Grevenbroich: Besitzerwechsel im RichArt's

Ausgehen in Grevenbroich : Richard Hütches gibt Kult-Kneipe auf

Zwölf Jahre war er das Gesicht vom „RichArt’s“, nun hört er auf, mit 62. Die beliebte Gaststätte am Bahnhof bleibt den Grevenbroichern aber erhalten. Nachfolger Dietmar Schwing hat jetzt die Regie übernommen.

Ein bisschen wehmütig war er dann doch, als jetzt die Abschiedsparty in Saus und Braus gefeiert wurde – mit vielen Weggefährten und Freunden. Vor allem aber freut sich Richard Hütches auf seinen nächsten Lebensabschnitt. „Wer Gastronom ist, ist mit 62 ja so alt wie andere mit 65 Jahren“, meint er über biologisches und gefühltes Alter. „Es wurde mir einfach zu viel. Ich möchte nun nicht mehr an jedem Wochenende hier stehen.“ Vor allem, „weil ich mit meiner Frau Maren noch viel vor habe“, hängt er seinen Job als Gastgeber an den Nagel, er übergibt seine Kneipe, das nach ihm benannte „RichArt’s“ am Bahnhofvorplatz an seinen Nachfolger. Künftig will er mit seiner Maren reisen, kochen, Zeit verbringen.

„Dietmar Schwing und ich kennen uns seit 20 Jahren“, berichtet der scheidende Gastronom über den Neuen. „Es ist sein Lebenstraum, diesen Betrieb zu übernehmen.“ Vor fünf Jahren gab es schon mal ernstere Gespräche zum Thema. „Aber da fühlte ich mich noch zu jung“, sagt Richard Hütches. Wirklich und konsequent in Rente geht der Wahl-Grevenbroicher, der nach seiner Bundeswehrzeit in diesem „schönen kleinen Städtchen, diesem Dorf mit Charakter“ heimisch wurde, nicht ganz. Denn erstens behält Hütches – dessen Laufbahn mit einer Lehre als Konditor begann, der ein versierter Kampfsportler und niederländischer Shaolin-Kempu-Lehrer ist, außerdem die Berufe des Versieglers sowie des Sicherheitsdienstleisters erlernte – seine Dozententätigkeit an der IHK Duisburg als Sicherheitsexperte bei. „Und dem ‚RichArt’s’ bleibe ich auch noch beratend erhalten.“ Gastronomie sei eben mehr, als nur ein Bier zu zapfen. „Wer eine Fete veranstaltet, muss viel bedenken“, erzählt er mit Blick auf Dinge wie Gema-Gebühren und ähnliches.

Mit Elan organisierte der Fast-Pensionär gerade den nächsten Musikherbst, ein Markenzeichen im Veranstaltungsreigen des Lokals. „Bands finden, Termine ausmachen und Verträge abschließen, um all das habe ich mich gekümmert“. Lang ist die Liste (lokal-)prominenter Künstler, die im „RichArt’s“ auftraten.

„Zu einer meiner liebsten Erinnerungen gehört dabei Jürgen Zeltinger“, erzählt er über den selbsternannten „Asi mit Niveau“, der „supernett im Umgang war“. Nicht weniger lieb sind ihm „Last Order“ um seinen Freund Harry Zaudig, aber von er „wirklich langen Liste“ mag er niemanden heraus picken.„Ich bin immer gerne Gastgeber gewesen“, an 364 Tagen im Jahr war das Lokal geöffnet, unvergessen sind die Silvesterpartys, an die sich Hütches „gerne erinnert“ und vielen anderen Events. „Aber du musst auch immer am Ball bleiben, dich auf die Wünsche deiner Gäste einstellen.“ Irgendwann wurden also auch Cocktails ins Angebot aufgenommen oder die berühmten Flammkuchen, Kicker und Dart-Anlage gehören ebenso „zum Wohlfühlangebot der Gäste“.

Natürlich war das Leben eines Gastronoms nicht nur Friede-Freude-Eierkuchen, das sogenannte Nichtrauchergesetz war ein markanter Einschnitt. Damals betrieb er noch das „Telegraaf“, für das dann die Raucher-Club-Ausweise ausgestellt wurden. Außerdem wurde eine beheizte Hütte als Raucher-Pavillon aufgestellt, „das war alles eine große Umstellung“. Aber auch, wenn konzeptionell immer mal was Neues an den Start gebracht werden musste oder behördliche Verordnungen dazu zwangen, „es hat immer Spaß gemacht“, erzählt er über den Umgang mit Besuchern. Ab sofort wechselt er die Seiten: Jetzt steht er nicht mehr hinter dem Tresen. Nun nimmt er auf der Seite davor Platz.