Grevenbroich: Die Dark-Metal-Band Bethlehem ist in den Albumcharts

Erfolgreichste Band in Grevenbroich : Die Dark-Metal-Band Bethlehem ist in den Albumcharts

Bethlehem haben mit ihrem neuen Album erstmals die Charts erreicht. Doch in Grevenbroich sind sie unbekannt. Eine Annäherung.

Eine Woche ist es her, da erreichte Bethlehem zum ersten Mal die deutschen Charts. 28 Jahre nach der Bandgründung stieg das Album „Lebe dich leer“ auf Platz 49 ein. Knapp hinter „Sehnsucht“ von Rammstein, knapp vor „Honk“ von den Rolling Stones. Was kaum bekannt ist: Die Band kommt aus Grevenbroich. Sie sind die derzeit erfolgreichsten Musiker der Stadt.

Warum das neue Album so einschlägt, kann sich auch Bassist Jürgen Bartsch nicht wirklich erklären. „Unsere Musik hat sich langsam durchgesetzt. Wir haben ein Alleinstellungsmerkmal, das wird geschätzt“, sagt er. Der Grevenbroicher ist als einziges ständiges Mitglied seit 1991 dabei. Bethlehem sind sein Projekt. Mehr als 20 Bandmitglieder hat er seitdem „verschlissen“. Sein Dickkopf sei Schuld.

Bethlehem sind eine Dark-Metal-Band. Die Musikrichtung haben sie selbst geprägt. „Wir waren Trendsetter, bevor es den Trend gab“, sagt Bartsch. Ihre Songs vermitteln eine düstere Grundstimmung. Die Musik ist hart, der Gesang schrill. Auf dem neuen Album finden sich Titel wie „Verdaut in klaffenden Mäulern“ und „Ode an die obszöne Scheußlichkeit“. Bethlehem machen Nischenmusik. Und eine wachsende Fangemeinde hört ihnen zu.

„Wir bekommen Einladungen aus aller Welt, können aber nur auftreten, wenn die Kosten gedeckt werden“, sagt Bartsch. Bethlehem sind gerade in Israel, spielen am Samstagabend ein Konzert in Tel Aviv. Ein Fan hat es organisiert. Die meisten Anhänger hat die Band jedoch in den USA und in Südamerika. Dabei sind sie noch nie in Südamerika aufgetreten. „Die Fanreaktionen sind dort zu extrem. Alle wollen ein Stück von dir abhaben“, sagt Bartsch. Die Sängerin der Band habe zu viel Respekt vor den Auftritten dort.

Die Bethlehem-Fans sind allerdings sehr reisefreudig. Bartsch erzählt Geschichten von einem Ecuadorianer, der für ein Konzert in die USA gereist ist. Ein Soldat der Ramstein Air Base sei extra in die Niederlande geflogen, um die Band zu sehen. So kämen heute gerne mal 2000 Zuschauern bei Auftritten zusammen. „Mit jeder Platte haben wir Fans dazugewonnen. Hätten wir ein zweites Leben, in 50 Jahren wären wir vielleicht ganz groß“, sagt Bartsch. In Deutschland seien sie jedoch nie so erfolgreich gewesen, geschweige denn in Grevenbroich. Sie sind noch nie in der Region aufgetreten.

Das liegt auch an Bethlehem selbst. Grevenbroich ist ihr Rückzugsort. Die Bandmitglieder genießen die Abgeschiedenheit, kümmern sich hier in Ruhe um ihre Musik. Neben Bartsch kommt auch Sängerin „Onielar“ aus der Stadt. Schlagzeuger „Torturer“ kommt aus Essen, Gitarrist Karzov reist zu Proben und Auftritten aus Russland an. In der Öffentlichkeit möchten die Bandmitglieder nicht mit vollem Namen genannt werden. Sängerin und Schlagzeuger nutzen Künstlernamen. Der Grund sind einige ihrer „Fans“.

„Wir haben in den USA einige rechtsextreme Anhänger“, sagt Bartsch. Sogar Vertreter des Ku-Klux-Klan hörten ihre Musik. Der Band hat das in der Öffentlichkeit teilweise einen schlechten Ruf verschafft. Zu Unrecht, wie Bartsch sagt. Ihre Kunst sei weltoffen und völlig unpolitisch. Rechtsextreme würden sofort aus den Konzerten geworfen. Dennoch: In der Vergangenheit habe es deswegen Anfeindungen gegeben. Die Band hält sich lieber im Hintergrund.

Trotz allem genießt Bartsch den späten Charterfolg. „Ganz ehrlich: Anerkennung tut immer gut“, sagt er. Erfolg mache süchtig. Die CD-Verkäufe seien massiv angezogen. Das liege auch an der Promo, die besser laufe als früher. „Dennoch werden wir nichts ändern, wir bleiben wie wir sind“, sagt er.

Seit 2015 ist die Band in der jetzigen, laut Bartsch finalen, Besetzung zusammen. Was früher oft die „Interessengemeinschaft Bethlehem“ war, sei heute echte Freundschaft. „Zusammen wollen wir noch ein paar Alben machen und weiterhin nette Menschen auf der ganzen Welt kennenlernen“, sagt er. Vielleicht kommen bis zum letzten Auftritt ja sogar noch ein paar Fans aus Grevenbroich hinzu.

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