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Grevenbroich: Die rheinische HALAF-Formel

Spiritueller Zwischenruf aus dem Kloster Langwaden : Die rheinische HALAF-Formel

Es gibt eine Formel, die auch über die Corona-Pandemie hinaus ihre Gültigkeit haben könnte: das rheinisch-katholische HALAF. Was hinter dieser Abkürzung verbirgt, erklärt Pater Bruno Robeck, Prior der Zisterziensermönche aus dem Kloster Langwaden.

Im Umfeld unseres Klosters gab es einen sehr hilfsbereiten Menschen, der gern als Fahrer tätig war und viele Abkürzungen kannte. Das Problem war nur, dass er auf diesen Wegen meistens länger unterwegs war. Abkürzungen können also durchaus ihre Tücken haben. Dies gilt auch für Wortabkürzungen, durch die wir unsere Sprache effizienter gestalten und gleichzeitig komplizierter machen können. In der Corona-Pandemie sind ziemlich schnell Abkürzungen aufgetaucht.

Die AHA-Formel begleitet uns die längste Zeit. Immer Abstand halten (erstes „A“), Hygienevorschriften beachten („H“), im Alltag [medizinische] Maske tragen (zweites „A“). Mit zunehmenden Wissen über das Virus wuchs die Formel um zwei Buchstaben und verlor ihre Geschmeidigkeit. Ein drittes „A“ für die App (Coronawarn-App) kam hinzu und ein „L“ für das Lüften. Anstelle von AHALA, was komisch klingt, einigte man sich auf AHA+L+A. Besonders für Rheinländer dürfte sich eine andere Abkürzung anbieten: das durch die Maske gehauchte HALAF. Es steht für 1. Hygiene, 2. Alltag mit medizinischen Masken, 3. Lüften, 4. App und 5. Freiraum zum Nächsten. Dieses HALAF wird wohl noch lange die Erfolgsformel für einen möglichst coronafreien Alltag sein und könnte in leichter Adaption zur dauerhaften Benimmregel im Karneval werden.

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Eine andere Corona-Abkürzung erinnert an die G-7-Gruppe in der Weltpolitik. Es ist die G-3-Gruppe: die Getesteten, die Genesenen und die Geimpften. Diese Reihenfolge ist mir wichtig, denn zuerst gab es die Möglichkeit, sich testen zu lassen, danach erlebten wir die Menschen, die Covid-19 gut überstanden haben, und jetzt gibt es die Impfmittel. Die Tests waren leider nie mehr als eine Momentaufnahme. Wie widerstandsfähig die Genesenen und Geimpften auf Dauer gegen das Coronavirus sind, muss sich noch zeigen. Es ist jedoch unbestreitbar, dass es sinnvoll ist, zu dieser G-3-Gruppe zu gehören, um das Virus zurückzudrängen. Es gibt noch eine andere G-3-Gruppe, die es zur Zeit pandemieunabhängig sehr schwer hat: die getauften, gefirmten und geweihten Mitglieder in der katholischen Kirche. Wer bleibt, sieht sich vielen Problemen gegenüber. Wer die katholische G-3-Gruppe verlässt, ändert nichts an der Situation. Nur wer bleibt – nicht aus Trotz oder Stolz, sondern aus Liebe zu seiner Kirche – kann etwas ändern.

Die HALAF-Formel kann rheinisch-katholisch angewandt werden. 1. Wir müssen uns von allem Falschen trennen und uns in Zukunft sauber halten. 2. Wir brauchen juristische Filter, damit das Böse und Zerstörerische nicht unmerklich und unaufhaltsam in uns eindringt. 3. Wir brauchen frische Luft in unseren Köpfen und Herzen. 4. Wir müssen die Menschen in ihren heutigen digitalen und analogen Welten aufsuchen. 5. Wir müssen Menschen Freiraum lassen, dürfen unsere Frohe Botschaft ihnen jedoch gut sichtbar aus respektvollem Abstand zeigen.

Manche Menschen finden sich besonders schlau, wenn sie Abkürzungen benutzen. Bei manchen stellt sich heraus, dass sie ein Umweg waren. Aber Umwege sind auch Wege. Hauptsache ist, dass wir uns auf den Weg machen – mit oder ohne Abkürzungen, und dass wir das Ziel nicht aus den Augen verlieren.