1. NRW
  2. Städte
  3. Grevenbroich

Grevenbroich: Diedrich Uhlhorn ist Erfinder des Tachometers

Geschichte der Schlossstadt : Grevenbroicher hat den Tachometer erfunden

Was viele nicht wissen: Dietrich Uhlhorn aus Grevenbroich war auch der Erfinder des Tachometers.

Alle Autofahrer schauen bei jeder Fahrt mehrfach auf den Tachometer, der ihnen die Geschwindigkeit ihres Fahrzeugs anzeigt. Doch kaum jemand denkt dabei an den Erfinder des wichtigen Instrumentes. Was viele nicht wissen: Er kommt aus Grevenbroich. Und: Er heißt Diedrich Uhlhorn. Die meisten bringen den Erfinder nur mit der berühmten Münzprägemaschine, der Kniehebelpresse, in Verbindung.

Diedrich Uhlhorn war ein Konstrukteur, der viel experimentierte. „Dass er auch den Geschwindigkeitsmesser erfunden hat, wissen nur sehr wenige Menschen“, sagt Thomas Wolff vom städtischen Kulturteam. Er kennt sich mit der Geschichte Uhlhorns bestens aus – und weiß auch, dass der Name des Grevenbroichs im Zusammenhang mit der Geschichte des Tachometers zwar oft erwähnt, vielfach jedoch falsch geschrieben wird.

Das Prinzip des Tachometers hat Diedrich Uhlhorn erfunden, irgendwann um das Jahr 1815 herum. Allerdings – und das zeigen historische Aufzeichnungen – ursprünglich gar nicht für Fahrzeuge, sondern für Maschinen der Baumwollspinnerei und -weberei. Das Problem, das Uhlhorn zu lösen versuchte: Er wollte die ideale, gleichmäßige Betriebsgeschwindigkeit für die Maschinen feststellen und für die Arbeiter messbar machen.

Uhlhorn schreibt in einer 1817 veröffentlichten Aufzeichnung, die in der Bayerischen Staatsbibliothek lagert: „Dieses alles veranlasste mich, ein Instrument zu erfinden, welches ohne Gebrauch einer Uhr jeden Augenblick den Gang derjenigen Maschine angibt, mit welcher dasselbe in Verbindung gesetzt wird.“ Nach „vieler Mühe“ sei es ihm gelungen, so ein Gerät „zu Stande zu bringen“. Das Prinzip beruhte im Wesentlichen auf der Drehzahlmessung mittels der Zentrifugalkraft. „Ein Knabe“, so Uhlhorn im Jahre 1817, „kann die Maschine in demjenigen Gange erhalten, welcher die größte Wirkung derselben hervorbringt.“

Teil der Aufzeichnung sind auch zahlreiche mathematische Berechnungen. Diedrich Uhlhorn, der sich bereits in jungen Jahren sehr für Physik und Mathematik interessiert haben soll, hat aus dem Geschwindigkeitsmesser, den er damals bereits Tachometer nannte, eine „Wissenschaft für sich“ gemacht. „Ein anderer Konstrukteur hat das Funktionsprinzip einige Jahre später für Fahrzeuge aufgegriffen“, sagt Thomas Wolff, den viele erst einmal verdutzt anschauen, wenn er erzählt, dass der Grevenbroicher Uhlhorn eben auch Erfinder des Tachometers ist. „Das hat noch nie jemand thematisiert.“

Tatsächlich war das Instrument erst einmal nur für Maschinen interessant – und nicht einmal für dampfbetriebene. Denn die erste Dampfmaschine soll es erst um 1842 in Grevenbroich gegeben haben. Der Erfinder beschreibt 1817, dass sich „sein“ Instrument am bequemsten „durch Schrauben an der Decke des Zimmers“ befestigen lässt. Dies und weitere Beschreibungen deuten darauf hin, dass es sich bei den „Ur-Tachometern“ um größere Instrumente gehandelt haben dürfte, als die, die heute üblicherweise in Fahrzeugen Verwendung finden. Bei Fahrzeugen wurde der Tachometer übrigens erst nach 1835 relevant: In diesem Jahr fuhr die erste Eisenbahn in Deutschland auf der Strecke von Nürnberg nach Fürth. Ab Mitte der 1840er Jahre sollen Geschwindigkeitsmesser in Eisenbahnen verbaut worden sein.