Grevenbroich: Alte "Traube"-Mauern wieder freigelegt

Sanierungsarbeiten in Grevenbroich : Alte Hotel „Zur Traube“-Mauern sind wieder freigelegt

Das ehemalige Nobel-Restaurant an der Bahnstraße wird aufwendig saniert, zum Firmensitz und Wohnhaus ausgebaut. Bei dieser Gelegenheit hat Eigentümer Yakup Yamac historisches Mauerwerk wieder sichtbar gemacht.

Das an der Fassade seit Jahrzehnten wuchernde Efeu war eine Herausforderung. Nicht nur Muskelschmalz, sondern auch schwere Hardware in Form eines Krans war notwendig, um dem grünen Wildwuchs endlich Herr zu werden. Dass sich der Einsatz gelohnt hat, freut nicht nur den Eigentümer des wohl bekanntesten Grevenbroicher Hauses. Auch die Denkmalbehörde äußert sich begeistert. Denn ein Teil des ursprünglichen Mauerwerks des Hotels „Zur Traube“ wurde bei dieser Gelegenheit wieder sichtbar gemacht.

Der „Urwald“, der an dem der Straße „Elsener Mühle“ zugewandten Gebäudeteil wucherte, sei ihm von Anfang an ein Dorn im Auge gewesen, sagt Yacup Yamac, der das ehemalige Spitzen-Restaurant im vergangenen Jahr erworben hatte. „Das Efeu drang schon durch die Fensterdichtungen in das Innere des Hauses hinein, teilweise hatten die Ranken sogar das alte Mauerwerk gesprengt – es wurde also höchste Zeit“, schildert der Chef eines Personaldienstleistungs-Unternehmens.

Eigentlich hatte Yamac vor, die Fassade wieder weiß tünchen zu lassen, nachdem das Efeu entfernt und Schäden ausgebessert waren – doch: „Als die alten Mauern des Gebäudes wieder zum Vorschein kamen, habe ich es mir anders überlegt“, sagt er. „Die Backstein-Optik hat mich fasziniert, denn das ist die echte ,Traube‘, so wie sie ursprünglich einmal war.“ Yakup Yamac setzte sich mit der Denkmalbehörde in Verbindung.

Der Landschaftsverband Rheinland hatte 2018 das historische Hotel und spätere Sterne-Restaurant unter Schutz gestellt – aus mehreren Gründen: Die 126 Jahre alte „Traube“ ist nach Experten-Meinung nicht nur ein charakteristisches Zeugnis für die Architektur der Gründerzeit, sondern auch bedeutend für die Ortsgeschichte. Nicht zuletzt auch, weil sie später zum Hotspot der internationalen Gourmet-Szene wurde.

In Absprache mit dem Denkmalschutz ließ Yamac die komplette Fassade mit Hilfe eines Wasserstrahl-Verfahrens reinigen, zerstörte Steine wurden ersetzt, alles wurde nach alter „Rezeptur“ neu verfugt. „Bis auf einige Kleinigkeiten sind wir an dieser Stelle fertig“, sagt der Eigentümer. Damit meint er nicht nur das seitliche Mauerwerk, auch der gesamte rückwärtige Teil des großen Hotel-Komplexes wurde bei dieser Gelegenheit wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt. „Herausgekommen ist eine Optik, wie sie auf alten Postkarten der ,Traube‘ zu sehen ist“, sagt Yacup Yamac zufrieden. „Von Außen sind auf einmal Fenster auszumachen, die viele Jahrzehnte lang verborgen waren.“

Dass dieser „Ur-Zustand“ des Restaurants wieder hergestellt wurde, habe Anklang bei städtischen und regionalen Denkmalschützern gefunden. Die Zusammenarbeit mit den Behörden sei kooperativ und konstruktiv gewesen, sagt der Hauseigentümer. „Uns wurde geholfen, nichts wurde verhindert. “

Auch sonst legt Yacup Yamac Wert darauf, den Charakter des Hauses zu wahren. Die ehemaligen Speiseräume des Nobel-Restaurants hat er so belassen wie sie waren. Lediglich ein großer Schreibtisch und eine schwere Sitzgruppe deuten darauf hin, dass sich im Erdgeschoss der Hauptsitz seines Unternehmens befindet. Die Familie lebt in den oberen Räumen, die zurzeit komplett erneuert werden. Auch dort bleibt Altes erhalten. Historische Holztreppen werden ebenso renoviert wie Steingutfliesen aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Und der mit der Zeit verwilderte Garten wird ebenfalls auf Vordermann gebracht wie die große Dachterrasse mit ihrem herrlichen Ausblick auf den Stadtpark. „Bis zum Ende des Jahres wollen wir mit dem Gesamtpaket fertig sein“, heißt das durchaus sportliche Ziel des Eigentümers.

Dieser Zeitpunkt gilt übrigens nicht für die momentan ebenfalls eingerüstete Frontseite des Hotels. „Dort werden unter anderem neue Regenrinnen und Fallrohre installiert, auch die Fassadenfarbe wird erneuert“, schildert Yacup Yamac. Und an dieser Stelle hat er einen ganz klaren Termin für den Abschluss der Arbeiten gesetzt: „Vor dem Schützenfest muss das Gerüst weg sein. Am ersten September-Wochenende soll die ,Traube’ im alten Glanz erstrahlen.“

Mehr von RP ONLINE