Grevenbroich: Entenhausen in der Villa Erckens

Ausstellung in Grevenbroich : Berühmte Entenhausener im Museum

Mickey, Donald plus Verwandtschaft zählen zum prominentesten Comic-Personal weltweit. Lange wurde ihre Identität der Corporate Identity Disneys geopfert. Im Museum sind jetzt die wahren Väter der tierischen Helden zu sehen.

Sie sind weltberühmt und bleiben für immer jung, die tierischen Helden Entenhausens. Zu sehen sind der ewige Pechvogel Donald, der seinen Matrosenanzug so fesch ohne Hose zu tragen weiß, sein krankhaft geiziger Onkel Dagobert zusammen mit den Schlauberger-Neffen und der ewigen Verlobten Daisy nun im Museum. Der Blick fällt aber nicht irgendwie auf das sagenhafte Comic-Personal. In der Sonntag mit einer Vernissage eröffneten Schau geht es um die Väter von Mickey, Donald und ihrer wuseligen Verwandtschaft. Denn das war nicht, wie oft irrtümlich angenommen, Walt Disney. Der war „nur“ Geschäftsmann und Visionär. Die Namen der Väter lauten Floyd Gottfredson, Al Taliaferro und Carl Barks.

Drei „liebevolle Väter, die viel Zeit, Muße und Pinselstriche aufgewendet haben, um ihre lieben Kleinen zu kreieren“, wie Erster Beigeordneter Michael Heesch in seiner Begrüßung sagte, stehen im Fokus. Die besten, talentiertesten und wichtigsten Comic-Zeichner ihrer Zeit waren sie, die ein damals noch junges Genre entwickelten und berühmt machten. Davon erzählt die sehenswerte Ausstellung im Untergeschoss, in der sich kunterbunte Bilder aus der kuriosen Parallelwelt Entenhausens und viele kleine, dünne Tagesstreifen, eben Comicstrips, gesellen. Unterstützt von Gag-Schreibern entwickelten die Väter – Floyd Gottfredson erfand Mickey, Al Taliaferros Lebenswerk war Donald, dessen Abenteuer Carl Barks später erzählt, der aber auch Scrooge McDuck erfindet – tagtäglich Episoden, in denen das Universum Entenhausens ausgebreitet wird. Wie sich dabei Mickey von einer etwas grobschlächtigen Figur zum cleveren Detektiv mit vorbildlichem Charakter entwickelt, ist in der Villa Erckens nun ebenso zu sehen, ebenso wie Donald unermüdlich um Daisy kämpft und seine neunmalklugen Neffen aus ihrem Fähnlein Fieselschweif-Handbuch ungefragt Ratschläge geben. „Ein solcher Ratgeber wäre auch etwas für die Verwaltung“, scherzte bei der Vernissage Museumsmitarbeiter Thomas Wolff, übrigens bekennender „Donaldist, Fan des genialen Daniel Düsentriebs, der mal eben eine Zeitmaschine erfindet, sich aber leider nicht alleine die Schuhe zubinden kann“ und begeistert von den kongenialen Übersetzungen der legenderen Doktor Erika Fuchs.

Neben den wildesten Abenteuern, darunter vieles als Bleistift- oder Buntstiftzeichnung, finden sich vollfarbige Formate, die anschaulich dokumentieren, warum die einst als „minderwertige Literatur“ verlachten Comics jener Schöpfer inzwischen längst Kultstatus genießen. „Ich bedaure, niemals einen Comic gezeichnet zu haben“, wird Maler und Lebenskünstler Pablo Picasso in der Ausstellung zitiert. Wie Comic definiert wird und welche Termini im Genre eine Rolle spielen, wird ausführlich auf Tafeln erklärt. Im Mittelpunkt dieser wunderbaren Ausstellung, die Reichelt und Brockmann konzipiert haben und die in einer leider bloß abgespeckten Version an den Wänden und in Vitrinen zu sehen ist, aber stehen die tierischen Figuren mit ihren individuellen Lebenswelten, deren Biografie Gottfredson, Taliaferro und Barks geschaffen haben – die Väter von Mickey und Donald.

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