter hoch und hat eine Leistung von 4,5 Megawatt. Am Ende sollen die Mühlen rund 26.000 Haushalte mit Strom versorgen.