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Grevenbroich: Eine Chance für Waisen in Rumänien

Grevenbroicher besuchen das Jugenddorf Lokod : Eine Chance für Waisen in Rumänien

Mit dem Jugenddorf Lokod schufen Elke und Herbert Flöck aus Neuenhausen ein beachtliches Hilfsprojekt. André Ebel und Rolf Neumann haben den etwa 19.000 Kilometer von Grevenbroich entfernten Ort besucht – und sind begeistert.

Eigentlich hatten die beiden Grevenbroicher vor, so viele Menschen wie möglich einzuladen, um von ihrem Erlebten zu berichten. Denn die Eindrücke sind tief, die Rolf Neumann und André Ebel vom Jugenddorf Lokod in Rumänien mit nach Hause genommen haben. Geplant war ein Vortrag, der allerdings den steigenden Corona-Zahlen zum Opfer gefallen ist. „Wir werden ihn aber nachholen“, sagt Neumann. „Voraussichtlich im kommenden Frühjahr.“

Helfen. Das war das Ziel von Elke und Herbert Flöck, als 1989 – nach dem Sturz der kommunistischen Diktatur – erschütternde Berichte aus rumänischen Kinderheimen um die Welt gingen. Geschockt von den Bildern, ergriff das Ehepaar Initiative: In Lokod, einem kleinen Karpatendorf im ungarischen Teil Siebenbürgens, schufen die beiden Neusenhausener 1995 mit und für Jugendliche aus den umliegenden Waisernhäusern einen lebendigen Ort – einen Ort zum Leben.

 Andre Ebel (l.) und Rolf Neumann sind beeindruckt von der Arbeit, die im rumänischen Jugenddorf Lokod geleistet wird.
Andre Ebel (l.) und Rolf Neumann sind beeindruckt von der Arbeit, die im rumänischen Jugenddorf Lokod geleistet wird. Foto: Wiljo Piel/wilp

„Es ist beeindruckend, was dort in den vergangen Jahren alles auf die Beine gestellt wurde“, sagt Rolf Neumann, der jetzt zum ersten Mal zu Gast in Lokod war. 30 Jugendliche und junge Erwachsene leben in den von der Stiftung „LIA Rumänienhilfe“ errichteten Häusern und gehen in den angeschlossenen Werkstätten ihrer Arbeit nach – in einer kleinen Tischlerei, einer Schlosserei oder in der Betonabteilung. „Sie haben dort eine echte Chance bekommen“, betont André Ebel.

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Denn Jugendliche, die ihre gesamte Kindheit in einem rumänischen Waisenhaus verbringen mussten, seien dadurch stark geschädigt, viele hätten eine Behinderung. Und nur wenigen gelinge es, den Weg in ein selbstständiges Leben zu finden. „Oft landen sie auf der Straße, werden in ,Altenheimen’ oder in der Psychiatrie untergebracht“, schildert Ebel, der sich für die Rumänienhilfe engagiert, schon mehrfach in Lokod war und dort mit ergreifenden Schicksalen konfrontiert wurde.

 Der Grundstein für das Jugenddorf Lokod in Siebenbürgen wurde im Jahr 1995 gelegt.
Der Grundstein für das Jugenddorf Lokod in Siebenbürgen wurde im Jahr 1995 gelegt. Foto: Andre Ebel

„Da ist zum Beispiel Milinda. Die junge Frau wurde als Einjährige von ihrem Vater misshandelt und von der Mutter aus dem Fenster geworfen – seitdem ist sie blind“, berichtet André Ebel. In Lokod sei Milinda wieder aufgeblüht, habe Freundschaften geknüpft, könne ein selbstständiges Leben führen. „Wenn man das sieht, ist man begeistert.“

Etwa 15 Kilometer entfernt, im Dorf Okland, liegt ein Waisenhaus mit angeschlossener Spezialschule für Kinder mit Verhaltensstörungen, körperlichen oder geistigen Behinderungen. Damit diese Kinder nicht alle im Heim leben müssen, hat die Stiftung in Okland und den Nachbarorten fünf Bauernhäuser erworben und zu Familienhäusern ausgebaut. Bis zu sechs Kinder leben in einem Haus mit Pflegeeltern wie in einer richtigen Familie. „Durch zusätzliches Betreuungspersonal ist es gelungen, dass mehr und mehr Kinder von der Spezial- in die Normalschule wechseln konnten. „Viele Kinder haben es bis hin zum Abitur geschafft“, sagt Ebel.

Seit einigen Jahren ist die LIA-Stiftung auch Zentralpartner der Aktion „Johanniter-Weihnachtstrucker“ für Rumänien. In der Vorweihnachtszeit werden vorwiegend in Süddeutschland zahlreiche Geschenkpakete für bedürftige Menschen gepackt, die am zweiten Weihnachtstag mit mehr als 40 Lkw nach Südosteuropa transportiert werden. Rund 15.000 Geschenkpakete kommen bei LIA an, die sie gemeinsam mit Partnern an kinderreiche und hilfsbedürftige Familien verteilt. „Für diese Menschen sind diese Pakete eine große Hilfe beim Kampf ums tägliche Überleben“, sagt Rolf Neumann.

Und die Flöcks? Die leben einen großen Teil des Jahres selbst in Lokod. Das Dorf und dessen Bewohner verlassen die beiden Neuenhausener nur selten, sie kümmern sich ausschließlich um ihr Projekt. „Sie leben buchstäblich für Lokod. Selbst Sehenswürdigkeiten, die in der näheren Umgebung liegen, sind ihnen völlig unbekannt“, schildert Rolf Neumann.