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Grevenbroich Die Verbindung weiter halten

Spiritueller Zwischenruf : Die Verbindung weiter halten

Gegen Corona impfen – ja oder nein? Pater Bruno Robeck, Prior der Langwadener Zisterziensermönche, berichtet über seine Gespräche mit Gegnern der Corona-Schutzimpfung – und über eine Verbindung, die auf diese Weise spürbar geworden sei.

Die Diskussionen reißen nicht ab. Das Thema ist wichtig, darum auch emotional besetzt. In den letzten Tagen haben mich immer wieder Menschen auf die Corona-Schutzimpfung angesprochen. Sie wollten wissen, was ich als Priester davon halte, warum ich mich selbst habe impfen lassen und die Impfung empfehle. Für mich war es wichtig, die Sorgen und kritischen Fragen ernst zu nehmen.

Es stimmt, dass es keine Langzeitstudien gibt. Wie auch? Der Impfstoff musste in Windeseile entwickelt werden. Nach genauester Untersuchung wurde er freigegeben. Natürlich bleibt ein Restrisiko – wie immer im Leben. Die eigentliche Problematik scheint mir, vielfach woanders zu liegen. Manche Menschen können Ärzten und Wissenschaftlern nicht vertrauen. Sie verlassen sich nur auf das, was sie selbst verstehen und machen können.

Mit solch einer Haltung müsste man aber schon größte Zweifel haben, wenn man sich in einen Bus – geschweige in ein Flugzeug – setzt. Wer weiß, wer dort am Lenkrad sitzt? Ohne Vertrauen können wir nicht leben. Das bedeutet nicht, alles zu glauben und jedem zu folgen, der sich an die Spitze stellt. Es bedeutet aber, sich einzugestehen, wo andere mehr Wissen haben als ich, und wo es ratsam ist, ihnen folgen – zumindest so lange, bis das Gegenteil bewiesen ist. Für manche Menschen liegt die Problematik nicht im fehlenden Vertrauen, sondern in einer Art Schockerfahrung. Bis vor gut anderthalb Jahren konnten wir im Glauben leben, dass wir unser Leben weitestgehend selbst in der Hand haben. Das Virus hat uns gelehrt, wie schnell wir aus der Bahn geworfen werden können – ohne Möglichkeit zur Gegenwehr.

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Auch eine Impfung ist kein allumfassender Schutz, sie lässt Fragen offen. Daher können die Impfmittel paradoxerweise die Erfahrung der eigenen Unsicherheit noch verstärken. Für die Menschen früherer Jahrhunderte waren Ohnmachtserfahrungen ständige Begleiter. Sie fanden jedoch Wege, damit umzugehen. Eine Möglichkeit war der Glaube an Gott, der aber manchmal gegen die wissenschaftlichen Erkenntnisse ausgespielt wurde. Als Menschen des 21. Jahrhunderts könnten wir heute lernen, Vertrauen und Glauben zuzulassen, ohne die Wissenschaft zu verteufeln.

Der Glaube an Gott und das Vertrauen in die Lebenskraft geben mir innere Sicherheit, die wissenschaftlichen Erkenntnisse helfen mir, Krankheiten zu bekämpfen. Was die Menschen betrifft, die an der Impfung zweifeln, bin ich froh, wenn sie mich anfragen und wenn ein ehrliches Gespräch entsteht. Ich nehme die anderen ernst und verlange, dass sie mich auch ernst nehmen. Am Ende meiner bisherigen Diskussionen behielt jeder seine Meinung, aber ich hatte tdas Gefühl, dass etwas geschehen war. Es war eine gegenseitige Sorge und Aufmerksamkeit spürbar geworden, die eine Verbindung schuf. Diese Verbindung bleibt. Sie kann auf Dauer mehr verändern als alle Argumente.