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Grevenbroich: Bringt Dorfverein den Bahnhof voran?

Bahnsteig in Gustorf soll verlegt werden : Bringt Dorfverein den Bahnhof voran?

Woran sich Politik und Verwaltung seit Jahren die Zähne ausbeißen, könnte ein kleiner Dorfverein schaffen. Bahn AG und VRR zeigen großes Interesse an der von Gindorf e.V. vorgeschlagenen Verlegung des Gustorfer Bahnsteigs.

Schon wieder eine Absage: Die Deutsche Bahn hat der Stadt erneut mitgeteilt, dass sie in den nächsten Jahren keine Sanierung des maroden Bahnhaltepunkts in Gustorf plant. Das teilte Florian Herpel jetzt dem Bauausschuss mit. Aber: Möglicherweise könnte sich im Rahmen des Bundesköniginnentages, der im Mai 2021 in Gindorf gefeiert wird, etwas in dieser Sache bewegen, deutete der Technische Beigeordnete an.

Der Gustorfer Bahnsteig soll zur Ladestraße verlegt werden, schlägt der Dorfverein Gindorf e.V. vor. Vertretern von Bahn AG und VRR wurde das Vorhaben jetzt vorgestellt. Foto: Gindorf e.V.

In der Tat: Der Verein Gindorf e.V. hat einen Plan entwickelt, der den seit Jahren beklagten Zustand lösen könnte. Er schlägt vor, den Bahnsteig nicht zu sanieren, sondern ihn parallel zur neu gestalteten Ladestraße zu verlegen. Befürworter dieses Konzepts ist die örtliche Sebastianus-Bruderschaft, die sich wünscht, dass dieses Projekt schon 2021 umgesetzt werden könnte. Denn viele der bis zu 4000 Schützen werden sicher mit der Bahn zur Großveranstaltung anreisen.

Diesen Vorschlag haben die beiden Vereine – unterstützt von Bürgermeister Klaus Krützen – den Verantwortlichen des ÖPNV zugesandt. Und sie sind dort auf Interesse gestoßen. Das wurde jetzt bei einem Ortstermin deutlich, an dem Vertreter der Bahn AG und des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) teilnahmen. Fazit des Gesprächs auf der Ladestraße: Aus der Bahnsteig-Verlegung könnte was werden.

„Zwar nicht bis zum Bundesköniginnentag“, sagt Klaus Krützen. „Aber perspektivisch wurden uns Möglichkeiten aufgezeichnet, wie ein solches Vorhaben in den nächsten Jahren realisiert werden kann.“ Konkreter Vorschlag: Die Stadt soll das Konzept von Gindorf e.V. beschreiben, es an die Bahn AG weiterleiten, die daraus einen Förderantrag an den VRR formulieren wird. „Projekte wie dieses werden mit bis zu 92,7 Prozent bezuschusst“, sagt Holger Kremer, Vorstandsvorsitzender des Dorfvereins.

Ziel ist es, in den Förderkatalog 2021 des Verkehrsverbundes aufgenommen zu werden. Bis zur Realisierung des Vorhabens könnte es zwar vier oder einige Jahre mehr dauern – aber: „Immer noch besser, als darauf zu warten, dass Gustorf endlich in das Bahnhofssanierungs-Programm aufgenommen wird“, sagt Kremer. Vor 2030 ist damit ohnehin nicht zu rechnen.

Der derzeitige Bahnsteig ist vor allem für ältere Menschen oder Gehbehinderte eine Qual. Der extreme Höhenunterschied zwischen Gleis und Bahn könnte durch eine Verlegung behoben werden, meint Gindorf e.V.; dafür seien nur leichte Eingriffe ins Gelände nötig. Zudem hätte die mit Bäumen, Laternen und Bänken ausgestattete Ladestraße einen zusätzlichen Charme für die Fahrgäste: „Sie könnten im Grünen aussteigen“, sagt Kremer.

Was den Königinnentag betrifft: „Zwar können wir nicht einschätzen, wie viele Besucher mit der Bahn anreisen werden. Wir gehen aber davon aus, dass zahlreiche Gäste den Personennahverkehr nutzen werden“, sagt Brudermeister Robert Hoppe. Bei Bahn und VRR hat er angeregt, zusätzliche Züge und Einweisungspersonal einzusetzen. „Da bin ich nicht auf taube Ohren gestoßen“, meint der Schützen-Chef.