1. NRW
  2. Städte
  3. Grevenbroich

Grevenbroich, deine schrillsten Bänke

Die ungewöhnlichsten Sitzgelegenheiten der Stadt : Grevenbroich, deine schrillsten Bänke

Von grell leuchtenden Sitzgelegenheiten im Stadtpark bis hin zur neuen „Baumelbank“ in Frimmersdorf: Die Stadt hat so einiges zu bieten, wenn es um Sitzbänke geht. Ein Überblick.

Über die Frage, ob es genug Sitzgelegenheiten im öffentlichen Raum in Grevenbroich gibt, lässt sich streiten. Eines ist aber gewiss: Die Stadt ist reich an „kuriosen“ Sitzbänken, die auffallen – wegen ihres Standorts oder ihrer Gestaltung. Seit einigen Tagen sind die leuchtenden Sitzbänke im Stadtpark eines der Gesprächsthemen in Grevenbroich. Dabei handelt es sich um Sitzgelegenheiten, die bei Dunkelheit grell leuchten und so zu Hinguckern werden. Sie stammen aus der Werkstatt des Meerbuscher Lichtdesigners Bernd Spiecker.

Doch das sind nicht die einzigen „besonderen“ Sitzbänke im Stadtgebiet: So meldet der Obst- und Gartenbauverein in Frimmersdorf die Installation der ersten „Baumelbank“. Um den Park am Ehrenmal im Dorf aufzuwerten, hat der Verein insgesamt drei neue Sitzgelegenheiten aufgestellt – darunter eine, die gar die Muskulatur zur Stärkung anregen soll, wie es Hubert Nellen vom Verein erklärt: „Die ,Baumelbank’ ist so gestaltet, dass die Beine während des Sitzens den Boden nicht berühren.“ Dadurch trete eine „gelenkschonende“ Wirkung an den unteren Extremitäten, der Knie- und Sprunggelenke, ein.

 Die rote Bank nahe des Ettl-Rads.
Die rote Bank nahe des Ettl-Rads. Foto: Wiljo Piel
  • Standort geht am 30. September vom Netz : Kraftwerker sagen Tschüss zu Frimmersdorf
  • Stadtmitarbeiterin Natalie Enneper auf der neuen
    Solar-Sitzbänke in Radevormwald : Auf diesen Bänken kann man auch Handy und Tablet aufladen
  • Ursula Mahler und Michael Scholz vom
    Grünanlage in Radevormwald : Fördermittel sollen Park verschönern

Finanziert wurde die außergewöhnliche Bank in Frimmersdorf durch eine Spende der Sparkasse. Außerdem hat die Schreinerei Knabben mit witterungsbeständigen Holzplanken einen Beitrag für die Bestückung der Stahlgestelle geleistet. Die Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins engagieren sich ehrenamtlich für ihren Ort – so wie viele andere Bürger in ihren Stadtteilen. Auch die Mitglieder des Verkehrsvereins packen kräftig mit an, wenn es etwa um die Grünpflege geht. In „ihren“ Bereich fällt auch der Ian-Hamilton-Finaly-Park nahe des Alten Schlosses.

Auch dort befindet sich eine bemerkenswerte Bank, die steinerne Bank am Erftkolk. Darin eingraviert ist ein Aphorismus, eine Art Lebensweisheit, die der Franzose Hérault de Séchelles im 18. Jahrhundert dichtete. Er wurde zu Zeiten der Französischen Revolution hingerichtet. Die Bank trägt die Inschrift „Gesellschaft heilt Stolz & Einsamkeit heilt Eitelkeit“.

 Die leuchtenden Sitzbänke im Stadtpark.
Die leuchtenden Sitzbänke im Stadtpark. Foto: Wiljo Piel/wilp

Wiederum um ein Kunstwerk handelt es sich bei einer anderen, bemerkenswerten Sitzgelegenheit, die sich im Garten des Grevenbroicher Ständehauses befindet: der „Thron des Arbeiters“. Dabei handelt es sich um ein Werk des Künstlers Anatol, das er im Jahr 1993 schuf. Es gilt als Erinnerung an die Arbeiter im Preußen des 19. Jahrhunderts, die wegen des Dreiklassenwahlrechts damals nur wenige politische Rechte hatten. Der Künstler Anatol Herzfeld, der im Mai 2019 starb, hatte den Beruf des Schmieds gelernt. Zahlreiche Kunstwerke im Stadtgebiet stammen aus seiner Werkstatt. Den „Thron des Arbeiters“ wählen aber nur wenige tatsächlich als Sitzplatz: weil das Kunstwerk recht versteckt liegt, weil es nur einem einzelnen Menschen Platz bietet und weil es sich ohnehin besser etwa als Fotomotiv eignet.

 Der „Thron des Arbeiters“ von Anatol.
Der „Thron des Arbeiters“ von Anatol. Foto: Lena Steffens

Mehreren Menschen hingegen bieten Bänke Platz, die die Stadt vor wenigen Jahren in den kleinen Orten Busch und Gubisrath aufstellen ließ. „Mitfahrerbänke“ laden dort zum Warten auf eine Mitfahrgelegenheit ein. Mit kleinen Ortstafeln können dort Wartende Autofahrern anzeigen, in welche Richtung sie fahren wollen. Wer dort sitzt, muss hoffen, dass er mitgenommen wird. Ein Ziel ist beispielsweise „Grevenbroich Markt“. Die Idee dahinter ist eine Art Modernisierung dessen, was früher als Trampen bekannt war: Die Bürger in den kleinen Orten sollen sich gegenseitig helfen und wenn möglich diejenigen mitnehmen, die dort warten.

Noch ansehnlicher als die Landschaft um die „Mitfahrerbänke“ ist die um die knallrote Sitzbank an der Mäanderinsel im Stadtpark, die zum Verweilen mit Blick auf das ebenfalls knallrote Schaufelrad des Künstlers Georg Ettl einlädt. Das Schaufelrad stammt aus dem Jahr 1995, dem Jahr der Landesgartenschau in Grevenbroich. Wer dort Platz nimmt, hat einen guten Blick auf die Landschaft direkt an der Erft. Erreichbar sind Kunstwerk und Sitzbank über die Wege im Park, die auch an der Apfelwiese vorbeiführen.