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Grevenbroich: Ein Engel(s) züchtet höllisch scharfe Chilis

Heißer Stoff aus der Südstadt : Ein Engel(s) züchtet höllisch scharfe Chilis

Ein Südstädter (41) züchtet die schärfsten Schoten der Welt. Die verarbeitet er zu Gewürzen, die mit Vorsicht zu genießen sind.

Weil er die mexikanische Küche liebt und die dazu gehörenden Gewürze im Laden nicht bekommt, züchtet Marco Engels seine eigenen Chilis und Peperoni. Das macht er auf dem Balkon seiner Wohnung in der Südstadt, dort hat er ein kleines Gewächshaus aufgebaut. Die Schoten gedeihen darin prächtig – doch vor ihrem Verzehr sei gewarnt. Nicht umsonst tragen die Früchte fantasievolle Namen wie „Reaper“ (Sensemann) oder „Viper“. Also: heißer Stoff!

Für Burritos und Tacos schiebt der 41-Jährige gerne jedes andere Hausmannskost zur Seite. Am liebsten bereitet er die Spezialitäten aus dem Land der Sombreros selbst zu. „Doch die Originalität scheiterte immer an den ganz wichtigen Zutaten“, sagt Engels. „Also an den Gewürzen.“ Weil die im normalen Handel kaum erhältlich sind, hat er vor nunmehr 23 Jahren mit einer eigenen Zucht begonnen, damals noch im Schrebergarten seiner Eltern. Nach dem Tod des Vaters und dem damit verbundenen Auszug aus der Laubenkolonie machte der Südstädter auf seinem Balkon weiter.

Buntes Allerlei: Aus verschiedenen Schoten werden höllisch scharfe Mexiko-Soßen. Foto: Dieter Staniek

Nach der Erntezeit, die zwischen Ende September und Mitte Oktober liegt, beginnt Marco Engels jetzt wieder mit der Aussaat. Die Samen besorgt er sich übers Internet – und er hat es vor allem auf die ganz, ganz scharfen Sorten abgesehen. Der Star seiner Zucht heißt „Carolina Reaper“ und gilt laut Guinness-Buch der Rekorde seit 2013 als schärfste Chili der Welt. Das Ding scheint direkt aus der Hölle zu kommen.

Denn: „Auf der Scoville-Skala, die den Schärfegrad von Paprikapflanzen angibt, rangiert sie mit bis zu 2,2 Millionen Einheiten ganz oben“, sagt Marco Engels. Zum Vergleich: Eine Tabasco-Soße, wie es sie im Laden gibt, bringt es gerade mal auf 1500, höchstens 2500 Scoville. Auch die anderen Sorten, die der Südstädter in Kästen und Kübeln züchtet, haben es in sich. Etwa die „Trinidad Moruga Scorpion“, die „Naga Viper“ oder die „Habanero Red“. Alles scharfes Zeug.

Mit seiner Ernte geht Marco Engels auf unterschiedliche Weise vor. Die Schoten werden entweder im Mixer klein gehäckselt und anschließend zu schmackhaften Soßen verkocht. Oder: Im Dörrautomat getrocknet und anschließend gemahlen, werden daraus Gewürzmischungen für die unterschiedlichsten Gerichte gefertigt. Das Einlegen in Alkohol und anschließende Destillieren ist eine weitere Variante. „Da reicht ein Tröpfchen für einen ganzen Topf mit Gulaschsuppe“, schildert der Experte, der hauptberuflich als Lagerist tätig ist.

Seine Produkte verschenkt Marco Engels an Freunde und Kollegen. Und neulich in der Pizzeria hat er dem italienischen Koch, der schon alles, was es weltweit an Chilis gibt, probiert und schadlos überstanden haben will, mal einer seiner Züchtungen zum Kosten gegeben. „Erst ist er herum gerannt, und den Rest des Tages hat ihm der Mund gebrannt“, schildert der 41-Jährige lächelnd. Gegen das Brennen helfe vor allem Kakao, Milch oder Öl. „Aber niemals Wasser“, warnt Engels. „Das macht es noch schlimmer.“