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Grevenbroich: Bock "Benno" und sein einsamer Kampf gegen Müll

Problem mit Abfall in Grevenbroich : Schafbock „Benno“ und sein einsamer Kampf gegen Müll

Schafbock Benno war Maskottchen der „Null Bock auf Dreck“-Aktion, die die Stadt 2004 ins Leben rief, um zu umweltfreundlichen Verhalten anzuhalten. Was aus der Werbeaktion, aus Benno und dem Müllproblem geworden ist.

Völlig verdreckt präsentierte sich kürzlich wieder der Randstreifen der Konrad-Zuse-Straße im Gewerbegebiet Kapellen, und die Zahl der Müllkippen, die die Stadt beseitigen muss, hat in der Pandemie deutlich zugenommen. Wenn das „Benno“ wüsste. Wer das ist? So hieß ein Heidschnucken-Bock im Tiergehege im Bend mit Nebenjob. Benno war Maskottchen der Aktion „Null Bock auf Dreck“. Die hatte die Stadt ins Leben gerufen, um für ein sauberes Stadtbild zu werben – das war 2004. Ein Flyer wurde damals erstellt, den Ordnungsamt-Mitarbeiter mit auf „Streife nehmen sollten. Zudem wurden blaue Schilder mit Benno aufgestellt. Umweltsünder, die etwa eine Zigaretten-Kippe auf den Bürgersteig geschnippt hatten, sollten zunächst ermahnt und im Folgejahr mit empfindlichen Verwarngeldern zur Kasse gebeten werden.

Als Sympathieträger sollte Benno fürs umweltfreundliche Verhalten werben, doch so richtig Bock auf den Bock hatte die Stadt offensichtlich nicht. Die unter Bürgermeister Axel Prümm gestartete Aktion mit dem Schaf geriet in Vergessenheit. Um Benno wurde es still. An der Zufahrt zum Kloster Langwaden ist allerdings noch eines der alten Schilder zu finden, auf dem der verhärmt wirkende Benno mahnend eine Vorderpfote hebt. Ein einsamer Rufer in der Wüste. Im Rathaus wusste Stadtsprecher Lukas Maaßen auf Anhieb mit der Aktion und dem wolligen Maskottchen nichts anzufangen, er ist erst seit 2020 bei der Stadt. Doch er erkundigte sich und erfuhr, dass die Heidschnucke längst nicht mehr lebt. Das Müllproblem ist dagegen geblieben, in Teilen sogar größer geworden. „Leider werden die wilden Müllkippen seit Beginn der Corona-Pandemie mehr – das beobachten unsere Stadtbetriebe, die sie beseitigen.“ Die Bandbreite reiche von Altreifen bis hin zu Renovierungsmüll, Verursacher konnten 2021 nicht ermittelt werden. „Die wilden Müllkippen schaden nicht nur unserer Umwelt, sondern können unter Umständen auch spielende Kinder gefährden“, betont Maaßen. Zudem würden sie die Allgemeinheit belasten, schließlich würden für die Beseitigung der Kippen jährlich circa 67.000 Euro anfallen. Vor der Pandemie kam die Stadt mit 40.000 bis 50.000 Euro im Jahr aus.

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Nicht nur die „großen“ Müllsünden verschandeln die Landschaft, sondern – wie schon ein kurzer Spaziergang beweist – auch weggeworfene Zigarettenkippen, Flaschen, Kartons und Fast-Food-Verpackungen – wie schon 2004. Gemäß des Ziels der „Null-Bock“-Aktion sind die Bußgelder recht empfindlich – fürs Wegwerfen einer Zigarettenkippe werden 20, auf Spielplätzen 30 Euro fällig. Allerdings wurden 2021 für solche kleineren Müllfrevel nur vier Verfahren mit zusammengerechnet gerade mal 208,50 Euro Bußgeldforderung – für weggeworfene Müllgegenstände oder Flaschen – abgeschlossen. Sogar fürs „Wildpinkeln“ wurde 2021 mehr erhoben – 350 Euro. „Unsere Mitarbeiter des Ordnungs- und Servicedienstes lauern nicht darauf, um Umweltsünder auf frischer Tat zu ertappen. Fällt ihnen ein solches Vergehen aber auf, werden sie tätig“, sagt Maaßen.

Eine andere Anti-Müll-Aktion, sogar noch älter als Benno, startet nach einjähriger Pandemie-bedingter Pause wieder: der Frühjahrsputz. Am Freitag und Samstag, 11. und 12. März, sollen Bürger, Gruppen und Vereine wieder Grünstreifen und Straßenränder vom Unrat befreien. Wer mitmachen will, kann sich ans Schneckenhaus wenden (02181 9199, E-Mail: Ralf.Dietrich@stadtbetriebe-grevenbroich.de). Doch vielleicht könnte die Stadt bei ihren Bemühungen für Sauberkeit wieder ein sympathisches Maskottchen brauchen. Ein neues, passendes Tier im Wildgehege dürfte sich finden lassen.