1. NRW
  2. Städte
  3. Grevenbroich

Grevenbroich: Erste Frauen auf der Feuerwache

Feuerwehr Grevenbroich : Erste Frauen auf der Feuerwache

Die Männergesellschaft auf der hauptamtlichen Wache der Feuerwehr ist passé: Die ersten beiden Feuerwehr-Frauen sind jetzt dort aktiv. Die Feuerwehr würde sich noch mehr weibliche Unterstützung wünschen.

Ein abwechslungsreicher Alltag, Arbeit im Team, viel Technik – das sind einige der Argumente, mit denen Feuerwehren bei Berufsbewerbern punkten können. Und natürlich die Möglichkeit, im Beruf Menschen in Not zu helfen. Nach wie vor sind es vor allem Männer, die auf diese und andere Argumente anspringen, zur Feuerwehr gehen. Auf der hauptamtlichen Wache der Freiwilligen Feuerwehr Grevenbroich hat sich der Frauenanteil nun von null auf vier Prozent erhöht. Marina Lindhauer und Sarah Löhr sind die ersten Frauen im 50-köpfigen Team an der Lilienthalstraße. Beide betonen, dass sie von den Kollegen „gut aufgenommen wurden“.

Schon früh fand Sarah Löhr (30) zu Feuerwehr. „Zunächst war ich bei der Jugendfeuerwehr in Köln-Esch. Mein Papa war bei der freiwilligen Feuerwehr und hat mich mitgenommen“, erzählt die verheiratete Mutter einer sechs Jahre alten Tochter. Die Erfahrungen prägten, mit 18 Jahren trat die in Dormagen geborene Pulheimerin dem Löschzug Pulheim-Stommeln bei.

Nach der Ausbildung zur Zerspanungsmechanikerin bei Ford stand schnell für sie fest, „dass ich zur Feuerwehr wollte, dass ich auch beruflich Menschen helfen möchte“. Ihre Feuerwehrausbildung absolvierte Sarah Löhr bei der Werkfeuerwehr von Hydro, einen Teil bei der Henkel-Werkfeuerwehr in Düsseldorf. Von Hydro war danach „der Weg nicht weit zur Feuerwehr Grevenbroich“, berichtet sie, und sie erklärt: „Ich fühle mich hier sehr wohl.“

 Marina Lindhauer kann ihre Tischler-Fährigkeiten  in der Werkstatt der Feuerwehr gut einbringen.
Marina Lindhauer kann ihre Tischler-Fährigkeiten  in der Werkstatt der Feuerwehr gut einbringen. Foto: Carsten Sommerfeld

Den 24-Stunden-Schichtdienst auf der Wache sieht sie als Vorteil. „Ich bin 24 Stunden auf der Wache, dann aber einen ganzen Tag zu Hause und kann mich um meine Tochter kümmern.“ An den übrigen Tagen sei ihr Mann, ebenfalls bei einer Feuerwehr, da – bei Überschneidungen der Dienste springe die Mutter ein.

Marina Lindhauer (30) aus Bornheim bei Bonn kam erst etwas später zur Feuerwehr. Sie absolvierte zunächst eine Tischlerlehre. Doch ihr ganzes Leben in diesem Beruf arbeiten wollte die 30-Jährige, die viele Feuerwehrleute im Freundeskreis hat, nicht. „Mir fehlte die Abwechslung. Bei der Feuerwehr weiß ich morgens nicht, was der Tag alles bringen wird.“ Und die Lehre „brauchte ich sowie für die Ausbildung“. Ihre Tischler-Kenntnis kann sie gut in der Werkstatt der Wehr einbringen, wenn etwa Transportwagen gebaut oder Schränke repariert werden.

„Nicht leicht“ für Frauen sei beim Bewerbungsverfahren der Sporttest. „Doch er ist zu schaffen, wenn man sich vorbereitet. Männer und Frauen müssen die dieselben Bedingungen erfüllen – und das ist richtig, denn auch in Einsätzen müssen sie das Gleiche leisten“, sagt Lindhauer.

Die beiden steuern bei Alarm wie ihre Kollegen das Hilfeleistungslöschfahrzeug, die Drehleiter und andere Fahrzeuge. Sie löschen Brände, retten Menschen bei Verkehrsunfällen. „Manche Frauen schreckt der Umgang mit den großen Fahrzeugen ab. Aber das lernt man ja bei der Ausbildung.“ Und auch die Schutzausrüstung, samt Atemschutzgerät rund 20 Kilo schwer, schreckt die beiden nicht ab. „Wir halten uns fit, es gibt auf der Wache einen Sportraum“, sagt Lindhauer.

Auch für eine eigene Umkleide und Sanitäranlagen für die Frauen ist gesorgt. „Eine deutliche Verbesserung wird im kommenden Jahr die neue Feuerwache an der Wevelinghovener Straße bringen“, sagt Udo Lennartz, Leiter der Feuerwehr. Dort sollen Spinde für rund 20 weibliche Aktive im Ehren- und Hauptamt entstehen. „Frauen sind in der Feuerwehr willkommen“, betont Lennartz, der es positiv sieht, dass die Wache keine Männergesellschaft mehr ist. Mehr Frauen würde er gerne auch in den ehrenamtlichen Löschzügen sehen. Unter den rund 200 Aktiven sind nur sechs oder sieben weiblich. Da ist viel Luft nach oben, zumal die Freiwillige Feuerwehr Verstärkung gut gebrauchen kann. Die Zahl der Feuerwehrleute stagniert. „Wir haben Girls-Days veranstaltet. Die Resonanz dabei war gut, aber das Ergebnis, die Gewinnung neuer Kräfte am Ende mager.“ Für die beste Möglichkeit hält Udo Lennartz Mund-zu-Mund-Werbung.