Grevenbroich: Caritas-Aktion für preiswerten Wohnraum

„Zimmer auf der Straße“ : Appell für mehr preiswerten Wohnraum in Grevenbroich

Mit einem „Zimmer auf der Straße“ macht der Caritasverband  auf ein Problem aufmerksam: In Grevenbroich fehlt es an preiswertem Wohnraum. Für viele Menschen wird es immer schwieriger, eine bezahlbare Bleibe zu finden.

Die gemütliche Couch mit dem Beistelltisch, der Lampe und dem kleinen Sideboard zog am Dienstag die Blicke vieler Innenstadt-Passanten auf sich. Mit diesem „Zimmer auf der Straße“ machte der Caritasverband im Rhein-Kreis Neuss auf ein Problem aufmerksam, das längst auch Grevenbroich erreicht hat: „Bezahlbarer Wohnraum wird zunehmend zur Mangelware“, sagt Geschäftsführer Norbert Kallen.

Eine aktuelle Studie, die vom Institut Ipsos im Auftrag des Deutschen Caritasverbandes erstellt wurde, zeigt auf, wie knapper Wohnraum und steigende Mieten tief in das Leben vieler Menschen eingreifen. In die Höhe schnellende Wohnkosten bewerten 79 Prozent der Befragten als erhebliches Armutsrisiko. 77 Prozent sehen demzufolge die Entwicklung von Kindern beeinträchtigt. Hohe Mieten führen für drei Viertel der Befragten zu einer räumlichen Trennung von armen und reichen Menschen und begründen die Gefahr von Obdachlosigkeit.

Zwar bietet die Caritas ihre Hilfe an – doch diese Arbeit wird immer schwieriger, weiß Jürgen Maukel. „Es fehlen sowohl Ein- als auch Mehrpersonen-Wohnungen, die von unserem Klientel bezahlt werden können“, berichtet der Mitarbeiter der Wohnungslosenhilfe an der Bergheimer Straße. Rund 150 Menschen sind aktuell bei der Caritas in Grevenbroich gelistet, die zwar eine Postadresse, jedoch keinen Briefkasten haben. „Ein Indiz für Wohnungslosigkeit“, sagt Maukel. In Notfällen bringt die Caritas ihre Klienten – oft Menschen mit Existenz-, Trennungs- oder Scheidungsproblemen – im städtischen Obdach am Rittergut in Noithausen unter – so lange, bis dass sich etwas Passendes findet. Doch die Erfahrung des Wohlfahrtsverbandes: „Wer diese Adresse einmal hatte, hat es noch schwieriger, einen normalen Wohnraum zu finden.“

Steigende Mieten und Wohnungsknappheit treffen nicht nur Menschen mit geringem Einkommen. Auch Krankenschwestern, Polizisten oder Erzieherinnen spüren laut Caritas ganz deutlich, dass bezahlbarer Wohnraum mittlerweile Mangelware ist. Das „Zimmer auf der Straße“ war denn auch ein Appell an Wohnungsbaugesellschaften und Politiker – die einen sollen mehr preisgünstigen Wohnraum zur Verfügung stellen, die anderen dafür sorgen, dass er geschaffen wird.

Nach einem Gutachten, das der Rhein-Kreis in Auftrag gegeben hat, fehlen bis zum Jahr 2030 rund 1800 Wohnungen im Stadtgebiet. Vor diesem Hintergrund hat die SPD nach ihrer jüngsten Klausurtagung zum Haushalt 2019 gefordert, dass sich die Stadt aktiv mit anderen Partnern um mehr bezahlbaren Wohnraum kümmern soll. Bei Bebauungsplänen für Neubaugebiete soll künftig ein Anteil von geförderten Wohnungen festgelegt werden – als Nenngröße schlägt Fraktionsvorsitzender Horst Gerbrand 30 Prozent vor. Darüber hinaus soll sich die Stadt darum bemühen, etwa mit Rommerskirchen, Bedburg oder Neuss eine „Gesellschaft für den Wohnungsbau“ zu gründen.

Auch Martina Suermann (Mein Grevenbroich), die sich am Dienstag gemeinsam mit Vertretern der Stadtverwaltung im „Zimmer auf der Straße“ aufhielt, fordert mehr Engagement für preiswerten Wohnraum. „In Grevenbroich gibt es viele leer stehende Immobilien. Wir müssen die Eigentümer dafür gewinnen, diese Wohnungen bezahlbar für Familien, alte und einkommensschwache Menschen zur Verfügung zu stellen“, sagt Suermann. Ihr Vorschlag: ein Netzwerk für preiswerten Wohnraum.

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