Grevenbroich: "EmergencyEye" hilft im Notfall via Smartphone

EmergencyEye : Live-Notfallhilfe per Smartphone

Eine Software aus Grevenbroich revolutioniert die Notfallhilfe. Wenn der Notruf gewählt wird, soll dank Günter Huhles „EmergencyEye“ der Notfallhelfer via Smartphone-Kamera des Anrufers die Situation live sehen und so helfen können.

Bei der jetzt zu Ende gegangenen Cebit präsentierte Professor Günter Huhle zum ersten Mal öffentlich die Software „EmergencyEye“. Ideengeber dafür war Sohn Viktor Huhle. Die Entwicklung wurde im 2015 in Grevenbroich gegründeten Startup-Unternehmen Corevas GmbH & Co. KG vorangetrieben. „Die Resonanz war überwältigend“, sagt Günter Huhle über die Smartphone-basierte Notfallhilfe, die der Internist, Intensiv-Mediziner, Wissenschaftler und Leiter der internationalen Geschäftsentwicklung beim Unternehmen Janssen/Johnson & Johnson konzipiert hat. Sein „Notfall-Auge“ macht sichtbar, wo bislang nur gesprochen werden konnte und ist hilfreich bei medizinischen Notfällen. Nutzbar ist die Software aber auch für andere Servicebereiche.

Das Ziel der von Günter Huhle entwickelten Technologie ist die Verbesserung der Kommunikation zwischen Notfallzeugen und Notfall-Leitstellen, mittels der Nutzung aller technischen Möglichkeiten eines Smartphones – nämlich per Übermittlung von Video und GPS-Daten oder von Vitalparametern. Was das in der Praxis bedeutet, lässt sich am Beispiel erklären: Bislang ist ein Notfallhelfer, der angerufen wird, sozusagen blind. „Wir machen ihn sehend“, beschreibt der Professor. Meldet also der Laie einen Herz-Kreislauf-Stillstand, bei dem der sofortige Einsatz sowie die Qualität von Erste-Hilfe-Maßnahmen wichtig für Überlebens- und Erholungschancen des Patienten sind, wird dem Notfallhelfer nicht nur wörtlich die Situation geschildert, ihm können auch optische Hilfsmittel gegeben werden. Oder wie es in einem im Netz platzierten Video der Firma Corevas heißt: „Nur zehn Prozent aller Menschen überleben einen akuten Herzstillstand. Mit ,EmergencyEye’ sieht der Notruf durchs Smartphone des Ersthelfers und gibt via Livestream professionelle Anweisungen. So hilft Technologie dabei, Leben zu retten.“

In Zusammenarbeit mit der Leitstelle des Rhein-Kreises Neuss entwickelt, kommt das Notfall-Auge jetzt zum Einsatz. „Damit geht die Technologie in die sogenannte Beta-Phase“, beschreibt der Wissenschaftler die kommenden zwei Monate. „,EmergencyEye’ geht damit ins Finishing“, so Huhle. Der Rhein-Kreis Neuss sowie neun weitere Leitstellen in Deutschland wurden dazu ausgewählt, um in besagter Beta-Phase „Rückmeldung zu geben“. Ist diese Prüfphase absolviert und sind die letzten Optimierungen eingepflegt, geht „EmergencyEye“ ab September offiziell bundesweit an den Start. Quasi parallel zur bald beginnenden Prüfphase wird eine vierwöchige Studie in Köln beginnen. „Wir wollen uns bestmöglich vorbereiten“, sagt der Arzt über die dann stattfindende Schulung von Notfallhelfern. Zusammen mit Frank Boerger und dessen Unternehmen „Notfallhilfe 112“ sollen dann im Umgang mit 150 Probanden Nutzung und Umgang mit der Software gelehrt werden.

Wer bislang alle Sofortmaßnahmen, Tipps und Tricks zur Lebensrettung ausschließlich hörte und gewohnt war, verbale Anleitungen zu geben, muss darin geschult werden, die optische Dimension mit zu nutzen.