Grevenbroich hat neuerdings einen „Bus-Bahnhof“ Folgen der Bahn-Baustellen beschäftigen jetzt auch den NRW-Verkehrsminister

Grevenbroich · Grevenbroich ist baustellenbedingt seit dem Wochenende weitgehend vom Zugverkehr abgeschnitten. Fahrgäste aller Linien müssen auf Busse umsteigen. Politiker bemängeln die Informationspolitik. Inzwischen hat sich auch der Konzernbevollmächtigte geäußert.

 Wer mit der Bahn ab Grevenbroich etwa nach Mönchengladbach oder Neuss fahren möchte, muss auf den SEV umsteigen.

Wer mit der Bahn ab Grevenbroich etwa nach Mönchengladbach oder Neuss fahren möchte, muss auf den SEV umsteigen.

Foto: Georg Salzburg (salz)

Die Bauarbeiten auf den Gleisen rund um Grevenbroich lassen den Politikern keine Ruhe. Seit dem vergangenen Wochenende ist die Schlossstadt nahezu vollständig vom Zugverkehr abgeschnitten. Lediglich die Züge der Linie RB39 verkehren noch – das allerdings nur zwischen Grevenbroich und Bedburg. Für alle anderen Ziele (Mönchengladbach, Köln, Neuss) müssen Fahrgäste auf Busse umsteigen. Seit Montag wirkt sich das auch auf Berufspendler aus. Die Fahrzeiten verlängern sich um bis zu 50 Minuten.

Die Grevenbroicher Grünen üben Kritik an der Informationspolitik der Bahn. Sie bemängeln, dass Fahrgäste nicht ausreichend gut informiert worden seien – und haben nun NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (ebenfalls Grüne) in der Sache eingeschaltet. „Die Bitte lautet, sich stark zu machen für Durchsagen im Zug und gut sichtbare Hinweise frühzeitig in der DB-Navigator-App“, heißt es in einer Presseerklärung, die die Grevenbroicher Grünen nun verschickt haben.

Die Partei hatte zuvor die DB um Stellungnahme gebeten und Antworten aus dem Büro des Konzernbevollmächtigten für NRW, Werner Lübberink, erhalten. Antworten auf ihre Fragen haben darüber hinaus die Landtagsabgeordneten Heike Troles (CDU) und Simon Rock (Grüne) erhalten. Und auch die SPD hatte Lübberink in Bezug auf die parallel laufenden Bauarbeiten im Raum Grevenbroich angeschrieben. Die Politiker hatten fehlende Informationen und den Zeitpunkt der Bauarbeiten kritisiert, und dies mit der Bitte verbunden, Baustellen künftig so zu planen, dass (so hatte es Daniel Rinkert von der SPD ausgedrückt) „zumindest noch irgendwas“ ab Grevenbroich fährt.

Den Auskünften aus dem Büro des Konzernbevollmächtigten zufolge sei die Öffentlichkeit drei bis vier Wochen vor Baustellenbeginn über die „bewährten Kommunikationsplattformen“ informiert worden. Beispielhaft werden Aushänge, E-Mail-Newsletter, die Webseite der Bahn, die Plattform zuginfo.nrw sowie die Navigator-App genannt. Detlef Flintz von den hiesigen Grünen fordert die Bahn auf, sich künftig mehr Gedanken darüber zu machen, auf welchem Wege Fahrgäste informiert werden. „Anzunehmen, die Leute würden Newsletter lesen oder ,Zuginfo NRW‘ abonnieren, ist die falsche Einstellung. Das ist keine Holschuld der Fahrgäste, sondern eine Bringschuld der Bahn“, kritisiert er. Flintz selbst war erst Anfang des Monats durch Zufall auf die Bauarbeiten und deren Folgen aufmerksam geworden.

Aus den Unterlagen, die auch unserer Redaktion vorliegen, geht hervor, dass anstehende Einschränkungen im Bahnverkehr schon im Juli 2022 bekannt gewesen sein müssen. „Bei zukünftigen Baumaßnahmen der Deutschen Bahn sollten zumindest die Ersatzfahrpläne zügiger festgelegt werden. Das ist das Mindeste, was die Fahrgäste erwarten können, um frühzeitig die Auswirkungen auf ihren Alltag planen zu können. Die wenigsten Fahrgäste dürften sich über Newsletter der Bahn informieren. Und kein normaler Fahrgast ruft proaktiv die Webseite der Bahn auf, um nach möglichen Streckensperrungen zu recherchieren“, sagt der Landtagsabgeordnete Simon Rock.

Die Bahn hat sich in den vergangenen Tagen auch gegenüber unserer Redaktion zu den Bauarbeiten auf der Strecke zwischen Kostenpflichtiger Inhalt Rommerskirchen und Mönchengladbach (Re8 und RB27) geäußert. So wird der Bahnsteig am Haltepunkt Rheydt-Odenkirchen umgebaut, und auch Instandhaltungsarbeiten am Oberbau (Schienen, Schwellen, Schotter) werden erledigt. Parallel laufen (wie berichtet) Gleisbauarbeiten zwischen Grevenbroich und Neuss, die die Züge der Linie RB39 betreffen. Wie eine Sprecherin mitteilte, versucht die DB Baumaßnahmen nach Möglichkeit zu bündeln, um die Betroffenheit und die Dauer für die Fahrgäste im hoch belasteten Streckennetz in NRW insgesamt gering zu halten.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort