Grevenbroich: Ausstellung erinnert an Pogromnacht vor 80 Jahren

Die Pogromnacht 1938 in Grevenbroich: Ausstellung erinnert an die „Nacht des Terrors“

Das Museum richtet einen lokalen Blick auf die Pogromnacht vor acht Jahrzehnten. Auch in Grevenbroich wüteten die Nationalsozialisten.

In der Ecke liegt ein Haufen Schutt. Angekokelte Bücher, verschlissene Koffer und verwitterte Fensterrahmen mit zerborstenen Scheiben türmen sich dort auf. Und ganz am Rande lugt eine alte Puppe aus den Trümmern hervor. Mit dieser aufwühlenden Installation erinnert die Künstlergruppe „Villa Erckens“ an die Pogromnacht vor 80 Jahren. Den davon ausgehenden Terror, der sich in alle Himmelsrichtungen ausbreitete, haben die Frauen mit roten Stoffbahnen symbolisiert, die sie „Leidenswege“ nennen – und „Blutlinien“.

Neil Theise aus den USA an einer Installation der Künstlergruppe „Villa Erckens“, die an die Pogromnacht vor 80 Jahren erinnert. Foto: Georg Salzburg(salz)

„Nacht des Terrors“ heißt die Ausstellung, mit der Museum, Geschichtsverein und Künstler den 9. November 1938 ins Gedächtnis rufen – als in Deutschland Synagogen und jüdische Geschäfte brannten, als Tausende Menschen verhaftet, misshandelt oder getötet wurden. „Auch in Grevenbroich wütete der Terror der Nationalsozialisten auf furchtbare Weise“, sagt Museumsleiter Thomas Wolff. Daran zu erinnern, ist Aufgabe der Ausstellung, die heute eröffnet wird.

„Nacht des Terrors“ wirft einen lokalen Blick auf die Geschehnisse vor acht Jahrzehnten. Sie nennt die Tatorte in Grevenbroich, Hemmerden oder Gindorf, schildert die Schicksale jüdischer Familien und beschäftigt sich mit der Aufbereitung der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft nach 1945.

Maßgeblich unterstützt von Ulrich Herlitz, dem Vorsitzenden des Geschichtsvereins, und dem Sammler Jürgen Larisch, wurden zahlreiche Exponate zusammengetragen, die an die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 erinnern. Darunter ein Fragment einer Thora-Rolle mit deutlich zu sehenden Wasserschäden. „Vermutlich handelt es sich um ein Teil der Thora-Rolle, die nach der Schändung der Grevenbroicher Synagoge in die Erft geworfen wurde“, sagt Ulrich Herlitz. Das Exponat wurde ihm „anonym über Dritte“ zur Verfügung gestellt.

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Auch eine auf der Innenseite mit Stahl verstärkte Haustür ist zu sehen. Sie stammt aus dem Nachlass der Hemmerdenerin Marianne Stern-Winter (1919–1998) und weist Spuren von Gewalt auf – die Beulen stammen von einer Axt, mit der sich SA-Männer Zutritt zum Haus der Familie verschaffen wollten. Ein kleiner Schuhlöffel mit Werbeaufdruck erinnert darüber hinaus an das Schuhhaus Jacoby, das die jüdische Familie Eichengrün einst an der Bahnstraße betrieb.

Zur Eröffnung der Ausstellung werden Holocaust-Angehörige der zweiten und dritten Generation, deren Vorfahren aus Hemmerden stammen, nach Grevenbroich kommen. „Die Besucher stammen alle großmütterlicherseits von der Familie Lazarus Winter ab. Alle Großeltern, aber auch Onkel und Tanten sind von den Nationalsozialisten ermordet worden“, schildert Ulrich Herlitz. Die Gäste sind Kinder und Enkel der Überlebenden Alfred und Walter Theisebach, Helmut Sachs und Sofie Aussen. Neil Theise, der in den USA lebt, war bereits am Donnerstag in der Villa Erckens und beobachtete interessiert den Aufbau der Ausstellung.

„Nacht des Terrors“ wird bis zum 3. Februar im Dachgeschoss der Villa Erckens zu sehen sein. In den nächsten Monaten werden Führungen und ein Rahmenprogramm – unter anderem mit einem Cello-Konzert – angeboten.

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