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Grevenbroich: Der Ball ist rund und der Himmel offen

Spiritueller Zwischenruf aus dem Kloster Langwaden : Der Ball ist rund und der Himmel offen

Fußball und Religion haben gerade in der Corona-Krise vieles gemeinsam. Dennoch gibt es Unterschiede, selbst wenn der eine oder andere Spieler mal vergöttert werden sollte, meint Pater Bruno Robeck, Prior des Langwadener Zisterzienserklosters.

Die Fußball-Bundesliga-Saison 2019/2020 ist am vergangenen Samstag mit den Geisterspielen zu Ende gegangen. Man konnte wenigstens vor den Bildschirmen oder Radiogeräten Anteil nehmen. Die Fußball-EM wird 2021 nachgeholt. Ganz anders sieht es mit den Gottesdiensten aus. Seit Mai haben die Gebets- und Gotteshäuser aller Religionen ihre Pforten wieder geöffnet – zwar unter Hygiene- und Schutzmaßnahmen, aber die Gläubigen dürfen wieder an Gottesdiensten teilnehmen.

Die obersten Richter unseres Landes hatten sehr genau darauf geachtet, dass die freie Religionsausübung nur in sehr engen Grenzen eingeschränkt wird. Für Fußballbegeisterte gilt diese Regelung nicht. Die obersten Richter Deutschlands beantworteten somit die immer gern gestellte Frage eindeutig, ob denn Fußball nicht auch eine Art Religion sei.

Nein, der Fußball ist keine Religion und genießt daher auch nicht den besonderen Schutz durch das Grundgesetz. Dabei gibt es unbestritten viele Ähnlichkeiten zwischen Fußballspielen und Gottesdiensten, angefangen bei den immer wiederkehrenden Ritualen, die Verlässlichkeit und Halt geben, über die gemeinsamen Gesänge, die ein Bekenntnis sind und gleichzeitig ein Gemeinschaftsgefühl herstellen, bis hin zu der Tatsache, dass auch die Gottesdienste als Spiel bezeichnet werden können. Der Philosoph Romano Guardini hat diesen Aspekt bereits vor über 100 Jahren in seinem Buch „Vom Geist der Liturgie“ entfaltet. Sogar in der Sprache klingen manche Begriffe ähnlich, wenn zum Beispiel vom „Pokalfinale“ oder „Pontifikalamt“ die Rede ist.

Zwischen Religion und Fußball besteht jedoch ein wesentlicher Unterschied. Beim Fußball bleibt alles im menschlichen Bereich stecken, selbst wenn man Fußballspieler oder Trainer vergöttert. Die Erfahrung von Gemeinschaft und Sinn beschränkt sich auf das Stadion. Ich kann an einen Fußballverein glauben, helfen wird er mir nicht. Und auch der Fußballgott bleibt im Stadion. Meine persönlichen Probleme interessieren ihn nicht. Die Religionen verweisen auf einen Gott außerhalb ihrer selbst. Sie können ihn nicht machen. Die Religionen helfen dem einzelnen, auf persönliche Art Gott zu suchen, und sie schließen gleichzeitig die einzelnen Gottsuchenden zur Gemeinschaft zusammen. Der Gott der Religionen geht mit jedem einzelnen nach Hause – auch wenn er einsam und traurig ist. Er geht sogar mit in das Stadion, wenn wir Fußball mögen, denn er ist immer da. Die Religionsfreiheit hat einen so hohen Wert, weil sie die tiefsten Schichten des Menschen anrührt und weil nichts und niemand dem Menschen die Begegnung mit Gott nehmen soll.

Ich möchte nicht Fußball und Religion gegeneinander ausspielen, aber ins rechte Verhältnis setzen. Der Ball ist rund, sagt der Fußballfan. Der Himmel ist offen, sagt der Gläubige. Vielleicht eröffnet sich dem Fan eine neue Dimension, wenn er den Ball in den Himmel schießt. Der Gläubige wird den Ball jedenfalls aufnehmen, wenn er ihn auf sich zufliegen sieht.