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Grevenbroich: Dritte Gesamtschule oder Realschule?

Schulen in Grevenbroich : Dritte Gesamtschule oder Realschule?

Für die geplante dritte Gesamtschule am Heyerweg soll es auf Empfehlung der Bezirksregierung eine Eltern-Befragung geben. Eine solche fordert auch die FDP – zur Frage, ob die Realschule bestehen bleiben soll. Droht ein Schulstreit?

In der zweiten Jahreshälfte sollen die Eltern der zweiten und dritten Grundschulklassen befragt werden, welche weiterführende Schulform sie für ihr Kind wünschen. Das kündigt Bürgermeister Klaus Krützen an. Anlass ist die Gründung der dritten Gesamtschule in der Stadt. Eine Befragung mit anderer Fragestellung beantragt nun aber die FDP: Eltern sollen befragt werden, „ob die Realschule in der Stadt weiter betrieben werden soll“, wie Fraktionschef Markus Schumacher erklärt. Die Liberalen fordern nämlich, die Gesamtschulpläne zugunsten des Fortbestandes der Diedrich-Uhlhorn-Realschule am Heyerweg aufzugeben.

Droht ein Schulstreit? Eigentlich ist die Sachlage klar. Mitte Juni hatte der Schulausschuss die Verwaltung beauftragt, die Planungen „zur Errichtung der dritten Gesamtschule am Standort Heyerweg sofort wieder aufzunehmen“, eine Machbarkeitsstudie zu erstellen und mit der oberen Schulaufsicht alles vorzubereiten, dass die neue Schule Mitte 2023 starten kann. Aus Kostengründen hatte die Planung ein Jahr lang auf Eis gelegen.

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Anlass für die Gründung ist, dass die beiden vorhandenen Gesamtschulen aus Kapazitätsgründen seit Jahren eine erhebliche Zahl von Kindern – 2020 knapp 50, 2021 39 – abweisen müssen, viele davon gehen dann zur Realschule. Für die hatten sich in früheren Jahren in der ersten Anmelderunde die Eltern von nur 30 bis 40 Kindern entschieden, die Klassen wurden durch anderswo abgewiesene Schüler aufgestockt. Für das kommende Schuljahr dagegen wurden rund 60 Kinder von Anfang an für die Realschule angemeldet, mit „Aufstockung“ sind es nun 98. Angesichts dieser Zahlen „hat uns die Bezirksregierung Düsseldorf empfohlen, eine Elternbefragung durchzuführen“, erklärt Bürgermeister Klaus Krützen.

Nun sehen sich die Freien Demokarten im Aufwind, sprechen in ihrem Antrag von „einer Kehrtwende der Verwaltungsführung“. Der Bürgermeister folge damit der Auffassung der FDP-Fraktion, den Elternwillen ernst zu nehmen und die Eltern zu befragen, „ob der Realschule eine faire Chance auf Fortexistenz gegeben werden soll“, wie Schumacher erklärt.

Krützen kontert: „Es gibt keine Kehrtwende. Und ich brauche nicht die FDP, um den Elternwillen ernst zu nehmen, das tun wir auf jeden Fall“, sagt er. „Ich möchte meine unveränderte Position, dass die dritte Gesamtschule – in Wevelinghoven – notwendig ist, durch die Befragung untermauern“, so der Bürgermeister, und: „Die FDP hat aus populistischen Gründen die Grundsatzdebatte wieder eröffnet, die durch eindeutige Ratsbeschlüsse pro Gesamtschule schon beendet war“, sagt der Bürgermeister: „Die Diskussion über die dritte Gesamtschule ist doch gestartet, weil die Realschule auf uns zugekommen war und die Umwandlung unterstützt hat.“

Die Liberalen dagegen sehen ihre Position gestärkt. Sie hatten einen Antrag zum Fortbestand der Realschule und zur Aufgabe der Umwandlungspläne gestellt – und der sei im Schulausschuss nicht abgelehnt, sondern zur erneuten Beschlussfassung in den Rat gegeben worden. „Es scheint einen Nachdenkensprozess zu geben“, wertet dies Schumacher.

„Wir sind für das dreigliedrige Schulsystem. Die Realschule bildet schwerpunktmäßig Schüler so aus, dass sie sich in praktischen und kaufmännischen Berufen gut zurecht finden und gute Lehrstellen finden können“, sagt Erika Voets, Sachkundige Bürgerin und ehemalige Grundschulleiterin. Zudem argumentiert die FDP, dass 2021 deutlich mehr Kinder für die Realschule angemeldet wurden als die Gesamtschulen abgewiesen haben.

Die geforderte Elternbefragung zum Fortbestand der Realschule soll aus Sicht der Liberalen auf eine breite Basis gestellt werden. Befragt werden sollen nicht nur Eltern aller Grundschüler, sondern auch der Fünft- und Sechstklässler, da deren Kinder vielleicht an der Realschule keinen Platz bekommen haben, aber „dennoch eine Weiterführung der Schulform wünschen“. Außerdem sollen auch Ausbildungsbetriebe einbezogen werden.

„Warum sollen Eltern von Fünft- und Sechstklässlern befragt werden, für die die Schulwahl längst entschieden ist“, fragt dazu Krützen. „Wir sind nicht bei ,Wünsch Dir was’, sondern die Bezirksregierung gibt die Fragestellung an die Eltern vor“, erklärt SPD-Fraktionschef Daniel Rinkert. Die Anmeldezahlen der vergangenen Jahre, mit Ausnahme 2021, „sprechen eine deutliche Sprache, die Eltern haben mit den Füßen abgestimmt“ – und zwar für die Gesamtschule, sagt Rinkert.