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Grevenbroich: Ein Denkmal für den Synagogenplatz

Neugestaltung in der Grevenbroicher City : Denkmal für den Synagogenplatz

Der Geschichtsverein will auf „historische Dimension“ des in der Innenstadt liegend Platzes hinweisen. Geplant ist ein Denk- oder Mahnmal, das nicht nur an die ehemalige Synagoge erinnern soll.

Mit einer Skulptur soll am Synagogenplatz in der Innenstadt auch an die Grevenbroicher Familien erinnert werden, die dem Holocaust zum Opfer fielen. Am 12. September will der Geschichtsverein, in Zusammenarbeit mit anderen Akteuren, erste Ideen für diese künstlerische Arbeit einbringen. „Wir werden dafür den Tag des offenen Denkmals nutzen“, sagt Vorsitzender Ulrich Herlitz.

Im Juni hatte sich der Stadtrat für eine Neugestaltung des Synagogenplatzes ausgesprochen. Grundlegende Änderungen sind im Rahmen des 85.000-Euro-Projekts nicht geplant. Es wird aber bestimmte Akzentuierungen geben: So soll mit einem 30 Zentimeter breiten Streifen aus Basaltpflaster der Grundriss der Synagoge nachgezeichnet werden, die dort bis 1939 stand. Darüber hinaus ist geplant, den ehemaligen Standort mit einem etwa ein Quadratmeter großen Davidstern besonders zu kennzeichnen.

„Der Grundriss mit dem Davidstern ist nur ein erster Schritt, da er einen Zustand in Erinnerung ruft, der vor der Zerstörung der Synagoge existiert hat“, sagt Herlitz. Der Platz selber sei erst durch den Abriss des jüdischen Bethauses entstanden, das im Zuge des Novemberpogroms 1938 von den Nationalsozialisten geschändet wurde. An diese Gräueltat soll ein Denk- oder Mahnmal erinnern, das am Eingang des Platzes – an der Schnittstelle der Sichtachsen zu Kölner- und Zünftestraße – errichtet werden soll.

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„Dort sollte aber auch namentlich der Grevenbroicher Opfer des Holocausts gedacht werden können“, sagt Herlitz. Dieses Anliegen hat der Arbeitskreis Judentum des Geschichtsvereins gemeinsam mit der jüdischen Gemeinschaft und Erinnerungsinitiativen wie „KKG gegen das Vergessen“ in die Neugestaltungspläne mit eingebracht.

„Der Synagogenplatz macht deutlich, dass es sich nicht nur um eine Lücke in der Stadtarchitektur handelt. Mit der Schändung des Bethauses wurde auch der Kern jüdischen Lebens getroffen, das letztlich im Holocaust vernichtet wurde“, betont Herlitz. Diese historische Dimension sollte bei der Umgestaltung des Platzes zu einem Erinnerungsort sichtbar werden. Anlieger hätten dazu bereits im Vorfeld ihre Unterstützung signalisiert.

Der Stadtrat hat die Frage nach dem Denk- oder Mahnmal an den Kulturausschuss verwiesen, der wieder im Oktober zusammenkommt. „Aus unserer Sicht wäre es begrüßenswert, wenn in die Gestaltung nicht nur die zivilgesellschaftlichen Akteure, sondern auch die Jugend beteiligt werden könnte“, betont Herlitz. Nach einem Vorschlag des Geschichtsvereins soll die Finanzierung der Skulptur mit einem Mix aus öffentlichen und privaten Mitteln sichergestellt werden, er hat dafür unter anderem den „Heimatfonds“ des Landes Nordrhein-Westfalen in die Diskussion eingebracht.

Seit mehr als 80 Jahren nimmt der Platz eine innerstädtische Funktion wahr, geprägt vom angrenzenden Einzelhandel. „Das ist auch gut so“, meint Herlitz. Gleichzeitig müsse auch die historische Bedeutung ins Bewusstsein gerückt werden.