Grevenbroich: Aufregung um verschwundenes Kreuz in Gindorf

Historisches Kleinod in Gindorf abgerissen : Späte Rettung für das Gindorfer Kreuz

Das alte Gindorfer Dorfkreuz ist von heute auf morgen verschwunden – und seitdem ist die Aufregung groß. Die gute Nachricht: Das historische Kleinod ist nicht nur gesichert worden, es hat sich auch jemand für die Sanierung gefunden.

Nicht nur einmal, sondern immer wieder hatte Reinhard Schleip auf den Missstand hingewiesen. Das alte Dorfkreuz, das auf seinem Grund und Boden an der Morkener Straße in Gindorf stand, war stark sanierungsbedürftig – und damit eine Gefahr, weil Teile abbrechen und jemanden verletzen könnten. „Zum Beispiel Kinder, die oft auf dem Altar herumgeturnt haben“, schildert Schleip. Jetzt hat er das Kreuz abbrechen lassen, um für Sicherheit zu sorgen. Seitdem ist die Aufregung im Dorf groß.

So sah es viele Jahre lang auf dem Eckgrundstück der Familie Schleip aus: Das alte Kreuz prägte das Bild an der Morkener Straße. Foto: Wiljo Piel

„Schon seit vielen Jahren versuche ich, Unterstützer für eine Sanierung zu finden. Aber weder von der Kirche noch von der Bruderschaft habe ich eine Rückmeldung erhalten“, bedauert Reinhard Schleip, dessen Familie sich an den Sanierungskosten beteiligen wollte. Zwar hatte Markus Schumacher, Chef der FDP-Fraktion, die Stadt im vergangenen Jahr aufgefordert, ein Konzept zum Erhalt des Kreuzes zu entwickeln und alle Beteiligten an den runden Tisch zu holen – allerdings vergeblich. Das historische Kleinod steht zwar schon seit mehr als 100 Jahren im Dorf, ist aber nicht denkmalgeschützt. Und daher fühlt sich die Kommune auch nicht zuständig. „Weil ich als Eigentümer des Grundstücks für Verkehrssicherung sorgen muss, blieb mir letztlich nichts anderes übrig als der Abriss“, bedauert Reinhard Schleip.

Das Dorfkreuz wurde auf dem Becker-Hof sichergestellt. Foto: Wiljo Piel

Am Montag ließ er das Kreuz von einer Firma abtragen, schon kurz darauf wurde es von vielen schmerzlich vermisst, manche wähnten es sogar schon im Container. Dass es soweit nicht kam, ist ein Verdienst des Vereins „Gindorf e.V.“, der zwei Tage vorher vom geplanten Abriss erfahren hatte und das Kreuz kurzerhand sicherstellte. „Wir haben es eingelagert“, sagt Vorstandsvorsitzender Holger Kremer. Auf dem Hof von Landwirt André Becker wartet es nun auf seine künftige Bestimmung – allerdings ohne den Betonaltar, der komplett marode und nicht mehr zu restaurieren war.

Da das Kreuz nach seinem Verschwinden plötzlich in aller Munde war, gibt es nun auch jemanden, der sich darum kümmern möchte – der Kirchenvorstand. „Wir wollen dafür sorgen, dass es mitsamt Inschrift wieder instand gesetzt wird“, berichtet die stellvertretende Vorsitzende Susanne Burckart. Frisch renoviert, soll es an alter Stelle wieder aufgebaut werden. Die Familie Schleip hat dafür einen Teil ihres Grundstücks zur Verfügung gestellt. Der dafür notwendige Beschluss muss vom Kirchenvorstand noch getroffen werden. Bis dahin bleibt das Kreuz auf dem Becker-Hof.

Auch die St. Sebastianus-Bruderschaft will sich an der Sanierung beteiligen. „Wir unterstützen das sehr“, sagt Brudermeister Robert Hoppe zur Initiative des Kirchenvorstandes von St. Maria Himmelfahrt. Schon in der Festschrift zu ihrem nächsten Broerfest wollen die Schützen die Geschichte des Dorfkreuzes aufarbeiten. „Wir haben viele historische Fotos, die dokumentieren, dass es schon immer in diesem Bereich gestanden hat – und dort soll es auch wieder hin.“

Die ganze Aufregung um das verschwundene Kreuz hätte gar nicht erst entstehen müssen, sagt Markus Schumacher. „Hätte die Stadt die Vereine und Gemeinschaften aus dem Ort frühzeitig an einen runden Tisch geholt und gemeinsam mit ihnen Fördermöglichkeiten ausgelotet, wäre das Problem gar nicht erst entstanden – und es wäre viel Ärger erspart worden“, meint der FDP-Politiker. Und er wird deutlich: „Das alles ist ein trauriges Ergebnis der Trägheit der Verwaltung.“

Obwohl es nicht unter Denkmalschutz steht und lediglich aus Beton gegossen wurde, ist das Kreuz von geschichtlicher Bedeutung für Gindorf. In einer von Conrad Sturm sen. geschriebenen Chronik, die das Dorfleben um 1920 dokumentiert, ist das Bauwerk an fast gleicher Stelle zu sehen. Es ist zum festen Bestandteil des Orts geworden.