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Grevenbroich: BUND pflegt 120 Gehölze auf der Obstbaumwiese der Stadtparkinsel

Natur in Grevenbroich : Obstbäume belohnen den mutigen Schnitt

Der Grevenbroicher BUND pflegt die 120 Gehölze auf der Obstbaumwiese der Stadtparkinsel. Wegen der Pandemie bleiben die Naturschützer unter sich. Es gibt keine Kurse für Hobby-Gärtner. Gesucht werden weitere Baumpaten.

Seit 2008 gehört es in November alljährlich zu den liebgewordenen Aufgaben der Ortsgruppe Grevenbroich im Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND), den pflegerischen Baumschnitt auf der Obstwiese der Stadtparkinsel vorzunehmen.

Im Rahmen der Landesgartenschau 1995 war die rund 10.000 Quadratmeter große Wiese als Ansammlung von Obstbäumen angelegt worden. 2008 übernahm der BUND die Aufgabe der Baumpflege im Rahmen eines Pflegevertrags von der Stadt Grevenbroich, die gerne auf die ehrenamtliche Unterstützung zurückgriff, wie der Vorsitzende der Ortsgruppe, Rolf Behrens, berichtet. Gemeinsam mit seiner Frau Vera und der Ratsfrau Renate Steiner hat er sich frühmorgens an der Obstwiese eingefunden, um die Baumschnittarbeiten und eine Aktion der Volksinitiative Artenvielfalt vorzubereiten.

In normalen Zeiten verbindet der BUND die Baumpflege mit drei- bis vierstündigen Kursen, in denen Gartenbesitzer den richtigen Baumschnitt ihrer Obstbäume erlernen können. „Das machen wir seit zehn Jahren“, weiß Behrens, „seitdem haben wir rund 500 Interessierte unterrichten können.“ In diesem Jahr bleiben coronabedingt die BUND-Mitglieder unter sich. Mit sechs bis acht Mitstreitern rechnet Behrens, während er den ersten prüfenden Blick über die Bäume schweifen lässt.

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„Rund 120 Obstbäume haben wir hier auf der Wiese. Platz ist für 200.“ Zu 90 Prozent seien es Apfelbäume, meist einheimische, alte Sorten, beispielsweise die Rheinische Schafsnase, der Klarapfel, der Rheinische Borkapfel oder der als Weihnachtsapfel bekannte, dunkelrote Paradiesapfel. „Viele Bäume wurden zur Landesgartenschau gepflanzt“, sagt Behrens. „Es gibt aber auch ältere Bäume und in jedem Jahr Neuanpflanzungen.“ Das ermögliche ihm und seinen Freunden, den Baumschnitt an unterschiedlich alten Bäume zeigen zu können. „Ein junger Baum muss mehr in Form geschnitten werden als ein älterer.“ Die Erfahrung lehre, dass ein Apfelbaum umso mehr Ertrag liefert, je häufiger er bearbeitet wird. Nach zehn Jahren hat er seien richtige Ertragsreife erreicht. Bis zu diesem Zeitpunkt muss er „erzogen“ werden. Rund 80 Jahre alt wird ein Apfelbaum. „Ohne Schnitt würde er nach 40 Jahren vergreisen“, sagt Behrens.

In aller Regel würden Gartenbesitzer Apfelbäume anpflanzen, um eine Ernte zu erzielen. „Um vernünftige Früchte zu erzielen, ist Licht erforderlich“, erklärt Behrens, während er resolut mit einer Astschere einen Ast entfernt. „Hochaufragende Wasserschosser, die am letztjährigen Schnitt wachsen, müssen auf jeden Fall weg.“ Auch fallen alle Äste der Schere oder gar der Säge zum Opfer, die ins Innere des Baumes wachsen.

Die alte Faustregel hat immer noch Bestand: Durch das Astwerk muss man einen Hut werfen können. Viele Gartenbesitzer gingen zu zaghaft und zögernd ans Werk, hat Behrens erkannt. „Lieber falsch machen, als nichts machen“, sagt er ebenso wie: „Besser schneiden als nichts tun.“

Über noch mehr Pflegearbeit auf der Obstwiese würden sich die BUND-Mitglieder nicht beklagen. Für den Austausch abgestorbener Bäume oder von Neuanpflanzungen werden Paten gesucht. „Mit 100 Euro kann jeder Pate eines neuen Apfelbaumes auf der Stadtparkinsel werden“, so Behrens. Jeder Pate könne sich seinen eigenen Apfelbaum auswählen. „Es gibt noch viele alte Arten, denen wir durch eine Patenschaft hier eine Heimat geben könnten.“ Selbstverständlich könnte jeder, ob Pate oder Besucher des öffentlichen Parks, reife Früchte von den Bäumen pflücken. „Sie sollten es nur nicht übertreiben oder gar Äste abreißen“, mahnt Behrens. Er beobachtet seine Mitstreiter, die routiniert und mit Entschlossenheit beim Baumschnitt zu Werke gehen.

Dieser Samstag eignet sich bestens für die Aktion. Es ist frostfrei und trocken. „So können die Schnittstellen keine Schäden erleiden.“ Gerne hätten die BUND-Mitglieder ihr Wissen an andere weitergegeben. Aber was nicht ist, kann ja im nächsten Jahr sein, wenn im November der BUND-Ortsgruppe erneut zu einem Lehrgang für den fachgerechten Baumschnitt auf der Obstwiese einladen wird.