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Grevenbroich: CDU-Austritt nach 56 Jahren

Politik in Grevenbroich : Austritt aus der CDU nach 56 Jahren

Das politische Urgestein Hans Hammelstein ärgert sich über die Union. Er hat seine Austrittserklärung am Freitag formuliert – der ehemalige Ratsherr aus Elsen hat mit der CDU gebrochen.

Der Partei, der er seit 1964 angehört, die ihm zur 50-jährigen Mitgliedschaft eine Goldene Nadel ans Revers heftete und für die er so manchen Erfolg im Grevenbroicher Stadtrat erfochten hatte. Die heute selbstverständliche Verlängerung des Bahnhofstunnels zur Merkatorstraße zählt zu seinen „Erfindungen“ – nur ein Beispiel.

Doch jetzt hadert er heftig mit seiner politischen Heimat: „Das war es jetzt, endgültig, ich gebe mein Parteibuch zurück“, betont das politische Urgestein, das auch nach seiner langjährigen Ratsarbeit immer noch „Kanaldeckel-Politik“ betrieb und auf Missstände hinwies, die ihm auffielen. So setzt er sich bereits seit gut einem Jahr hartnäckig dafür ein, dass das Parkverbot unmittelbar hinter dem Torbogen des Alten Schlosses aufgehoben werden soll. Die acht Parkplätze – so meint Hammelstein – sollten Besuchern des Schlossbades zur Verfügung gestellt werden, die nicht mehr so gut zu Fuß sind und die die vorhandenen Stellflächen für behinderte Menschen nicht nutzen dürfen.

Genau an diesem Thema macht er jetzt sein an die CDU-Parteispitze verfasstes Kündigungsschreiben fest. Denn Hans Hammelstein hatte seine Anregungen in Form eines Bürgerantrags gegossen, der am Donnerstag Abend den Mitgliedern des Bauausschusses vorgelegt wurde. Doch der folgte – nach einer Ortsbesichtigung am Torbogen – ohne große Diskussion der Empfehlung der Stadtverwaltung, die das Hammelstein-Begehren ablehnte.

Dass die Abfuhr politisch einstimmig erteilt wurde, ärgert den bald 84 Jahre alt werdenden Mann vom Berger Busch. Denn eigentlich sei ihm von CDU-Seite signalisiert worden, seinen Antrag mittragen zu wollen. „Doch leider wurde ich einmal mehr im Stich gelassen“, sagt Hans Hammelstein und kritisiert: „Offenbar ist man an bürgernaher Politik nicht mehr interessiert.“

Als er vor einem Jahr seinen Antrag stellte, war der 83-Jährige davon überzeugt, etwas Gutes für Senioren tun zu können – heute ist er es um so mehr. Denn Hammelstein ist nach einer Operation zurzeit auf Gehhilfen angewiesen, muss regelmäßig zu Therapiesitzungen ins Hallenbad. Den – wie der meint – „viel zu langen Weg von der Spielspinne bis zum Schloss“ werde er nicht entlang humpeln. Der streitbare Ex-Ratsherr stellt daher sein Auto demonstrativ dort ab, wo das Parken verboten ist.

Der städtische Dezernent Florian Herpel hat ihn am Freitag persönlich per E-Mail angeschrieben und Hammelstein den Beschluss des Bauausschusses mitgeteilt – mit dem Hinweis darauf, dass es im Umfeld des Bades zahlreiche Stellplätze gebe, die fußläufig in kurzer Zeit zu erreichen seien. Etwa die an der Karl-Oberbach-Straße. „Ein Witz“, sagt der 83-Jährige. „Da müssten Bad-Besucher neben dem Eintritt auch noch Parkgebühren zahlen.“