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Grevenbroich: Erasmus-Schüler sammeln Ranzen für Togo.

Schule in Grevenbroich : Erasmus-Schüler sammeln Ranzen für Togo

In dem westafrikanischen Land dürfen nur Kinder zur Schule, die eine Schultasche haben. Und nur dort gibt es auch ein kostenloses Mittagessen. Die Spendenbereitschaft ist groß.

Schülersprecher Karl Peiffer und Stufensprecherin Johanna Böhm können zusehen, wie der Berg an Schulranzen vor ihnen wächst. Immer mehr der bunten Schultaschen werden ins Schul-Forum gebracht. Dazu Stiftemäppchen, Hefte und weitere Utensilien für den Schulbetrieb. „Seit einigen Tagen bekommen wir viele Anrufe“, berichtet Johanna. Die Aktion hat sich herumgesprochen.

Auch andere Grevenbroicher Eltern und Kinder wollen spenden. Und Karl freut sich darüber, dass ein Schreibwarenladen ein besonders großzügiges Angebot gemacht hat: „Die schließen, leider. Aber sie haben zugesagt, uns zu geben, was übrig bleibt.“ Aus dem Grevenbroicher Erasmus-Gymnasium werden die am Dienstag gesammelten Schulsachen verschifft: nach Togo.

Seit 2008 gibt es die Brücke vom Erasmus-Gymnasium in das westafrikanische Land. Sie läuft über die AWA, die Aktionsgemeinschaft Viersen-Westafrika. Die in diesem Jahr eingesammelten Schulranzen haben bei den Kindern in Togo einen doppelten Nutzen. Nur wer solch eine Schultasche besitzt, darf zur Schule kommen. Und nur wer zur Schule kommt, bekommt auch ein Mittagsessen dort. „Plötzlich merkt man, wie verheerend eine Schulschließung im Corona-Lockdown werden kann“, sagt die betreuende Lehrerin Kerstin Wichelhaus. „Unsere Ansprechpartner in Togo sagen uns: Das Virus ist nicht so sehr unser Problem. Wir verhungern.“

Um so wichtiger ist die Hilfe vom Erasmus-Gymnasium. Mal hat die Grevenbroicher Schule in all den Jahren Waschbecken und Wasserhähne gespendet. In anderen Jahren wurde das Gehalt eines Lehrers finanziert – 700 Euro pro Jahr. Jetzt werden die Schultaschen und -utensilien eingesammelt. Weil es so viele positive Rückmeldungen dafür gibt, haben die Schülervertretung und Lehrer die Abgabefrist bis Samstag verlängert. Dann werden die Spenden zur AWA und von dort per Container nach Westafrika gebracht. „Wir bekommen Fotos, Videos und manchmal sogar Rechnungen als Nachweis darüber, dass unsere Spenden auch ankommen“, sagt Schülersprecher Karl Peiffer.

Das gilt auch für jene rund 2000 Euro, die von den etwa 120 Mädchen und Jungen der Jahrgangsstufe sechs am Dienstag verdient wurden. Anstatt im Erasmus die Schulbank zu drücken, arbeiteten sie einen Tag lang – begleiteten ihre Eltern zur Arbeitsstelle, führten den Hund des Nachbarn aus oder räumten den Keller auf. Dafür hatten die Jugendlichen zuvor einen Lohn ausgehandelt, den sie komplett der Aktion „Tagwerk“ spenden. „Die Hälfte der Summe kommt Bildungsprojekten in Afrika zu Gute. Die andere andere Hälft fließt ebenfalls nach Togo“, berichtet Lehrerin Annabell Maslo. Nebeneffekt der guten Tat: Die Schüler haben einen ersten Einblick in die Arbeitswelt bekommen und durch ihren Einsatz etwas erwirtschaftet. Im nächsten Jahr wollen sich Schüler und Lehrer erneut für Projekte in Togo einsetzen.