Diesen Samstag in der Kirche St. Georg „Nachmittag der Erinnerungen“ – 50 Jahre nach der Umsiedlung von Elfgen und Belmen

Elfgen/Belmen · 50 Jahre nach der Umsiedlung geht es diesen Samstag, 22. Juni, in der Elfgener Kirche um die Geschichte der alten Orte Elfgen und Belmen. Besucher erwartet ein abwechslungsreiches Programm. Beleuchtet wird auch die Historie von St. Georg.

Ein Blick auf Alt-Elfgen. Prominent im Bild: die Kirche St. Georg, die Anfang der 1930er Jahre aufwendig erweitert wurde. Das war knapp 20 Jahre, bevor die ersten Braunkohlepläne das Dorf erreichten.

Ein Blick auf Alt-Elfgen. Prominent im Bild: die Kirche St. Georg, die Anfang der 1930er Jahre aufwendig erweitert wurde. Das war knapp 20 Jahre, bevor die ersten Braunkohlepläne das Dorf erreichten.

Foto: Stadtarchiv Grevenbroich

Die Bewohner der früheren Umsiedlungsorte Elfgen und Belmen haben nicht vergessen, wo ihre Wurzeln liegen. Auch nicht 50 Jahre nach der Umsiedlung. Sie pflegen eine bemerkenswerte Erinnerungskultur, wenn es um die verschwundenen Orte geht, aus denen viele von ihnen stammen: Alt-Elfgen und Alt-Belmen, alte rheinische Dörfer, die in den 1980er Jahren endgültig dem Braunkohletagebau zum Opfer gefallen sind. Wie groß das Interesse ist, die frühere Heimat in Erinnerung zu rufen, hat eine Foto-Schau im November gezeigt: Nicht weniger als 150 Besucher waren damals in die Elfgener Kirche gekommen, um die alten Ansichten aus den Dörfern zu sehen.

An diesen Erfolg will ein Team an Geschichtsfreunden anknüpfen: Die Elfgener Annemarie Helpenstein und Georg Peltzer laden gemeinsam mit dem Stadtarchiv und dem Geschichtsverein für diesen Samstag, 22. Juni, 14 bis 17 Uhr, zu einem „Nachmittag der Erinnerungen“ in die Elfgener Kirche St. Georg ein. Den Anlass geben runde 50 Jahre, die seit Beginn der Umsiedlung vergangen sind. Behandelt werden soll aber nicht bloß die Geschichte der Umsiedlung. Auch soll allgemein auf die Historie der alten Dörfer eingegangen werden.

Die Besucher erwartet ein Potpourri rund um die Umsiedlung – von den Anfängen bis in die heutige Zeit (darauf möchte Georg Peltzer eingehen). Ferner besteht die Möglichkeit, an einer Kirchenführung zum Thema „St. Georg und die mitgebrachten Bauteile sowie Kirchengegenstände“ teilzunehmen (mit Cornelia Schulte). Im Anschluss besteht auch die Möglichkeit zu einem Austausch oder Recherchen zu Geschichten und Namen in den Elfgener Schulchroniken aus den Jahren 1873 bis 1950 (hier ist Stefan Faßbender Ansprechpartner).

Recherchen sollen ohne großes Blättern auch zu bestimmten Namen einfach möglich sein, denn: Faßbender, der Mitglied des Geschichtsvereins ist, hat die Schulchroniken, in denen nahezu alle wichtigen Dorf-Ereignisse dokumentiert sind, transkribiert. Das ermöglicht eine zielgenaue Suche – im Handumdrehen können mehr als 1000 Seiten nach Begriffen und Namen digital durchforstet werden.

Zur Einstimmung auf den „Nachmittag der Erinnerungen“ hat sich Stefan Faßbender mit der Geschichte der Elfgener Kirche befasst, die knapp 20 Jahre vor den ersten Umsiedlungsgerüchten noch tüchtig erweitert worden war. In den Schulchroniken ist anhand mehrerer Berichte und auch anhand von Fotos dokumentiert, wie sehr die Erweiterung von St. Georg die Dorfbewohner im frommen Rheinland der frühen 1930er Jahre beschäftigt hat. Und was es für ein Akt war, die Erweiterung zu einem guten Abschluss zu bringen.

Ende der 1920er Jahre soll die Kirche (erbaut 1749) in einem schlechten Zustand gewesen sein. Der damalige Pfarrer hatte einen Neubau anvisiert – die Folgen des Ersten Weltkriegs und die bald darauf einsetzende Inflation machten jedoch einen Strich durch das Vorhaben. Lediglich ein frischer Anstrich konnte dem Gotteshaus gegönnt werden. Dann aber, 1931, wurden neue Pläne geschmiedet. Mit dem Pfarrer Joseph Radermacher kam Schwung in die Sache. Dessen Bruder Fritz, ein Architekt, modellierte kurz darauf einen Entwurf für einen Erweiterungsbau. Sechs Entwürfe sollten folgen, ehe der Kirchenvorstand im Jahr 1932 ein Beschluss gefasst hat. Im Mai des selben Jahres wurde die Firma Pick aus Elsen mit den Bauarbeiten beauftragt, kurz darauf ging es los.

Der Architekt Fritz Radermacher, Bruder des damaligen Pfarrers, beim Modellieren eines Entwurfs für den Erweiterungsbau der Kirche.

Der Architekt Fritz Radermacher, Bruder des damaligen Pfarrers, beim Modellieren eines Entwurfs für den Erweiterungsbau der Kirche.

Foto: Stadtarchiv Grevenbroich

„Erweiterung“ hieß im Fall der alten Kirche St. Georg, dass ein neuer Kirchenraum seitlich an den bestehenden angebaut und die Nordwand der alten Kirche für die Verbindung eingerissen wurde. Zur Kirmes 1932 sollten die Bauarbeiten abgeschlossen sein, es kam allerdings zu Verzögerungen. Stefan Faßbender hat dazu einige Passagen in den Schulchroniken gefunden. „Wir wollten zur Kirmes fertig sein und keine Weihnachten noch unter Gerüsten“, heißt es in einem Eintrag vom Dezember 1932.

Weiter ist niedergeschrieben: „Die Anpassung des alten an den neuen Teil (...) nahm lange Zeit in Anspruch. (...) Von Übel ist es, dass die Heizung noch nicht eingebaut ist; denn im alten Teil, wo der Gottesdienst stattfindet, ist es empfindlich zugig und kalt. Zum Unglück ist seit einigen Tagen starker Frost, der an dem frischen Mauerwerk und dem neuen Verputz großen Schaden anrichten kann. Jetzt werden Tag und Nacht drei Eisengitteröfen mit Koks geheizt zur Abwendung der Frostschäden.“

Die Nordwand der alten Kirche wurde 1932 zum Erweiterungsbau hin eingerissen.

Die Nordwand der alten Kirche wurde 1932 zum Erweiterungsbau hin eingerissen.

Foto: Stadtarchiv Grevenbroich

In einem weiteren Eintrag von Januar 1933 heißt es, dass das Geld für die Erweiterung zuneige ging, und dass viele Elfgener Geld stifteten, um die Kirchenerweiterung zu einem guten Abschluss zu bringen. So bereitete beispielsweise die Beschaffung neuer Kirchenbänke Sorgen. Im März 1933 allerdings waren die Bauarbeiten abgeschlossen: Von da an fanden die Gottesdienste im neuen Teil der Kirche statt; die Reliquien wurden auf den neuen Hochaltar übertragen. Die Elfgener feierten bis in die 1980er Jahre hinein dort ihre Gottesdienste. 1985 ging in St. Georg schließlich das Licht aus: Die Kirche wurde abgerissen; Gottesdienste wurden von da an im neuen Ort gefeiert.