Grevenbroich: Aus Rock ’n’ Rollern wurden „Granufinken“

Mundart-Band aus Grevenbroich : Aus Rock ’n’ Rollern wurden „Granufinken“

Peter Kempermann, Josef Holzapfel und Theo Lys rockten in den 70ern die Festzelte. Jetzt stehen sie wieder gemeinsam auf der Bühne.

Wäre er noch Frontmann der Rabaue, hätte Peter Kempermann (67) jetzt jede Menge Stress. Mindestens acht Auftritte am Tag, hastend vom einen in den anderen Karnevalssaal – das ist vorbei, seitdem der Kapellener mit 65 in den Ruhestand getreten ist. Von der Musik und den „kölsche Tön“ hat sich „Kempes“ aber nicht verabschiedet, im Gegenteil: Gemeinsam mit seinen alten Freunden Peter Lys (67) und Josef Holzapfel (67) steht er wieder auf der Bühne, singt Krätzjer und andere Mundart-Stücke.

„Die fidelen Granufinken“ nennt sich das muntere Trio, frei nach einem Arzneimittel gegen Männerprobleme. „Der Name kommt nicht von Ungefähr“, sagt Kempermann und lacht. „Nach 30 Minuten Spielzeit müssen wir eine Pause einlegen, damit wir mal aufs Klo können. Das sollte das Publikum wissen.“ Mal übers eigene Alter lachen, das ist für die drei Musiker kein Problem.

Ihre neue Band, die bei Mundart- und Mitsing-Abenden auftritt, ist so etwas wie eine Wiedervereinigung. Denn Kempermann, Lys und Holzapfel kennen sich seit Jahrzehnten und haben schon in den 70er und 80ern gemeinsam Musik gemacht. „Team 74“ hieß ihre erste Gruppe, die Tanzmusik spielte, vorwiegend in Schützenzelten. Peter Lys – der eher konservative Part des Trios – stieg dann irgendwann aus, als die beiden Stones- und Beatles-Fans Peter Kempermann und Josef Holzapfel die Band „Sunrise“ gründeten, die auf rockigere Nummern spezialisiert war. „Wir waren die erste Gruppe in unserer Gegend, die englische Musik auf Schützenfesten spielte“, erinnert sich Holzapfel – und auch daran, dass das bei manchen Traditionalisten gar nicht gut ankam.

Nachdem sich Peter Kempermann hauptberuflich als Musiker in den Kölner Karneval stürzte, machten Peter Lys und Josef Holzapfel munter hobbymäßig weiter: Vor zehn Jahren hoben sie ihre Gruppe „Hart am Limit“ aus der Taufe, um ihren Idolen der 60er und 70er Jahre zu huldigen – nach wie vor treten sie damit vor einer treuen Fan-Gemeinde auf. Ihr großes Ziel, dass das alte „Team 74“ noch einmal zusammenfinden möge, ließen sie dabei aber nie aus den Augen.

Nun sind sie wieder zusammen – zwar unter neuem Namen, aber in alter Frische. „Wir machen jetzt Volksmusik und interpretieren kölsche Stücke von Willi Ostermann bis zu den Bläck Fööss“, beschreibt Peter Kempermann das Programm der neuen Band. Besonders gut gelingt das im Zusammenspiel mit dem Mundartdichter Willi Köhnen: Die Anekdoten, die das Grimlinghausener Urgestein vorträgt, untermalen die „Granufinken“ mit den dazu passenden kölschen Liedern. Abende wie diese stehen unter dem Motto „Us em Läve jejreffe“ und erfreuen sich bereits großer Beliebtheit.

Eine neue Reihe, die die Band etablieren möchte, heißt „Kumm los mer senge“, sie feiert am 8. Februar in Hülchrath Premiere. „Wir laden zum Mitsingen ins Sebastianushaus ein“, berichtet Peter Lys. „Die Texte werden mit einem Beamer auf eine Leinwand projiziert, so dass auch diejenigen teilnehmen können, die sich mit kölschen Liedern nicht so gut auskennen.“ Es ist durchaus vorstellbar, dass solche Abende künftig auch in anderen Dörfern angeboten werden. Ein Auftritt in der nächsten Feierabendmarkt-Saison ist bereits fest eingeplant.