Grevenbroich: Angst um Arbeitsplätze: Kraftwerker demonstrieren vor Werkstor

Mahnwachen im Rheinischen Revier: Kraftwerker demonstrieren vor Werkstor für ihre Arbeitsplätze

Revierweit ist es am Montagmorgen zu Mahnwachen an den Zufahrten von Kraftwerken und Tagebauen gekommen. Vor dem Werkstor in Neurath versammelten sich gegen 5 Uhr mehrere Hundert RWE-Mitarbeiter, um für die Braunkohleverstromung und die damit zusammenhängenden Arbeitsplätze zu kämpfen. Der Protest dauerte bis zum frühen Nachmittag an.

„Wir wollen nicht mehr die Füße stillhalten und uns alles gefallen lassen“, sagte Thomas Müller, Betriebsratsmitglied und Verdi-Gewerkschafter. Nach dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster zum Hambacher Forst hätten viele Beschäftigte den „Kaffee auf“ und würden sich Sorgen um ihre Arbeitsplätze machen. „Es beängstigt uns, wenn Politiker ohne Sachverstand die Zukunft des Reviers gestalten wollen“, sagte Müller. Im Visier hatten die Kraftwerker insbesondere den Chef der grünen Bundestagsfraktion, Anton Hofreiter, dem sie „ganz schön viel Meinung bei so wenig Ahnung“ attestierten.

Ihre Mahnwachen betrachteten die RWE-Mitarbeiter auch als ein deutliches Signal an die Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung, die sie zu einem „fairen Umgang mit der Energieversorgung“ aufforderten. Dies wollen sie auch am 24. Oktober deutlich machen, wenn die Kommissionsmitglieder im Rheinischen Revier unterwegs sind. Für diesen Tag planen die Gewerkschaften IG BCE und Verdi eine Großdemonstration, die voraussichtlich in Bergheim stattfinden soll, dem Tagungsort der Kohlekommission.

Kraftwerkschef Tilman Bechthold unterstützte am Montag den Protest der RWE-Beschäftigen. „Ich finde es klasse, dass sie deutlich Stellung beziehen“, sagte er. „Die Kollegen fühlen sich von der Politik verraten – und sie sind überrascht vom Urteil des Oberverwaltungsgerichts, mit dem Fakten geschaffen wurden.“ Folgen würden ein Herunterfahren der Produktion und ein Abbau von Arbeitsplätzen sein.

Revierweit haben am Montagmorgen mehrere Tausend Mitarbeiter des Energiekonzerns die Zufahrten zu Tagebauen und Kraftwerken blockiert. Nach Angaben der Energiegewerkschaft IG BCE waren etwa 4000 Beschäftigte beteiligt. Die Stromproduktion wurde von den Protesten nicht beeinträchtigt. Eine Notbesetzung hielt den Betrieb in den Kraftwerken aufrecht.

(wilp)
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